Science Busters Podcast

Science Busters Podcast

Wer nichts weiß, muss alles glauben.

Transkript

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Martin Puntigam: Ausgabe 122 des ScienceBusters Podcasts und heute bereits Teil 4 der Sternstunden der ScienceBusters.

Martin Puntigam: Nächste Ausgabe also Jubiläum, das heißt Aufmacherthema in der Zeit im Bild

Martin Puntigam: 1 und der Bundespräsident kommt mit einem Geschenkkopf vorbei.

Florian Freistetter: Eher nein, aber immerhin ein Sternchen dürft es geben für die erfolgreiche Sternentstehung.

Martin Puntigam: Herzlich willkommen zu Ausgabe 122 Designs, was das Podcast wie immer produziert

Martin Puntigam: mit Unterstützung der Uni Gras und der TQ Wien.

Martin Puntigam: Mein Name ist Martin Puntigam und mir gegenüber sitzt heute natürlich wieder

Martin Puntigam: Florian Freistetter, Astronom. Hallo.

Florian Freistetter: Hallo.

Martin Puntigam: In der letzten Ausgabe, wie Herzsprung und Russell nach der Reise von den roten

Martin Puntigam: Riesen zu den weißen Zwergen einen Riesenast hatten,

Martin Puntigam: haben wir unter anderem eben darüber gesprochen und aber auch noch,

Martin Puntigam: weshalb es ohne Bauern am Feld keine Milch gibt, warum kleinere Sterne keine

Martin Puntigam: großen Leuchten sind, wieso die Sonne zwischen Riesen und Zwergen lebt,

Martin Puntigam: wann die AGBs für Sterne nicht mehr gelten,

Martin Puntigam: wie man ein Herzsprung-Russell-Diagramm anwendet, wieso große Zwerge keine Riesen

Martin Puntigam: sind, was die Sonne in der Pension vorhat,

Martin Puntigam: ab wann es schwarze Zwerge geben kann, was man unter Dark Astronomers versteht

Martin Puntigam: und warum Florian Freistetter einmal einen Eimer aufgehabt hat. Also einen Kübel.

Martin Puntigam: Heute in Sternstunde Nummer 4 des Science-Busters geht es um die Sternenentstehung,

Martin Puntigam: also wirklich um die Sternenentstehung einmal, um die Hayashi-Tracks und den

Martin Puntigam: Weg zum Herzsprung-Russell-Diagramm, das wir ja letztes Mal besprochen haben.

Martin Puntigam: Also wie aus einer Wolke voller Wasserstoff ein echter Stern wird,

Martin Puntigam: was dazwischen passiert, aber, und das ist das Besondere, diesmal nicht.

Martin Puntigam: Detail besprochen und nicht so, wie wir es normalerweise auf der Science Pass

Martin Puntigam: das Bühne machen, wissenschaftskommunikatorisch kurz.

Florian Freistetter: Ja, wir besprechen auf der Science Pass das Bühne durchaus auch Dinge,

Florian Freistetter: die man ansonsten nicht so im Detail bespricht.

Florian Freistetter: Also auch da gehen wir oft in Details, die man nicht geht. Aber gerade bei der

Florian Freistetter: Sternentstehung ist es außerhalb der Astronomie tatsächlich selten,

Florian Freistetter: dass man die ganze Geschichte erzählt.

Florian Freistetter: Die ganze Geschichte erzählen wir eh nicht, weil das ist was,

Florian Freistetter: was man mehrere Semester lang studieren müsste.

Florian Freistetter: Aber wir reden auf jeden Fall mehr als das Übliche, weil normalerweise,

Florian Freistetter: wenn man sagt, wie Sterne entstehen und man macht das in einem kommunikatorischen

Florian Freistetter: Kontext, sagt man halt, da gibt es eine große Wolke aus Gas- und Wasserstoffmolekülen und diese Wolke

Florian Freistetter: kollabiert und irgendwann wird es innen drin so heiß, dass der Wasserstoff fusioniert

Florian Freistetter: und dann ist ein Stern entstanden.

Martin Puntigam: Genau, das habe ich ja viele Jahre, fast schon zwei Jahrzehnte gehört und internalisiert.

Florian Freistetter: Ja, ist auch so, aber es passiert halt dazwischen sehr, sehr viel mehr und Dinge,

Florian Freistetter: die auch durchaus interessant sind, behaupte zumindest dich als Astronom,

Florian Freistetter: man sieht dann, dass es gar nicht so einfach ist, einen Stern hinzukriegen,

Florian Freistetter: wie man glaubt, dass es ist.

Florian Freistetter: Der Anfang der Sternentstehung, das ist die Molekülwolke.

Florian Freistetter: Und das ist eine Wolke, die aus Molekülen besteht, aber auch da fängt es schon

Florian Freistetter: mal an, weil unter Molekül verstehen wir ja im Alltag meistens was anderes,

Florian Freistetter: als in dem Fall richtig ist.

Florian Freistetter: Also, an Wasser oder an Kohlendioxid oder was auch immer.

Martin Puntigam: Aber in der Astronomie bedeutet das wieder was anderes, heißt aber gleich.

Florian Freistetter: Nein, nein, es bedeutet schon dasselbe, aber es geht quasi um ein einziges Molekül.

Florian Freistetter: Aber fangen wir mal ein bisschen weiter hinten an.

Florian Freistetter: Wir wissen ja noch nicht so lange, dass es diese Molekülwolken gibt,

Florian Freistetter: weil wir wissen ja auch noch nicht mal so lange, was Sterne eigentlich sind

Florian Freistetter: und wie sie funktionieren.

Florian Freistetter: Das haben wir in den früheren Folgen schon besprochen.

Florian Freistetter: Eine Molekülwolke ist etwas, was man eigentlich auf den ersten Blick gar nicht so gut sehen kann.

Florian Freistetter: Das heißt, das erste Mal aufgefallen ist es den Leuten, als sie am Himmel beraten,

Florian Freistetter: Regionen gesehen haben, wo nichts ist. Also diese Molekülwolken verdecken quasi den Sternenhimmel.

Florian Freistetter: Und das hat Caroline Herschel, die hat das berichtet von ihrem Bruder,

Florian Freistetter: Wilhelm Herschel, der berühmte Astronom, der unter anderem den Planeten Uranus entdeckt hat.

Florian Freistetter: Und Caroline Herschel war auch eine Astronomin, nicht ganz so berühmt wie ihr

Florian Freistetter: Bruder, was aber nicht daran lag, dass sie weniger wichtige Arbeit gemacht hat,

Florian Freistetter: sondern dass sie halt als Frau nicht so die Aufmerksamkeit bekommen hat.

Florian Freistetter: Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Florian Freistetter: Jedenfalls hat Herschel eine scheinbar sternlose Region gesehen,

Florian Freistetter: am Himmel und hat dann offensichtlich, so berichtet es Caroline,

Florian Freistetter: gesagt, hier ist wahrhaftig ein Loch im Himmel.

Florian Freistetter: Also da war halt einfach nichts, weil das ist ungewöhnlich, wenn man im Teleskop irgendwo hinschaut.

Florian Freistetter: Man sieht immer überall Sterne und wenn du da mal eine Gegend findest,

Florian Freistetter: wo keine Sterne sind, dann ist das schon außergewöhnlich.

Martin Puntigam: Und dann ist das so gegangen wie beim Kindergeburtstag. Mein rechter Platz ist

Martin Puntigam: leer und da wünsche ich mir eine Molekülwolke her.

Florian Freistetter: Nein, weil die haben nicht gewusst, was eine Molekülwolke ist.

Florian Freistetter: Der hat nur festgestellt, da ist nichts am Himmel und das war komisch.

Florian Freistetter: Und erst später hat der, ich glaube es war der niederländische Astronom Bart

Florian Freistetter: Bock, also es war Bart Bock, ich weiß noch gar nicht aus welchem Land er kommt,

Florian Freistetter: aber ich glaube es waren die Niederlande.

Florian Freistetter: Später ist er dann in die USA gegangen auf jeden Fall. und der hat das erforscht

Florian Freistetter: und wissenschaftlich definiert,

Florian Freistetter: was wir heute Dunkelwolken auch nennen und da ist die Astronomie halt sehr deskriptiv

Florian Freistetter: in ihrer Bezeichnung, das sind halt wirklich dunkle Wolken und das sind das,

Florian Freistetter: was wir auch Molekülwolken nennen und der hat quasi gezeigt,

Florian Freistetter: dass das die Orte der Sternentstehung sind.

Florian Freistetter: Man hat aber damals, das waren so die, was wird das gewesen sein,

Florian Freistetter: 50er Jahre um den Dreh um 30er, 40er, 50er Jahre, irgendwie sowas.

Martin Puntigam: Aber 20. Jahrhundert jetzt.

Florian Freistetter: Ja, genau. Also im letzten Jahrhundert, weil die anderen haben wir noch nicht.

Florian Freistetter: Also wir sind, Bad Bock ist Anfang des 20.

Florian Freistetter: Jahrhunderts geboren und hat dann, glaube ich, gestorben in seinen 80ern,

Florian Freistetter: wenn ich mich richtig erinnere.

Florian Freistetter: Und dazwischen hat er die Dunkelwolken erforscht.

Florian Freistetter: Und wenn man sich Bilder von Dunkelwolken anschaut, kann man gerne machen,

Florian Freistetter: im Internet einfach eingeben, vielleicht sicher jetzt halber noch Astronomie

Florian Freistetter: dazu eingeben bei der Suchmaschine, dann sieht man wirklich,

Florian Freistetter: das schaut wirklich aus, als würde da ein

Florian Freistetter: Stück fehlen. Man sieht so einen Sternenhimmel und davor ist es dunkel.

Florian Freistetter: Und das sind die Orte, wo die Sterne entstehen. Man hat damals noch nicht genau

Florian Freistetter: gewusst, wie die zusammengesetzt sind, die Dunkelwolken. Das wissen wir heute.

Florian Freistetter: Wir wissen, die bestehen ja fast komplett aus Wasserstoff, weil Wasserstoff

Florian Freistetter: halt das häufigste Element ist.

Florian Freistetter: Und am Anfang nichts da war außer Wasserstoff mit ein bisschen Helium.

Florian Freistetter: Aber 70 Prozent des Wasserstoffs in dieser Wolke ist molekularer Wasserstoff,

Florian Freistetter: also H2, zwei Wasserstoffatome, die zusammenhängen. Und weil das eben molekularer

Florian Freistetter: Wasserstoff ist, heißen diese Wolken Molekülwolken.

Florian Freistetter: Das ist der Grund. Nicht, weil da jetzt so wahnsinnig viele Moleküle drin sind

Florian Freistetter: oder unterschiedliche Moleküle drin sind, sondern weil der Wasserstoff in Form

Florian Freistetter: von Molekülen vorliegt, was wichtig ist, die wir dann später noch hören werden,

Florian Freistetter: wenn es um die Entstehung des Sterns geht.

Martin Puntigam: Okay, dann frage ich nicht nach, was der große Unterschied ist zwischen H2 und H.

Florian Freistetter: Ja, das ist wichtig. Es gibt auch noch neutrale Wasserstoffatome.

Florian Freistetter: Da ist einfach nur ein H ohne H2.

Florian Freistetter: Die sind so auch in der Wolke drin natürlich. Also so außenrum ist eine Hülle

Florian Freistetter: aus neutralem Wasserstoff und ja, ein anderes Klump ist auch noch drin.

Florian Freistetter: Also sehr, sehr geringe Mengen.

Florian Freistetter: Je nachdem, wie alt diese Wolken sind, was da die anderen Sterne im Laufe ihrer

Florian Freistetter: Kernfusion und so weiter schon erzeugt und reingepfeffert haben.

Florian Freistetter: Also Kohlenmonoxid und interstellarer Staub und so Zeug ist da alles drinnen.

Florian Freistetter: Und wer wissen will, wie so eine klassische Molekülwolke aussieht,

Florian Freistetter: kann sich dieses berühmte Bild auswählen.

Florian Freistetter: Wahrscheinlich alle schon mal gesehen haben, die sich mit Astronomie auch nur

Florian Freistetter: rudimentär beschäftigt haben,

Florian Freistetter: ansehen, dieses Bild der Säulen der Schöpfung, so wie es genannt ist.

Florian Freistetter: Also eigentlich ist es ein Bereich im Adlernebel, so 7000 Lichtjahre von uns weg.

Florian Freistetter: Da sieht man halt diese Staubfinger aufsteigen vor einem Himmel und das ist

Florian Freistetter: genau der Bereich, wo Sterne entstehen, dieser Staub.

Florian Freistetter: Das ist das, wovon wir jetzt reden, von diesen Wolken.

Martin Puntigam: Und die haben ja deshalb den Spitznamen Säulen der Schöpfung bekommen,

Martin Puntigam: weil dort eben Sterne entstehen oder weil man besonders dick auftragen wollte,

Martin Puntigam: weil es so ein schönes Foto war?

Florian Freistetter: Beides wahrscheinlich. Also Pillars of Creation hat man es halt im Original

Florian Freistetter: genannt, weil das ja von Hubble-Weltraumteleskop ist.

Florian Freistetter: Und ja, das haben sich halt die Presseabteilungen wahrscheinlich ausgedacht.

Florian Freistetter: Weil es ja eben, es ist wie gesagt der Ort, wo die Sterne entstehen.

Florian Freistetter: Das kann man dann durchaus auch Säulen der Schöpfung nennen wahrscheinlich.

Florian Freistetter: Ach schau, ich sehe gerade, ich habe eine Podcast-Folge dazu gemacht.

Florian Freistetter: Die ist offensichtlich im Wikipedia-Artikel verlinkt, weil ich mir auch noch

Florian Freistetter: gerade ein Bild angeschaut habe. und unten bei weiterführenden Informationen

Florian Freistetter: gibt es eine Sternengeschichtenfolge 634.

Florian Freistetter: Ja, kann man sich nochmal anhören, wenn man das wissen will.

Florian Freistetter: Ja, man verliert ab und zu den Überblick, was ich ja schon alles gemacht habe bei den vielen Folgen.

Florian Freistetter: Ja, aber um die Dinger geht es auf jeden Fall. Es gibt natürlich mehr als nur

Florian Freistetter: die Säulen der Schöpfung, aber das ist halt ein besonders schönes Bild oder

Florian Freistetter: ein schönes Exemplar seiner Molekülwolke.

Florian Freistetter: In der Milchstraße haben wir jede Menge davon, hauptsächlich in den Spiralarmen der Milchstraße.

Florian Freistetter: Da sind noch jede Menge davon, weil das sind auch die Orte, wo die Sterne gerade entstehen.

Florian Freistetter: Deswegen sind die Spiralarme ja auch so hell und sichtbar, weil da gerade neue Sterne entstehen.

Florian Freistetter: Und gerade meine ich jetzt im astronomischen Sinne, das sind jetzt irgendwie

Florian Freistetter: so über Millionen Jahre gerechnet.

Florian Freistetter: Und da haben wir die und so eine Molekülwolke ist, und da sind wir jetzt schon

Florian Freistetter: an dem Punkt, wo wir jetzt von der klassischen, da ist die Wolke und sie kollabiert, weggehen.

Florian Freistetter: Die Wolke ist nicht homogen, das ist wichtig. Also die Wolke ist jetzt kein

Florian Freistetter: so homogenes Ding, wo alles gleich verteilt ist, sondern die haben eine Struktur.

Florian Freistetter: Wir haben noch nicht vollständig verstanden, wo die Struktur herkommt,

Florian Freistetter: aber da ist natürlich Gravitation drin in der Wolke, weil die Teilchen sich

Florian Freistetter: alle gegenseitig anziehen.

Florian Freistetter: Da ist Turbulenz drinnen, weil das Ganze ja auch irgendwie so,

Florian Freistetter: ja, fließen ist das falsche Wort, weil das ist ja jetzt nichts in der Atmosphäre

Florian Freistetter: stattfindet, aber es bewegt sich ja alles auch.

Florian Freistetter: Man hat Sterne in der Umgebung, die selbst Gravitation ausüben,

Florian Freistetter: die vielleicht selbst Material hinaus ins All schießen mit ihrem Sternwind,

Florian Freistetter: was Einfluss auf die Wolken nimmt.

Florian Freistetter: Es gibt Magnetfelder und so weiter und all das führt dazu, dass die Wolke eben

Florian Freistetter: nicht homogen ist, sondern Struktur hat. Man kann das grob in drei Gruppen klassifizieren.

Florian Freistetter: Du hast einmal die Wolke, also Cloud, das sind jetzt alles englische Fachbegriffe,

Florian Freistetter: die sind noch nicht so weit in die Populärwissenschaft vorgedrungen,

Florian Freistetter: dass man da deutsche Begriffe hat dafür, die

Florian Freistetter: sich eingebürgert haben, also Cloud, die Wolke, das ist alles.

Florian Freistetter: Und darin gibt es Clumps und Cores. Also ein Core, ein Kern,

Florian Freistetter: ist eine lokale Verdichtung, eine einzelne lokale Verdichtung in der Wolke.

Florian Freistetter: Und es gibt aber in so einer Wolke viele lokale Verdichtungen.

Florian Freistetter: Und so eine Gruppe von lokalen Verdichtungen, das nennt man Clump,

Florian Freistetter: also Klumpen. Also wir haben Klumpen und die Klumpen bestehen aus Kernen.

Florian Freistetter: Und wenn wir mal diese Klumpen und Kerne drin haben, dann kann es losgehen mit der Sternentstehung.

Martin Puntigam: Also davor ist es einfach eine Wolke, wo die Moleküle halt so ein bisschen herumdüsen,

Martin Puntigam: aber erst wenn sie sie verdichten, dann geht es los?

Florian Freistetter: Dann geht es los, ja. Es braucht irgendwo so eine lokale Verdichtung, einen so einen Kern.

Florian Freistetter: Und dann geht es los, denn dann haben wir entsprechende Unterschiede in der Gravitation.

Florian Freistetter: Also wir haben immer zwei Kräfte, die wichtig sind und die auch den Rest der

Florian Freistetter: Sternentstehung wichtig sein werden. Nämlich einerseits die Gravitation,

Florian Freistetter: die sorgt dafür, dass so ein Kern, also eine lokale Verdichtung,

Florian Freistetter: sich noch weiter verdichten will.

Florian Freistetter: Weil die lokale Verdichtung übt mehr Gravitationskraft auf die Umgebung aus,

Florian Freistetter: als die Bereiche, wo nichts dicht ist.

Florian Freistetter: Das heißt, das Material neigt dazu, von wo auch immer weiter außen auf diese

Florian Freistetter: lokalen Verdichtungen sich hinzuzubewegen.

Martin Puntigam: Aber diese Verdichtungen, wie kommen die denn überhaupt zustande?

Florian Freistetter: Wissen wir nicht. Wir wissen nicht, wo diese Struktur herkommt.

Florian Freistetter: Das kann halt irgendwie einfach zufällige Bewegungen von der Gravitation sein.

Florian Freistetter: Da muss ich einfach nur mal irgendwo, vereinfacht gesagt, zwei Atome ein bisschen

Florian Freistetter: näher zusammen sein als die Atome rundherum.

Florian Freistetter: Dann habe ich schon einen minimalen Unterschied und dann kommt ein drittes Atom dazu.

Florian Freistetter: So ist es im Detail jetzt nicht. Aber ja, wir haben irgendwie einen Einfluss von anderen Sternen.

Florian Freistetter: Die Wolke ist nicht isoliert im Universum. Irgendwas passiert da drin und dann

Florian Freistetter: bilden sich im Laufe der Zeit diese Verdichtungen aus.

Martin Puntigam: Also wie wenn Fließverkehr ist, alle fahren gleich schnell, aber dann fängt

Martin Puntigam: jemand an, aufs Handy zu schauen oder hat eine Ausfahrt versammelt und so weiter.

Martin Puntigam: Und dann gibt es auch so Knotenbildungen, in Kolonnen fahren und so ein bisschen

Martin Puntigam: kann man sich das vorstellen.

Martin Puntigam: Irgendwelche zufälligen Einflüsse führen dazu, dass es auf einmal so Verdichtungen gibt.

Florian Freistetter: Genau, und jetzt haben wir diese Verdichtungen und wenn wir diese Verdichtung

Florian Freistetter: haben, dann verdichtet die sich weiter.

Florian Freistetter: Und das ist die eine Kraft, die Gravitation, die sorgt dafür,

Florian Freistetter: dass so ein Kern weiter kollabiert. Aber wir haben eine zweite Kraft,

Florian Freistetter: die dem entgegenwirkt und das ist die Eigenbewegung der Moleküle.

Florian Freistetter: Die bewegen sich ja selbst auch hin und her.

Florian Freistetter: Und Bewegung von Teilchen, das ist das, was in der Physik quasi wir als thermische

Florian Freistetter: Energie oder als Wärme bezeichnen können.

Florian Freistetter: Also Wärme im Alltag ist ein anderer Begriff als in der Thermodynamik der Physik,

Florian Freistetter: aber im Wesentlichen ist Bewegung gleich Wärme.

Florian Freistetter: Das heißt, die Teilchen bewegen sich und diese Bewegung sorgt für eine thermische

Florian Freistetter: Energie und die sorgt dafür, dass der Gravitation was entgegengewirkt wird.

Florian Freistetter: Kann man sich ganz einfach so vorstellen.

Florian Freistetter: Die Gravitation will, dass alles zusammenkommt, aber weil sich die Dinger bewegen,

Florian Freistetter: bewegen sie sich auch ein bisschen weg und das funktioniert.

Florian Freistetter: Wirkt diesem Kollaps entgegen. Das darf man sich jetzt nicht so vorstellen,

Florian Freistetter: dass diese Wolke da, dass da Gasströme mit wilder Geschwindigkeit hin und her fließen.

Florian Freistetter: Wir sind immer noch bei einer sehr, sehr großen Wolke, die sehr,

Florian Freistetter: sehr, sehr wenig dicht ist.

Florian Freistetter: Also wenn wir so ein Stück rausbeamen würden aus der Wolke in ein Labor auf

Florian Freistetter: der Erde, dann wäre das im Wesentlichen ein Vakuum, was wir da rausgebeamt hätten.

Florian Freistetter: Also alles, was da passiert, passiert sehr langsam.

Florian Freistetter: Aber trotzdem, wir haben Gravitation, wir haben die Bewegung der Moleküle und

Florian Freistetter: die beiden Kräfte streiten miteinander, wenn man so will. Und die Frage ist,

Florian Freistetter: welche Kraft ist stärker?

Florian Freistetter: Und was stärker ist, hängt von der Masse der Wolke ab, beziehungsweise von der Masse der Verdichtung.

Florian Freistetter: Und die sorgt ja dafür, dass die Gravitationskraft ausgeübt wird.

Florian Freistetter: Und wenn eine kritische Masse überschritten ist, dann kann diesen Kollaps vorerst nichts mehr aufhalten.

Florian Freistetter: Das heißt, dann kollabiert das und im Kern ist die Dichte ja immer höher als außen.

Florian Freistetter: Dort geht der Kollaps schneller vorwärts als außen. Also im Kern,

Florian Freistetter: in dieser Verdichtung kollabiert das ganze Ding, die Wolke schneller als woanders.

Florian Freistetter: Und jetzt haben wir ein zweites Phänomen. Wenn sich etwas verdichtet, dann...

Florian Freistetter: Kann man das auch als Energieumwandlung auffassen. Also wir haben Gravitationsenergie,

Florian Freistetter: die in Wärmeenergie umgewandelt wird.

Florian Freistetter: Ich erkläre das immer so, was physikalisch nicht ganz korrekt ist,

Florian Freistetter: aber stell dir vor, du bewegst dich sehr schnell mit einem Auto und dann wird

Florian Freistetter: diese Bewegung sehr schnell gestoppt, weil du gegen eine Mauer gefahren bist.

Florian Freistetter: Dann wird die ganze Energie der Bewegung spontan umgewandelt,

Florian Freistetter: unter anderem in Wärmeenergie, in Verformungsenergie und so weiter.

Florian Freistetter: Also die Energie, die in der Bewegung steckt, kannst du halt in Wärmeenergie

Florian Freistetter: umwandeln. Haben wir auch schon mal ein Experiment gehabt bei der Science-Buster Show.

Florian Freistetter: Und dasselbe im Prinzip passiert bei dieser Wolke auch.

Florian Freistetter: Also die Wolke kollabiert, das Zeug bewegt sich, wird nach innen bewegt und das erzeugt eine Wärme.

Florian Freistetter: Das heißt, der Kern heizt sich auf dadurch, dass er kollabiert.

Florian Freistetter: Das ist ein wichtiges Phänomen.

Florian Freistetter: Und diese Wärme, die im Kern entsteht durch den Kollaps, die will der Kern irgendwie

Florian Freistetter: wieder loswerden. Das ist Wärmestrahlung.

Florian Freistetter: Die Wärme wird abgestrahlt und das passiert auch. Also da gibt es noch kein

Florian Freistetter: Problem, dass da die Wärme wieder loswerden kann, weil außenrum, habe ich gerade gesagt,

Florian Freistetter: die Wolke ist sehr, sehr dünn, das heißt die Wärmestrahlung kommt da einfach

Florian Freistetter: problemlos wieder raus und der Kern heizt sich zwar auf, aber gibt die Wärme

Florian Freistetter: gleich wieder ab und erhitzt sich dadurch nicht weiter.

Florian Freistetter: Das heißt, der wird nicht heißer und heißer, sondern da geht zwar immer mehr

Florian Freistetter: Wärmeenergie rein in den Kern durch den Kollaps, aber die Energie geht auch wieder raus.

Martin Puntigam: Kann es dann sein, dass das dann gar kein Stern wird oder wird es dann trotzdem

Martin Puntigam: zwangschleifiger Stern?

Florian Freistetter: Naja, wir sind ja auch am Anfang. Also wir sind noch am Anfang,

Florian Freistetter: wenn mal die kritische Masse überschritten ist von so einer Wolke,

Florian Freistetter: dann kommt dieser Kollaps und der wird auch nicht aufgehalten vorerst.

Florian Freistetter: Und dann sind wir bei dem Punkt, wo die Wärmeenergie abgestrahlt wird.

Florian Freistetter: Der Kern sich aber nicht weiter aufheizt, weil die Wärme weiter raus kann,

Florian Freistetter: aber der Kollaps geht ja trotzdem weiter.

Florian Freistetter: Das bedeutet auch von außen kommt immer mehr Material nach und die Gasschichten

Florian Freistetter: außen um diesen Kern rundherum werden auch immer dichter und dichter und irgendwann

Florian Freistetter: so dicht, dass die Wärmestrahlung jetzt quasi nicht mehr durchkommt und dann

Florian Freistetter: fängt der Kern an sich aufzuheizen,

Florian Freistetter: weil die Strahlung jetzt nicht mehr oder schwer rauskommt und dann haben wir

Florian Freistetter: das erste Mal das Phänomen, dass wir eine relevante Kraft haben,

Florian Freistetter: die dem Kollaps jetzt entgegenwirken kann, weil wir haben die Gravitationskraft,

Florian Freistetter: die will, dass das Gas in sich zusammenfällt und wir haben Strahlung,

Florian Freistetter: Wärmestrahlung in dem Fall, die von innen raus will und jetzt sehr vereinfacht

Florian Freistetter: gesagt gegen die Gasteilchen drückt beim Rauswollen.

Florian Freistetter: Das heißt, die Gravitation wirkt nach innen, die Strahlung wirkt nach außen

Florian Freistetter: und dass, wenn die Strahlung, die nach außen drückt, ausreichend stark ist.

Florian Freistetter: Dann kriegen wir ein Gleichgewicht, dann kann der Kern nicht mehr weiter in

Florian Freistetter: sich kollabieren Und wir haben ein sogenanntes hydrostatisches Gleichgewicht,

Florian Freistetter: weil die beiden Kräfte, Gravitation und Strahlungsdruck, sich eben genau die Waage halten.

Florian Freistetter: Und das ist, wenn man so will, der erste wichtige Schritt von der Wolke zum Stern.

Florian Freistetter: Das ist das, was in der Wissenschaft entweder als erster Kern bezeichnet wird

Florian Freistetter: oder als First Hydrostatic Core, also der erste hydrostatische Kern.

Florian Freistetter: Ist noch kein Stern, aber der erste Schritt zum Stern, der erste wichtige Punkt.

Florian Freistetter: Wo eine Wolke aufgehört hat, eine Wolke zu sein, sondern schon mal physikalisch,

Florian Freistetter: astronomisch etwas anderes ist als vorher.

Florian Freistetter: Das Ding ist jetzt, wie gesagt, definitiv kein Stern. Wir sind jetzt so von

Florian Freistetter: der Wolke bis jetzt, ja, ungefähr 10.000 Jahre hat es jetzt gedauert.

Martin Puntigam: Also das ist quasi der erste Schritt. Wenn das eine Sendung mit der Maus-Sachgeschichte

Martin Puntigam: wäre, dann hätten wir jetzt einmal so eine kleine Form, anhand derer man aber

Martin Puntigam: noch nicht erkennen kann, was das Produkt am Ende werden wird.

Florian Freistetter: Ja, es schaut noch komplett anders aus als ein Stern. Also das Ding,

Florian Freistetter: was wir jetzt haben, dieser erste hydrostatische Kern ist ungefähr 20 astronomische

Florian Freistetter: Einheiten groß, 10 bis 20 astronomische Einheiten. Das ist so weit,

Florian Freistetter: weit über die Umlaufbahn des Saturn hinaus ungefähr.

Florian Freistetter: Jupiter hat fünf astronomische Einheiten größer, die Umlaufbahnradius, die Saturn ist bei zehn.

Florian Freistetter: Also wenn wir so einen ersten hydrostatischen Kern in Sonnensystem in die Mitte

Florian Freistetter: reinsetzen würden, dann wäre dieses wolkige Ding, würde weit bis hinter den Saturn hinausreichen.

Florian Freistetter: Also das ist kein Stern, es ist etwas, das man prästellaren Kern auch nennt.

Florian Freistetter: Wenn man nicht First Hydrostatic Core sagen will, kann man auch prästellarer Kern sagen.

Florian Freistetter: Aber eigentlich ist es eine große, warme Wolke, wenn man so will.

Florian Freistetter: Die halt jetzt vorerst nicht mehr weiter in sich zusammenfällt,

Florian Freistetter: weil sie eben warm geworden ist und die Wärme nach außen drückt und den Kollaps verhindert.

Florian Freistetter: Also wir haben jetzt eine große, warme Wolke. Vorher hatten wir eine kalte,

Florian Freistetter: sehr große Wolke und jetzt haben wir eine kleinere, große Wolke, die warm ist.

Martin Puntigam: Und dadurch, dass es aber eine gewisse Masse schon gibt, geht es dann weiter

Martin Puntigam: und die bleibt nicht stabil?

Florian Freistetter: Das schauen wir uns jetzt an, weil noch haben wir ein Gleichgewicht.

Florian Freistetter: Solange ein Gleichgewicht da ist, dann bleibt auch ein Gleichgewicht,

Florian Freistetter: es sei denn, es passiert was.

Florian Freistetter: Und in dem Fall passiert auch was, weil wir haben ja immer noch jede Menge Zeug in der Wolke rundherum.

Florian Freistetter: Wir sind ja immer noch bei dem Teil, wo wir da diese lokalen Verdichtungen in

Florian Freistetter: der Wolke anschauen. Das heißt, dieser prästellare Kern ist jetzt nicht isoliert.

Florian Freistetter: Da ist ja immer noch jede Menge Wolkenmaterial außen drumherum.

Florian Freistetter: Und das fällt weiter von außen auf diesen ersten Kern drauf.

Florian Freistetter: Und beim Auftreffen bildet es ja vereinfacht gesagt so Schockwellen,

Florian Freistetter: also das brasselt da so drauf und dieses Draufbrasseln des Materials von weiter

Florian Freistetter: draußen, das heizt den Kern weiter auf.

Florian Freistetter: Das heißt, dieser Kern wird immer wärmer und wärmer und irgendwann,

Florian Freistetter: und jetzt kommt der Punkt, wo die Moleküle wichtig werden, wo die Tatsache wichtig

Florian Freistetter: wird, dass der Wasserstoff in Form von Molekülen vorliegt.

Florian Freistetter: Weil irgendwann wird die Temperatur in diesem prästellaren Kern so hoch,

Florian Freistetter: dass die Wasserstoffmoleküle nicht mehr zusammenhalten.

Florian Freistetter: Weil die müssen irgendwie zusammenhalten, damit es ein Molekül ist.

Florian Freistetter: Aber wenn die Temperatur hoch wird und die Bewegung der Teilchen dadurch hoch

Florian Freistetter: genug wird, kann man sich wieder vereinfacht vorstellen, die bewegen sich halt

Florian Freistetter: so schnell, dass sie irgendwann nicht mehr zusammenhalten können.

Florian Freistetter: Das heißt, wenn diese Grenztemperatur überschritten wird, dann haben wir keine

Florian Freistetter: H2-Moleküle mehr, sondern einzelne Wasserstoffatome.

Martin Puntigam: Warum waren es ursprünglich eigentlich H2-Moleküle? Wie finden die sich?

Florian Freistetter: Ja, die finden sich halt. Also das ist halt Wasserstoff. Da müsste es jetzt

Florian Freistetter: jemanden fragen, eine Person, die mehr Ahnung von Chemie hat als ich,

Florian Freistetter: wie die Molekülbildung genau abläuft.

Florian Freistetter: Aber ja, Wasserstoff ist halt offensichtlich ein Atom, das sich sehr gerne mit

Florian Freistetter: einem anderen Wasserstoffatom verbindet.

Florian Freistetter: Und wenn du da ausreichend viel auf einem Haufen hast, dann passiert das im Laufe der Zeit.

Florian Freistetter: Das wäre dann das Prequel vom Prequel, wie entsteht die Molekülwolke.

Florian Freistetter: Hat die Astronomie auch jede Menge zu sagen, aber das habe ich jetzt nicht vorbereitet,

Florian Freistetter: um in dieser Folge zu machen.

Florian Freistetter: Also wenn die Serie zu Ende ist, dann können wir, und der Erfolg ausreichend

Florian Freistetter: gut ist an den Kinokassen, dann können wir gerne noch über einen Prequel nachdenken

Florian Freistetter: und den Ursprung, die Origin-Story der Molekülwolke erzählen.

Florian Freistetter: Gut. Aber jetzt, wie gesagt, die Wasserstoffmoleküle brechen auseinander.

Florian Freistetter: Und dieses Auseinanderbrechen, das braucht Energie.

Florian Freistetter: Die brauchen Energie, um auseinanderzukommen. Und wo kommt die her?

Florian Freistetter: Das ist die Wärme. Also die Wärme, die sich im Kern aufbaut,

Florian Freistetter: die wird verwendet, um die Wasserstoffmoleküle zu spalten.

Florian Freistetter: Das heißt, ich habe gerade gesagt, der Kern wärmt sich auf, weil von außen Zeug

Florian Freistetter: auf den Kern prasselt, was eben Wärme erzeugt. Und diese Wärme,

Florian Freistetter: die sich im Kern aufbaut, die spaltet die Wasserstoffmoleküle.

Florian Freistetter: Aber weil diese Wärme für das Molekülspalten verwendet wird.

Florian Freistetter: Kann sie das Gas nicht mehr so schnell bewegen.

Florian Freistetter: Das heißt, die Teilchen, die Atome des Wasserstoffs, die bewegen sich jetzt

Florian Freistetter: nicht mehr so schnell und können jetzt nicht mehr diesen Strahlungsdruck ausüben,

Florian Freistetter: um das Gleichgewicht aufrechtzuerhalten.

Florian Freistetter: Das heißt jetzt, wenn die Wasserstoffmoleküle aufgespalten werden,

Florian Freistetter: fängt der Kollaps wieder an, weiterzumachen. Der Satzbau fängt nicht an weiterzumachen,

Florian Freistetter: der Kollaps geht weiter, wenn die Wasserstoffmoleküle aufgespalten werden.

Florian Freistetter: Das heißt, der prästellare Kern kollabiert jetzt ein zweites Mal.

Florian Freistetter: Dieser Kollaps, der hört erst dann auf, wenn alle Wasserstoffmoleküle gespalten

Florian Freistetter: sind und wenn dann die Temperatur wieder groß genug geworden ist,

Florian Freistetter: damit ein neues hydrostatisches Gleichgewicht entsteht.

Florian Freistetter: Dann haben wir den sogenannten zweiten Kern.

Florian Freistetter: Der ist jetzt schon deutlich sternähnlicher. Der ist ungefähr anderthalbmal

Florian Freistetter: so groß wie die Sonne und besteht fast nur noch aus Wasserstoffatomen,

Florian Freistetter: nicht mehr aus Molekülen.

Florian Freistetter: Und das Ding, das nennt man jetzt Protostern. Immer noch kein echter Stern,

Florian Freistetter: aber zumindest etwas, was sternähnlicher ist als diese warme Wolke,

Florian Freistetter: die wir vorher gehabt haben.

Martin Puntigam: Also der Prototyp eines Sterns noch nicht? Nein, nicht Prototyp.

Florian Freistetter: Genau, in dem Fall hat es Prototyp zu tun, sondern Proto auf Griechisch fast so. Nein, es ist Para.

Florian Freistetter: Also die Vorform eines Sterns, wenn man so will. Ja, genau.

Florian Freistetter: Man sieht auch wenig von so einem Protostern, weil der leuchtet zwar schon,

Florian Freistetter: aber jetzt leuchtet er doch nicht wegen Kernfusion, so wie die Sonne.

Florian Freistetter: Kernfusion haben wir noch lange nicht, sondern der leuchtet,

Florian Freistetter: weil immer noch Material von außen drauf fällt. Also da geht immer noch Wärme rein.

Florian Freistetter: Dieser Protostern hat so eine Temperatur von 1000 Kelvin, also ein paar hundert Grad hat das Ding.

Florian Freistetter: Aber wir sind immer noch in der Wolke. Das heißt, da ist immer noch jede Menge

Florian Freistetter: Gas außen rundherum um diesen Protostern.

Florian Freistetter: Und wenn man von außen drauf schaut, sieht man nichts. Also wenn wir mit unseren

Florian Freistetter: Teleskopen von außen drauf schauen, mit unseren normalen Teleskopen,

Florian Freistetter: wir haben mittlerweile Methoden, um da trotzdem was sehen zu können.

Florian Freistetter: Aber wenn man so wie damals Herschel hinschaut, dann sieht man nichts.

Florian Freistetter: Also dann passiert in der Wolke zwar jede Menge cooles Zeug,

Florian Freistetter: der Stern entsteht, ist schon ein Protostern geworden.

Florian Freistetter: Aber von außen sieht man nichts, weil das ganze Material außen immer noch drum ist.

Florian Freistetter: Aber, und das ist interessant und wichtig, der Protostern, der ja jetzt schon

Florian Freistetter: eine vergleichsweise relevante Menge an Wärme erzeugt im Vergleich zum Dresdellarenkern,

Florian Freistetter: der heizt jetzt auch das Material der Wolke auf.

Florian Freistetter: Also der fängt an, die Umgebung aufzuheizen.

Florian Freistetter: Und jetzt bildet sich etwas, das einen schönen Namen hat, ein Hot Corino.

Florian Freistetter: Klingt wie eine Eissorte oder wie sowas, oder Autobake, keine Ahnung.

Florian Freistetter: Aber ist halt, ja, so sehr typisch astronomisch-physikalische Namensgebung.

Florian Freistetter: Da hängt man immer gern Ino irgendwo hinten dran, wenn es um was Kleineres geht,

Florian Freistetter: also so wie die Teilchen.

Florian Freistetter: Ich glaube, wir haben mal vor Ewigkeiten eine Show gemacht über Supersymmetrie,

Florian Freistetter: wo man auch die supersymmetrischen Teilchen alle mehr mit Ino genannt hat hinten dran.

Florian Freistetter: Also das supersymmetrische Pendant zum Photon war das Photino und so weiter.

Florian Freistetter: Oder Neutrino ist auch so ein Beispiel. Also man hängt da gern so Ino an,

Florian Freistetter: wenn es um etwas Kleines gehen soll.

Florian Freistetter: Und dieser Hot Corino, also der kleine heiße Kern, das ist ein innerer Bereich

Florian Freistetter: der Wolke um den Protostern.

Florian Freistetter: Also man kann sich vorstellen, wir haben eine Wolke, in dieser Wolke sitzt der Protostern.

Florian Freistetter: Und der Protostern, der heizt jetzt den Bereich, den inneren Bereich der äußeren Wolke auf.

Florian Freistetter: Und das ist der Hot Corino. Und der ist auch sehr interessant,

Florian Freistetter: dass wir auch wieder eine eigene Folge werden. Da werden wir mal über Astrochemie

Florian Freistetter: reden, weil da passiert jetzt astrochemisch jede Menge Zeug durch diese Aufhitzung.

Florian Freistetter: Weil ich habe vorhin gesagt, die Wolke besteht nicht nur aus Wasserstoff,

Florian Freistetter: sondern da sind auch andere Elemente drin in geringen Mengen und auch in geringen

Florian Freistetter: Mengen Staubteilchen und Eisteilchen.

Florian Freistetter: Und die hängen zusammen und das Eis verdampft jetzt quasi, vereinfacht gesagt.

Florian Freistetter: Und die Staubteilchen, die können sich dann frei bewegen, können in Kontakt

Florian Freistetter: miteinander kommen. Die Moleküle, die da drauf sind, können sich verbinden.

Florian Freistetter: Das heißt, da passieren jetzt jede Menge spannende chemische Reaktionen durch

Florian Freistetter: diese Aufheizung durch den Protostern.

Florian Freistetter: Und die sind in ganz vielen anderen astronomischen Bereichen relevant,

Florian Freistetter: dass da Bedingungen herrschen, wo komplexere Moleküle entstehen können.

Florian Freistetter: Aber wir wollen Sterne entstehen, verstehen. Das heißt, wir lassen die Chemie

Florian Freistetter: jetzt mal weg und schauen uns den Rest an.

Florian Freistetter: Wir haben jetzt also einen Stern, der noch kein echter Stern ist, mit einer heißen Wolke.

Florian Freistetter: Rundherum ist und außen ist es aber nicht heiß.

Florian Freistetter: Weiter außen ist es immer noch kalt, da hat sich noch nichts geändert,

Florian Freistetter: da fällt immer noch Material auf diesen Protostern drauf.

Florian Freistetter: Die Masse des Protosterns wächst weiter, er wird immer dichter und immer heißer,

Florian Freistetter: weil immer noch Material da ist, das auf den Stern drauf fallen kann.

Florian Freistetter: Und jetzt kommt wieder ein, wenn man ihn in wissenschaftlicher Exaktheit erklären

Florian Freistetter: würde, sehr komplexer Teil der Sternentstehung.

Florian Freistetter: Deine Masse wird größer und das ganze Ding dreht sich, weil alles sich irgendwie

Florian Freistetter: drehen muss im Universum.

Florian Freistetter: Also es kann ja nichts stillstehen. Und sobald du Bewegung hast,

Florian Freistetter: kannst du immer auch irgendwo eine Drehung definieren.

Florian Freistetter: Du kannst auch, selbst eine Wolke, die ein paar hundert Lichtjahre groß ist,

Florian Freistetter: mit der aus lauter einzelnen Atomen besteht, mit ganz viel nichts zwischendrin

Florian Freistetter: und drumherum, die bewegen sich auch alle.

Florian Freistetter: Und da kann ich auch rein statistisch sagen, okay, im Schnitt bewegen sich die

Florian Freistetter: einen so, die anderen so. Im Schnitt hat diese Wolke eine Rotation, die so aussieht.

Florian Freistetter: Also ich kann immer, sobald irgendwo sich was bewegt, auch eine Art von Rotation definieren.

Florian Freistetter: Und wenn du Rotation hast, dann hast du Drehimpuls.

Florian Freistetter: Drehimpuls muss erhalten bleiben und aus Gründen, die ich jetzt im Detail nicht

Florian Freistetter: erklären möchte, weil das dann wieder eine ganz andere wissenschaftliche Vorlesung wäre.

Florian Freistetter: Muss dieser Drehimpuls jetzt ein bisschen umverteilt werden,

Florian Freistetter: weil die Masse des Brottersterns immer größer und größer wird,

Florian Freistetter: er immer dichter wird und dann muss sich ein bisschen Drehimpuls umverteilen.

Florian Freistetter: Das Phänomen ist wie bei den, es ist eigentlich jedes Klassische,

Florian Freistetter: was man immer hat bei Drehimpulserhaltung.

Florian Freistetter: Die Eiskurzläuferin, der Eiskurzläufer, Arme ausgestreckt, da ist die Masse

Florian Freistetter: draußen, dreht er sich langsamer, die Arme herangezogen, ist die Masse kompakter,

Florian Freistetter: dreht er sich schneller.

Martin Puntigam: Achso, und das ist die Umverteilung.

Florian Freistetter: Ja, das ist nicht Umverteilung, sondern es ist einfach nur, Weil Masse umverteilt

Florian Freistetter: wird, ändert sich Rotation.

Florian Freistetter: Wenn die Rotation ändert, dann ändert sich die Konfiguration.

Florian Freistetter: Also es läuft darauf hinaus.

Florian Freistetter: Und ich suche für die Show Notes noch eine Folge von mir raus oder einen Artikel.

Florian Freistetter: Ich habe das hier schon behandelt, um das genauer zu erklären.

Florian Freistetter: Es bildet sich eine Scheibe aus Material aus.

Florian Freistetter: Das ist es, was Leute immer gern fragen. Warum es gibt so viele Scheiben im Universum?

Florian Freistetter: Warum ist die Milchstraße scheibenförmig? Warum ist das Sonnensystem scheibenförmig?

Martin Puntigam: Warum ist Material? Die erste Scheibe, die man hat überlegt.

Florian Freistetter: Nein, aber das hat, wie gesagt, mit Drehimpulshaltung zu tun,

Florian Freistetter: warum sich Scheiben ausbilden.

Florian Freistetter: Kann auch sein, dass sich da diese Wolke dann durch diese Drehimpulsumverteilung

Florian Freistetter: aufteilt, so dass da, was ich

Florian Freistetter: schon, einem Protosterne, wenn du dann zwei Protosterne hast oder sowas.

Florian Freistetter: Aber was in jedem Fall wichtig ist, wir haben eine Scheibe,

Florian Freistetter: Und aus dieser Scheibe saust Material raus. Das ist auch so Drehimpulserhaltung

Florian Freistetter: wieder. Du hast die sogenannten Jets.

Florian Freistetter: Du hast senkrecht zur Scheibe, nach oben und nach unten, wenn man das so unphysikalisch

Florian Freistetter: sagen will, wird Material weggeschleudert.

Florian Freistetter: Und dieses weggeschleuderte Material heizt weiter Material in der restlichen Hülle auf.

Florian Freistetter: Da gibt es wieder die ganzen chemischen Prozesse und so weiter.

Florian Freistetter: Aber wir haben jetzt mit dieser Scheibe einen wichtigen Punkt erreicht,

Florian Freistetter: wo wir schon fast beim echten Stern sind.

Florian Freistetter: Weil wir haben in den frühen Phasen des Protosterndaseins leuchtet dieser Stern

Florian Freistetter: hauptsächlich eben durch Aggression,

Florian Freistetter: wie es offiziell heißt, also dadurch, dass Material auf den Stern drauf fällt,

Florian Freistetter: Material aus der Wolke, Material aus der Scheibe auf den Stern.

Florian Freistetter: Dieses Raufprasseln des Materials sorgt dafür, dass er sich aufheizt und dadurch leuchtet er.

Florian Freistetter: Der späte Protosternd, wenn dann schon kaum noch Material da ist oder wenig

Florian Freistetter: Material da ist, dann leuchtet er nicht mehr deswegen, sondern er leuchtet, weil er,

Florian Freistetter: durch seine eigene Masse sich komprimiert. Der fällt unter seiner eigenen Masse

Florian Freistetter: in sich zusammen, ist im Wesentlichen ein grundlegend physikalisches Silberphänomen.

Florian Freistetter: Masse bewegt sich und das erzeugt Wärme.

Florian Freistetter: Aber da ist halt nichts mehr, was von draußen kommt, sondern der Stern selbst

Florian Freistetter: fällt in sich zusammen, kollabiert.

Florian Freistetter: Das erzeugt Wärme und Energie und deswegen leuchtet dann der späte Protostern.

Florian Freistetter: Und wenn ein Stern das macht, wenn er aufhört, Energie hauptsächlich aus der

Florian Freistetter: Aggression zu ziehen, Sondern wenn er die Energie aus seinem eigenen Kollabieren rausholt,

Florian Freistetter: ab da nennt man so einen Stern nicht mehr Protostern, sondern,

Florian Freistetter: man kann ihn schon noch Protostern nennen, aber er wird dann als Vor-Hauptreihenstern bezeichnet.

Florian Freistetter: Und da sind wir schon ganz knapp an der Hauptreihe dran, wenn wir einen Vor-Hauptreihenstern haben.

Martin Puntigam: Also es ist quasi der Magister.

Florian Freistetter: Ja, wenn man den Doktor als Ziel anstrebt, obwohl heute ist der Magister ja

Florian Freistetter: eh nichts mehr, heute gibt es ja nur noch Master und Master und so Zeugs,

Florian Freistetter: aber in der Klassifikation wäre dann halt der pre-stellare Kern der Bachelor

Florian Freistetter: und der Proto-Stern der Master und der Stern dann der Doktor, wenn man so will.

Florian Freistetter: Aber wir haben jetzt einen Vorhauptreinstern und jetzt kommen wir langsam schon

Florian Freistetter: in den Bereich, wo man je nachdem, wie man es betrachten will,

Florian Freistetter: manchmal schon von Sternen redet.

Florian Freistetter: Also diese Vorhauptreinsterne, die werden dann nach ihrer Masse klassifiziert.

Florian Freistetter: Also die kleinen Vorhauptreihen Sterne, die so ungefähr weniger als die doppelte

Florian Freistetter: Sonnenmasse haben, die nennt man T-Tauri-Sterne.

Florian Freistetter: Die haben vielleicht manche, die sich mit Astronomie schon beschäftigt haben,

Florian Freistetter: gehörten Namen T-Tauri-Sterne.

Florian Freistetter: Das haben zwar Stern im Namen, aber sind eigentlich noch keine echten Sterne.

Florian Freistetter: Aber die kann man auch schon beobachten, gibt es auch schöne Bilder,

Florian Freistetter: da heißt ja auch so T-Tauri. Das war quasi, da sind wir jetzt,

Florian Freistetter: da passt das Wort Prototyp dieser Sternklasse.

Florian Freistetter: Das war das erste Mal, wo man sowas gesehen hat und dann hat man eben alle anderen nach dem benannt.

Florian Freistetter: Die Tetauri-Sterne gibt auch Herbig-AEBE-Sterne. Das ist ein bisschen ein umständlicherer

Florian Freistetter: Name, aber ist halt oft so, benannt nach einem amerikanischen Astronomen,

Florian Freistetter: der heißt George Herbig oder Herbig in dem Fall.

Florian Freistetter: Und dieses AEBE hat mit Spektralklassen und sowas zu tun.

Florian Freistetter: Also die Herbig-AE- und BE-Sterne, das sind dann die ein bisschen massereicheren

Florian Freistetter: Protosterne, die es gibt.

Florian Freistetter: Also man kann die grob unterscheiden als T-Tauri-Sterne.

Martin Puntigam: Aber Tauri kommt von Stier, ist das das Sternbild?

Florian Freistetter: Genau, wir haben ja früher oft Dinge benannt nach dem, wo es ist.

Florian Freistetter: Und das ist halt im Sternbild. Also T-Tauri ist, wenn du jetzt einen Exkurs

Florian Freistetter: haben willst, T-Tauri ist eine klassische Bezeichnung für veränderliche Sterne.

Florian Freistetter: Also man hat veränderliche Sterne benannt und macht es heute teilweise immer

Florian Freistetter: noch nach dem Sternbild.

Florian Freistetter: Und dann haben die so Buchstaben bekommen, die bei R anfangen und bis Z gehen.

Florian Freistetter: Also ich könnte ja noch erklären, warum nicht A und bis Z und so weiter.

Florian Freistetter: Aber jetzt würde ich das alles so nix finden. Wenn du irgendwas siehst,

Florian Freistetter: was so heißt wie, keine Ahnung, VY Canis Maiores, dann weißt du,

Florian Freistetter: okay, es sind Buchstaben und ein Sternbild muss ein veränderlicher Stern.

Florian Freistetter: Oder VV Zefei und R Leonis, glaube ich, gibt es da, UY Scuti.

Florian Freistetter: Das sind alles so bekannte veränderliche Sterne. Und T Tauri war ihm auch einer.

Florian Freistetter: Das war dann vermutlich der RST, dritte veränderliche Stern,

Florian Freistetter: den man im Sternbild Stier entdeckt hat.

Martin Puntigam: Und veränderlich heißt, dass

Martin Puntigam: da noch was weitergeht, dass der noch nicht am Ende seines Lebens ist.

Florian Freistetter: Nein, veränderlich heißt in dem Fall, er ändert seine Helligkeit.

Florian Freistetter: Also jeder Stern verändert seine Helligkeit ein bisschen, aber klassisch so,

Florian Freistetter: dass man so relevant, Helligkeitsveränderungen, so die periodische Helligkeitsveränderungen.

Florian Freistetter: Auch das wäre wieder eine eigene Folge über Sterne.

Florian Freistetter: Veränderliche Sterne sind wahnsinnig wichtig für die gesamte Astronomie,

Florian Freistetter: wenn man herausfindet, wie die sich verändern, die Helligkeit, und warum sie es tun.

Florian Freistetter: Da sind wir bei den Zepheiden zum Beispiel, die Henrietta Swan Leavitt unter

Florian Freistetter: anderem entdeckt und erforscht hat, wodurch Hubble dann seine Beobachtungen

Florian Freistetter: machen konnte und herausfinden konnte,

Florian Freistetter: wie weit die Andromeda weg ist und am Ende herausfinden konnte,

Florian Freistetter: dass das ganze Universum expandiert und dass es sowas wie einen Urknall gegeben hat.

Florian Freistetter: Wissen wir nur dank veränderlicher Sterne.

Florian Freistetter: Also das ist aber auch wieder ein komplett anderes Thema.

Florian Freistetter: Aber T. Tauri, das sagt, es ist eben veränderlich. Und ja, so ein junger Stern ist veränderlich.

Florian Freistetter: Der ist halt in dem Fall veränderlich, weil er noch nicht fertig ist und weil

Florian Freistetter: er noch kein stabiles Gleichgewicht entwickelt hat.

Martin Puntigam: Also in der Pubertät ist quasi.

Florian Freistetter: Ja, so ungefähr, wenn man das so sagen will. Aber diese T-Tauri-Sterne, die kann man sehen.

Florian Freistetter: Also T-Tauri-Sterne, die, wie gesagt, haben eine geringe Masse und deswegen

Florian Freistetter: ist auch die Masse der Hülle außen rundherum, was noch da ist, sehr gering.

Florian Freistetter: Das heißt, du kannst so einen T-Tauri-Stern

Florian Freistetter: schon durch eine Staubhülle durchleuchten sehen ein bisschen.

Florian Freistetter: Die größeren, die Herbeck-AE-BE-Sterne, die sind noch in so viel Staub eingewickelt,

Florian Freistetter: dass man sie nicht sehen kann.

Florian Freistetter: Also mittlerweile sind wir in der Lage, Dinge zu sehen, die man nicht sehen

Florian Freistetter: kann. Aber jetzt einfach so simpel hingeschaut, die T-Tauri-Sterne kann man

Florian Freistetter: sehen, die Herwig-AEB-Sterne nicht.

Florian Freistetter: Wir haben aber immer noch keinen echten Stern. Wir haben immer noch keine Kernfusion.

Florian Freistetter: Wir sind immer noch nicht auf der Hauptreihe angekommen.

Florian Freistetter: Und jetzt sind wir bei den Wegen zur Hauptreihe. Und da gibt es zwei unterschiedliche

Florian Freistetter: Linien. Ich habe in der letzten Folge von der Hayashi-Linie erzählt.

Florian Freistetter: Das war aber jetzt nur, weil ich es letzte Folge nicht so kompliziert machen wollte.

Florian Freistetter: Das ist quasi nur eine Linie, mit der man zur Hauptreihe kommen kann.

Florian Freistetter: Man kann auch die Henye-Linie nehmen.

Martin Puntigam: Es gibt zwei unterschiedliche. Es klingt wie eine Zuglinie, die Hayashi-Linie,

Martin Puntigam: wie eine U-Bahn-Linie, die man nehmen muss, wenn man irgendeine Sehenswürdigkeit

Martin Puntigam: betrachten möchte, was in dem Fall ja der Fall ist, oder?

Florian Freistetter: Genau, ja. Und du kannst, wie gesagt, auch mit der Henye-Linie zur Hauptreihe kommen.

Florian Freistetter: Kommt halt darauf an, wie du drauf bist. Also je nachdem, was für ein Typ Protostern

Florian Freistetter: du bist, musst du unterschiedliche Linien nehmen.

Florian Freistetter: Und sowohl die Hayashi-Linie, bevor du das fragst, als auch die Henje-Linie

Florian Freistetter: sind nach entsprechend benannten Astronomen bezeichnet.

Florian Freistetter: Also Hayashi-Konomi.

Florian Freistetter: Kuchiro, das war ein japanischer Astronom, der sich mit dem Thema beschäftigt

Florian Freistetter: hat und der andere war Louis Henge,

Florian Freistetter: ein amerikanischer Astronom und die haben sich halt beide mit Sternentwicklung

Florian Freistetter: beschäftigt und beide unterschiedliche Dinge rausgefunden beziehungsweise ja

Florian Freistetter: unterschiedliche Phasen,

Florian Freistetter: unterschiedliche Arten der Sternentstehung untersucht und deswegen gibt es diese

Florian Freistetter: beiden unterschiedlichen Linien, die wir uns jetzt anschauen,

Florian Freistetter: damit wir verstehen, was das alles bedeuten soll.

Florian Freistetter: Also diese Linien haben mit dem hydrostatischen Gleichgewicht zu tun.

Florian Freistetter: Das hat ja bis jetzt immer eine Rolle gespielt.

Florian Freistetter: Und jetzt ist es noch wichtiger, darum sage ich es vielleicht noch mal,

Florian Freistetter: also wenn wir so eine Schicht aus heißem Gas betrachten bei einem Stern,

Florian Freistetter: dann wirken da eben diese zwei Kräfte.

Florian Freistetter: Die Gravitation, die drückt von oben oder von außen, je nachdem.

Florian Freistetter: Und von innen kommt die Strahlung.

Florian Freistetter: Es wirkt der Druck, der bewegende Teilchen, der thermische Druck.

Florian Freistetter: Und wenn das alles im Gleichgewicht ist, dann haben wir ein hydrostatisches Gleichgewicht.

Florian Freistetter: Und der Herr Hayashi hat sich beschäftigt mit der Frage, wo es so ein Gleichgewicht

Florian Freistetter: überhaupt geben kann, wenn wir jetzt beim Herzsprung-Rassel-Diagramm sind.

Florian Freistetter: Wer sich erinnert an die letzte Folge, Herzsprung-Rassel-Diagramm,

Florian Freistetter: das ist ein Diagramm, wo zwei Größen relevant sind, nämlich einerseits die Helligkeit

Florian Freistetter: und andererseits die Temperatur.

Florian Freistetter: Wir tragen Sterne ein in dieses Diagramm, je nachdem, welche Helligkeit und

Florian Freistetter: welche Temperatur sie haben.

Florian Freistetter: Also unsere Sonne hat eine Temperatur, also es geht immer um die Temperatur außen am Stern,

Florian Freistetter: unsere Sonne hat eine Außentemperatur und unsere Sonne hat eine Helligkeit und

Florian Freistetter: das heißt, wir können in dem Diagramm einen Punkt suchen auf der x-Achse Temperatur,

Florian Freistetter: y-Achse Helligkeit und wo da der Punkt ist,

Florian Freistetter: da machen wir die Sonne hin.

Florian Freistetter: Also jeder Stern ist quasi ein Punkt im Stern.

Florian Freistetter: Herzsprung-Rassel-Diagramm. Wir sind jetzt aber noch nicht im Herzsprung-Rassel-Diagramm.

Florian Freistetter: Das heißt, wir haben einen Stern, der seine Helligkeit ändert und seine Temperatur

Florian Freistetter: ändert. Das war ja das Ganze, was ich erzählt habe.

Florian Freistetter: Ich habe erzählt, der Stern hat die Temperatur verändert, der Protostern,

Florian Freistetter: und hat da was aufgeheizt, hier was aufgeheizt und so weiter.

Florian Freistetter: Also die Sterne, die noch keine echten

Florian Freistetter: Sterne sind, die haben keine fixe Temperatur, keine fixe Helligkeit.

Florian Freistetter: Das heißt, wenn man schaut, was die machen, Bei der Sonne kann ich heute hinschauen

Florian Freistetter: und einen Punkt einzeichnen und kann in fünf Millionen Jahren schauen.

Florian Freistetter: Und dann wird der Punkt der Temperatur und Helligkeit der Sonne entspricht immer

Florian Freistetter: noch im Wesentlichen derselbe Punkt sein.

Florian Freistetter: Bei so einem Stern, der gerade entsteht, wenn ich da alle 10.000 Jahre mal hinschaue,

Florian Freistetter: was ich eh nicht kann, aber theoretisch hinschaue, dann werde ich immer wieder

Florian Freistetter: andere Werte für Temperatur und Helligkeit beobachten.

Florian Freistetter: Das heißt, so ein Stern bewegt sich durchs Herzsprung-Rassel-Diagramm.

Florian Freistetter: Und diese Bewegung durch das Herzsprung-Rassel-Diagramm, die kann ich eben in

Florian Freistetter: Form von Linien aufzeichnen.

Florian Freistetter: Und diese Linien gibt mehr als die Hayashi-Linie und die Hennye-Linie.

Florian Freistetter: Es gibt ganz viele Linien, die man einzeichnen kann, je nachdem,

Florian Freistetter: was der Stern macht, bevor er ein Stern wird, nachdem er ein Stern gewesen ist.

Florian Freistetter: Und diese Entwicklungslinien, die sind halt nach allen möglichen Leuten benannt,

Florian Freistetter: aber für das, was wir jetzt brauchen, schauen wir uns die Hayashi-Linie als erstes an.

Florian Freistetter: Die Hayashi-Linie, das ist quasi der Bereich, wo ein hydrostatisches Gleichgewicht

Florian Freistetter: gerade noch existieren kann oder wo es nicht mehr möglich ist.

Florian Freistetter: So eine Hayashi-Linie ist im Herzsprung-Rassel-Diagramm im Wesentlichen eine vertikale Linie.

Florian Freistetter: Also eine Linie, die von oben nach unten führt. Das ist, glaube ich,

Florian Freistetter: die Definition von vertikal.

Florian Freistetter: Also von oben nach unten heißt, die Temperatur bleibt halbwegs konstant,

Florian Freistetter: aber die Helligkeit ändert sich. Ja, weil die Helligkeit ist auf der Y-Achse,

Florian Freistetter: das heißt, die Helligkeit wird geringer.

Florian Freistetter: Das ist das, die Helligkeit wird, Entschuldigung, andersrum, die Helligkeit wird,

Florian Freistetter: Wird es jetzt geringer? Da bin ich selbst oft immer verwirrt,

Florian Freistetter: weil wir Astronomen das immer so durcheinander benennen, weil größere Helligkeit

Florian Freistetter: heißt kleinere Zahlen oder so rum.

Florian Freistetter: Auf jeden Fall, wir haben, nein, die Helligkeit wird geringer.

Florian Freistetter: Das heißt, wenn die Linie nach unten geht, dann wird die Helligkeit geringer.

Florian Freistetter: Wenn die Linie nach oben geht, wird die Helligkeit größer.

Martin Puntigam: Also im Diagramm ist so, oben sind ja diese Hyperriesen und unten sind die Zell.

Florian Freistetter: Und unten ist es dunkel. Aber es ist auch gar nicht so wichtig,

Florian Freistetter: wenn wir uns das anschauen bei der Hayashi-Linie.

Florian Freistetter: Also wir haben, wenn wir uns mal so einen Stern anschauen, ja,

Florian Freistetter: also dieser noch nicht Stern, der Protostern, der hat eine gewisse Masse,

Florian Freistetter: hat eine gewisse Temperatur und zwar genau die Temperatur, die er bei der Masse

Florian Freistetter: braucht, damit das hydrostatische Gleichgewicht noch funktioniert.

Florian Freistetter: Aber weil eben der Stern noch nicht fertig ist und immer noch Zeug von außen

Florian Freistetter: drauf fällt, kriegt er immer mehr Masse dazu.

Florian Freistetter: Dadurch komprimiert er weiter, er kollabiert weiter, dadurch leuchtet er dann

Florian Freistetter: weniger hell, weil er fällt in sich zusammen, er wird kleiner,

Florian Freistetter: er hat weniger Oberfläche, das heißt, er kommt weniger Licht raus,

Florian Freistetter: obwohl er heißer wird, aber es kommt weniger Licht raus, weil er kleiner geworden ist.

Florian Freistetter: Das heißt, seine Helligkeit sinkt, aber die Temperatur, die bleibt halbwegs konstant.

Florian Freistetter: Also nicht jetzt komplett konstant, aber halbwegs konstant, weil er die Energie

Florian Freistetter: quasi auch wieder abstrahlt.

Florian Freistetter: Das heißt, wir haben einen Stern, wir haben den Protostern, der dabei ist,

Florian Freistetter: das letzte Zeug an Material einzusammeln, das noch um ihn rum ist.

Florian Freistetter: Wodurch er eben kleiner wird, dunkler wird, aber die Temperatur bleibt gleich.

Florian Freistetter: Das heißt, wenn wir da alle paar tausend Jahre hinschauen, sehen wir,

Florian Freistetter: wieder ein bisschen dunkler geworden, wieder ein bisschen dunkler geworden,

Florian Freistetter: wieder ein bisschen dunkler geworden.

Florian Freistetter: Aber die Temperatur, die ist halbwegs gleich geblieben. Das heißt,

Florian Freistetter: so ein Stern bewegt sich dann eben im Herzsprung-Rassel-Diagramm.

Florian Freistetter: Entlang einer Linie, die von oben nach unten vertikal läuft.

Florian Freistetter: Das ist das, was der Stern macht, aber es ist noch nicht fertig.

Florian Freistetter: Ich habe gesagt, die Temperatur bleibt fast gleich, aber eben nur fast,

Florian Freistetter: weil es wird schon heißer im Inneren des Sterns.

Florian Freistetter: Es wird schon ein bisschen heißer und jetzt kommen wir langsam in dem Bereich, wo wir Fusion haben.

Florian Freistetter: Wir haben noch nicht die klassische Fusion. Irgendwann wird es so heiß,

Florian Freistetter: dass wir im Inneren des Sterns Deuterium fusionieren können.

Florian Freistetter: Deuterium ist der schwere Wasserstoff, Wasserstoff mit einem Neutron im Kern mehr drin.

Florian Freistetter: Von dem gibt es nicht so viel, aber ein bisschen was ist da.

Florian Freistetter: Der ist leichter zu fusionieren, bei geringeren Temperaturen zu fusionieren.

Florian Freistetter: Das heißt, er erzeugt dann ein bisschen Energie durch die Deuteriumfusion und

Florian Freistetter: diese Energie, die kommt auch natürlich weg.

Florian Freistetter: Aus dem Inneren des Protosterns nach außen. Und da gibt es jetzt zwei Wege,

Florian Freistetter: wie die Energie nach außen kommen kann.

Florian Freistetter: Klassisch geht es mit Konvektion.

Florian Freistetter: Konvektion ist das, was alle vom Kochen kennen. Ich habe einen Topf mit Wasser auf dem Herd.

Florian Freistetter: Unten wird es heiß am Topfboden. Die Wärme kommt quasi von unten in den Topf.

Florian Freistetter: Das Wasser unten wird heiß.

Florian Freistetter: Weil es heiß wird, bewegt es sich nach oben. Oben kühlt es ab und sinkt wieder nach unten.

Florian Freistetter: Und so wird dann, wenn ich den Deckel drauf tue, geht es besser,

Florian Freistetter: weil dann geht die Wärme halt nicht ganz raus, aber die Wärme wird halt umverteilt,

Florian Freistetter: weil sich Material von unten nach oben bewegt. Und das macht ein Stern auch.

Florian Freistetter: Manche Sterne machen das, kommen wir gleich dazu. Aber das macht ein Stern auch.

Florian Freistetter: So wird eben die Energie, die immer noch, jetzt nur zu einem ganz geringen Teil

Florian Freistetter: Energie aus der Deuterium-Fusion ist, ist immer noch die Energie vor allem aus

Florian Freistetter: der Gravitation, aus dem Kollaps.

Florian Freistetter: Diese Energie wird auf jeden Fall durch Konvektion nach außen gebracht.

Florian Freistetter: Irgendwann wird es dann heiß genug für die Kernfusion, Aber dann,

Florian Freistetter: wie genau das, dann, sagst du mal anders, weil das jetzt eigentlich der Höhepunkt

Florian Freistetter: ist, da soll ich vernünftig sagen.

Florian Freistetter: Also irgendwann wird es heiß genug für die Kernfusion und dann kommt der Stern auf die Hauptreihe.

Florian Freistetter: Ob er jetzt aber auf die Hauptreihe das letzte Stück mit der Hayashi-Linie weiterfahren

Florian Freistetter: kann oder auf die Henye-Linie umsteigen muss, das hängt von der Masse des Sterns ab.

Florian Freistetter: Weil bis jetzt habe ich ja noch nicht wirklich auf die Masse,

Florian Freistetter: also die Masse war jetzt relativ wurscht für das, was ich alles erzählt habe.

Florian Freistetter: Jetzt ist die Masse wichtig, weil größere Sterne, also Sterne,

Florian Freistetter: die so mehr als halbe Sonnenmasse haben, die haben einen Kern,

Florian Freistetter: der ein bisschen komplexer ist.

Florian Freistetter: Da ist die Gravitation so stark, weil der Stern eben eine größere Masse hat.

Florian Freistetter: Da ist die Gravitation so stark, dass das mit der Konvektion quasi nicht mehr

Florian Freistetter: funktioniert. Also da kann das Zeug,

Florian Freistetter: nicht so leicht aufsteigen, weil die Anziehungskraft zu stark ist.

Florian Freistetter: Das heißt, die einzige Möglichkeit, wie die Energie da aus dem Kern rauskommen

Florian Freistetter: kann, ist durch Strahlung.

Florian Freistetter: Man muss halt rausleuchten, vereinfacht gesagt.

Florian Freistetter: Das heißt, die Temperatur, weil die Strahlung da eben nicht so gut rauskommt

Florian Freistetter: aus dem Kern, weil es mit der Strahlung nicht so gut funktioniert in der Phase,

Florian Freistetter: deswegen steigt die Temperatur in diesem Kern stärker an.

Florian Freistetter: Also wenn wir größere Sterne haben, wo die Energie nur durch Strahlung transportiert

Florian Freistetter: werden kann, steigt in deren Kern die Temperatur schneller an als bei den anderen.

Florian Freistetter: Und das ist jetzt etwas, was wir im Herzsprung-Rassel-Diagramm wieder sehen

Florian Freistetter: können, weil wenn die Temperatur jetzt schnell ansteigt, haben wir auf einmal

Florian Freistetter: eine Bewegung horizontal.

Florian Freistetter: Bis jetzt hatten wir vertikal, weil die Temperatur gleich geblieben ist.

Florian Freistetter: Wenn wir aber die Temperatur nicht schnell genug aus dem Kern rauskriegen,

Florian Freistetter: naja, dann heizt er sich auf, der Stern.

Florian Freistetter: Und dann kriegen wir eine Bewegung, die im Herzsprung-Rassel-Diagramm horizontal nach links geht.

Florian Freistetter: Aber, so oder so, wir landen irgendwann auf der Hauptreihe, weil, das war ja das,

Florian Freistetter: was ich in der letzten Folge erzählt habe, die Hauptreihe geht im Herzsprung-Drassel-Diagramm

Florian Freistetter: von oben rechts, von oben links nach unten rechts und wir starten mit einem

Florian Freistetter: Protostern immer im rechten oberen Teil des Diagramms.

Florian Freistetter: Das heißt, wir liegen immer über der Hauptreihe und egal, ob ich jetzt quasi

Florian Freistetter: von oben vertikal runter mich bewege oder vertikal runter und dann irgendwann

Florian Freistetter: nach links rüber schwenke,

Florian Freistetter: früher oder später stoße ich auf die Hauptreihe und das ist halt der Punkt,

Florian Freistetter: wo dann die Kernfusion einsetzt, beziehungsweise umgekehrt gesagt,

Florian Freistetter: ich erhöhe meine Temperatur so stark,

Florian Freistetter: dass irgendwann die Kernfusion losgeht und wenn die echte Kernfusion losgeht,

Florian Freistetter: die mit Wasserstoff funktioniert und von dem gibt es genug im Stern.

Florian Freistetter: Wenn diese echte Kernfusion losgeht, dann habe ich quasi dauerhaft genug Strahlung

Florian Freistetter: aus dem Inneren, um jeden weiteren Kollaps fürs Erste und fürs Erste sind ein

Florian Freistetter: paar Milliarden Jahre, fürs Erste zu verhindern.

Florian Freistetter: Das heißt, jetzt bin ich an dem Punkt angekommen, wo sich Temperatur,

Florian Freistetter: Leuchtkraft nicht mehr verändern.

Florian Freistetter: Jetzt bleibt mein Punkt stehen und der Punkt, wo man stehen bleibt,

Florian Freistetter: das ist eben die Hauptreihe.

Florian Freistetter: Das heißt, jetzt sind wir entweder über die vertikale Hayashi-Linie oder über

Florian Freistetter: die dann nach links abgezweigte Hennye-Linie auf der Hauptreihe angekommen.

Martin Puntigam: Und wenn du sagst, die Kernfusion startet und dann gibt es Energie für Milliarden

Martin Puntigam: Jahre, starten klingt da so kurz.

Martin Puntigam: Was bedeutet starten? Was ist das für ein Zeitraum, innerhalb dessen die Kernfusion beginnen kann?

Florian Freistetter: Naja, das ist alles schwer zu sagen und schwer zu timen, aber natürlich ist es jetzt,

Florian Freistetter: Im Vergleich zum Sternenleben, zu dem, was davor passiert ist,

Florian Freistetter: wie gesagt, von der Wolke bis zum jetzt fertigen Stern sind schon ein paar hunderttausend,

Florian Freistetter: vielleicht sogar Millionen Jahre vergangen, je nachdem.

Florian Freistetter: Verglichen mit dem, was danach kommt, wo dann der Stern aufhört,

Florian Freistetter: ein Stern zu sein und sich dann irgendwas Richtung Rotarisa und sowas entwickelt,

Florian Freistetter: das sind auch ein paar Millionen Jahre.

Florian Freistetter: Aber dazwischen sind es halt Milliarden Jahre und diese Phase,

Florian Freistetter: wo halt dann die Kernfusion einsetzt, selbst wenn das jetzt ein paar tausend

Florian Freistetter: Jahre sein sollten, dann ist das immer noch verglichen mit dem Rest nichts.

Florian Freistetter: Also es ist nicht so, dass plötzlich alle Atome im Kern simultan anfangen zu fusionieren.

Florian Freistetter: So ist es nicht. Aber irgendwann ist halt die Temperatur groß genug und dann fängt es halt an.

Florian Freistetter: Also das ist schon ein Prozess, der vergleichsweise flott abläuft.

Florian Freistetter: Also jetzt nichts, wo man sagt, das dauert also im Laufe von einer Million Jahre,

Florian Freistetter: geht langsam gemächlich die Fusion los.

Florian Freistetter: Das ist schon was, wo man sagen kann, ja der startet jetzt, der zündet jetzt.

Florian Freistetter: Also es ist jetzt nicht so ein instantaner Flash, aber jetzt auch nichts,

Florian Freistetter: was über Millionen Jahre geht. Genauer kann ich es dir jetzt spontan nicht sagen.

Martin Puntigam: Naja, aber für astronomische Verhältnisse ist es quasi wirklich ein Zündfunke.

Florian Freistetter: Ja, genau. Also für astronomische und wahrscheinlich auch, jetzt mein Gott,

Florian Freistetter: für Alltagsverhältnisse jetzt nicht unbedingt, aber es ist ein bisschen so wie bei der Supernova.

Florian Freistetter: Ja, so eine Supernova, das Ende des Sternenlebens, die geht auch,

Florian Freistetter: relativ flott, das sind ja die relevanten Prozesse, das sind vielleicht Tage,

Florian Freistetter: Wochen oder sowas und die Auswirkungen, also das Leuchten und alles und wie

Florian Freistetter: das sich dann weiter verhält, das kann dann über Monate,

Florian Freistetter: Jahre oder noch länger gehen und bei der Kernfusion ist es wahrscheinlich so

Florian Freistetter: ähnlich, also wir haben etwas, was relativ flott geht,

Florian Freistetter: aber bis sich das dann alles so entwickelt hat, dauert es noch ein bisschen

Florian Freistetter: länger hinten nach, aber da tatsächlich die Zeiträume, ich weiß,

Florian Freistetter: dass es immer sehr interessant ist, das genau abzugrenzen, aber so exakt,

Florian Freistetter: glaube ich, kann die Astronomie das zumindest in der Realität nicht sagen.

Florian Freistetter: Es wird Simulationen geben von so einer Sternentwicklung, da kann man es natürlich

Florian Freistetter: timen, aber das könnte ich dir jetzt hier nicht sagen, ohne dass ich mir diese

Florian Freistetter: Simulationen vorher noch genauer anschauen.

Florian Freistetter: Aber frag die KI, das macht man heutzutage so, die sagt sicherlich irgendwas.

Martin Puntigam: Irgendwas sagt sie sicher. Das ist ja das Unfaire.

Martin Puntigam: Du kannst ja mit der KI arbeiten, wenn du auf deinem Fachgebiet was fragst,

Martin Puntigam: weil du kannst ja kontrollieren anhand deines Wissens, ob das stimmen kann oder nicht.

Martin Puntigam: Ich muss dann erst wieder bei dir fragen.

Florian Freistetter: Ja, aber gut, ich weiß ja auch nicht alles.

Martin Puntigam: Kann ich klar bei dir fragen?

Florian Freistetter: Ja, aber ich tippse in die KI und dann sage ich, dass es das Ergebnis ist.

Florian Freistetter: Nein, aber die gut, also in dem Fall, ich habe es gerade ausprobiert und die

Florian Freistetter: KI hat die Frage falsch verstanden.

Florian Freistetter: Der Moment des Zündens. Ja.

Florian Freistetter: Wird auch nicht getimed. Also sagt er auch nicht hier, wie lange das dauert.

Florian Freistetter: Aber zumindest die gesamte, das stimmt, also vom Beginn des Kollaps bis zur

Florian Freistetter: stabilen Wasserstofffusion, ja ein paar Millionen Jahre, das ist das,

Florian Freistetter: was ich auch gesagt habe. Das stimmt und der Moment des Zündens, der ist halt ja kurz.

Florian Freistetter: Ich kann auch mal fragen, wie lange der Moment des Zündens dauert,

Florian Freistetter: aber es ist glaube ich, wie kein Mensch will hören, wie Leute im Podcast mit

Florian Freistetter: der KI reden und die Antworten referieren.

Florian Freistetter: Das ist glaube ich kein gutes Podcast-Konzept, obwohl es vermutlich häufig auftreten wird mittlerweile.

Florian Freistetter: Aber wie gesagt, ja ich kann das, vielleicht machen wir eh noch eine fünfte

Florian Freistetter: Folge, dann kann ich das noch recherchieren und nachreichen,

Florian Freistetter: wie lange dieser Moment des Zündens tatsächlich dauert, sofern die Wissenschaft das weiß.

Martin Puntigam: Ja, auf fünf Folgen ist es ja einmal in erster Näherung angelegt und dann eben,

Martin Puntigam: je nachdem wie groß der Puppel vom Erfolg ist, gibt es dann Spin-Offs.

Florian Freistetter: Genau, ja, eine eigene Serie. Also wie gesagt, Sterne an sich ist halt natürlich

Florian Freistetter: extrem, extrem umfangreich, nicht nur weil es so viele Sterne gibt,

Florian Freistetter: sondern eben auch weil jede Phase so ist.

Florian Freistetter: Ich kann mich erinnern, bei uns auf der Sternwarte in Wien, wir hatten eine

Florian Freistetter: eigene Arbeitsgruppe, die nichts anderes gemacht hat, als AGB-Sterne zu erforschen.

Florian Freistetter: Und AGB-Stern, das wäre jetzt quasi das Gegenteil von dem, was wir jetzt gerade besprochen haben.

Florian Freistetter: Wir haben das erzählt, was der Stern macht, bevor er ein Stern wird.

Florian Freistetter: Und ein AGB-Stern ist das, was ein Stern macht, kurz bevor er aufhört, ein Stern zu sein.

Florian Freistetter: Also das Letzte, was die Sonne tun wird, bevor sie kein Stern mehr ist,

Florian Freistetter: sondern was anderes, ist noch so ein paar Millionen Jahre als AGB-Stern zu verbringen.

Florian Freistetter: Und obwohl auch das, wie gesagt, als verglichen mit der Gesamtlebenszeit eines

Florian Freistetter: Sterns ein verschwindend geringer Moment ist, passiert das. so viel,

Florian Freistetter: dass du eine eigene astronomische Disziplin machen kannst.

Florian Freistetter: Und genauso gibt es Leute, du kannst ein Leben lang T-Taurier-Sterne erforschen.

Florian Freistetter: Weil das halt wirklich alles so komplex ist. Wir könnten...

Florian Freistetter: 50 Folgen machen über Sterne, aber irgendwann müssen wir andere Wissenschaften

Florian Freistetter: auch wieder mal haben hier drin.

Florian Freistetter: Das heißt, also die Folge 5 machen wir auf jeden Fall noch und dann soll das

Florian Freistetter: Publikum entscheiden, ob wir das so machen wie in Hollywood,

Florian Freistetter: wo wir dann eine Fortsetzung nach der anderen machen, bis es so grauenhaft ist,

Florian Freistetter: dass keiner mehr was schauen will, oder ob wir was Neues machen, was cool ist.

Martin Puntigam: Damit steht der Stern stabil auf der Hauptreihe, in dem die Fusion begonnen

Martin Puntigam: hat und dann kommen die Verwandten und überreichen die Promotionsgeschenke.

Martin Puntigam: Und mit der Hayashi-Linie können wir auch weiterfahren direkt zu den Parteienverkehren

Martin Puntigam: und fangen thematisch an bei deinem Soloprogramm den Sternengeschichten live,

Martin Puntigam: weil da wird es jetzt langsam ernst für die Österreich-Termine.

Florian Freistetter: Ganz genau, die starten demnächst am 29. Januar in der Kulisse Wien,

Florian Freistetter: aber da ist schon restlos ausverkauft, also da gibt es nicht mal mehr Restkarten. Am 30.

Florian Freistetter: Januar bin ich dann in Salzburg im Oval, da gibt es aktuell noch 10 Karten,

Florian Freistetter: glaube ich. Also da hat man noch eine Chance, wer da noch hinkommen will.

Florian Freistetter: In Tirol bin ich am 20. Februar im Komma in Wörgl, da kenne ich den Kartenstand

Florian Freistetter: nicht, Also da kann es noch was geben, aber schaut dahin, wenn ihr das wissen

Florian Freistetter: wollt. Die werden euch sagen, ob es noch Karten gibt oder nicht.

Florian Freistetter: Das wäre auch der einzige Termin in Tirol. Also wer jetzt denkt,

Florian Freistetter: ich warte, bis ich nach Innsbruck komme, nein, da komme ich vorerst nicht hin.

Florian Freistetter: Irgendwann sicherlich nochmal, aber aktuell Tirol muss man nach Wörgl gehen,

Florian Freistetter: was ja nicht so schlimm ist, weil das Koma in Wörgl ist eine recht nette Location.

Florian Freistetter: Am 26. Februar bin ich mit Schenning-Geschichten live in Oberwaltersdorf in Niederösterreich.

Florian Freistetter: Da habe ich gesehen, da kriegt man auch ein Abendessen, wenn man da hinkommt.

Florian Freistetter: Also ihr müsst nicht mal hungrig hingehen. Also ihr könnt hungrig hingehen,

Florian Freistetter: aber ihr müsst nicht hungrig weggehen, weil da dürft ihr Abend essen,

Florian Freistetter: bevor ich dann euch was über Sterne erzähle dort.

Florian Freistetter: Das ist in Oberwaltersdorf, ein Stück südlich von Wien und dann enden die Österreich-Termine

Florian Freistetter: vorerst im Posthof in Linz am 28.

Florian Freistetter: Februar. Da ist auch schon fast voll, da habe ich gerade geschaut,

Florian Freistetter: da sind es noch so 15 Karten, die noch ungefähr zu kriegen sind.

Florian Freistetter: Und wer sich denkt, ja, aber ich wollte eigentlich nach Wien kommen und Wien ist schon ausverkauft.

Florian Freistetter: Es wird auch einen zweiten Termin in Wien geben und zwar im Juni.

Florian Freistetter: Und dieser Termin im Juni wird stattfinden am 3.

Florian Freistetter: Juni gibt es nochmal eine Vorstellung in der Kulisse. Das heißt für alle,

Florian Freistetter: die jetzt in Wien die Show verpasst haben, weil es schon ausverkauft war,

Florian Freistetter: ihr könnt euch Tickets für den Juni kaufen, da mache ich das Ganze noch einmal.

Florian Freistetter: Alle Termine gibt es unter sternengeschichten.live, da steht noch die Termine

Florian Freistetter: drin, die ich im Herbst in Deutschland absolvieren werde.

Martin Puntigam: Wenn man in Österreich keine Lust hat, sich die Sternengeschichten anzuschauen,

Martin Puntigam: dann kann man sich das in Deutschland anschauen.

Martin Puntigam: Oder wenn man gerne weiterfahren möchte, wenn man eh zum Beispiel in Linz wohnt,

Martin Puntigam: aber sich denkt, das schaue ich mir lieber in München an oder in Berlin oder

Martin Puntigam: wo immer das dann sein wird.

Florian Freistetter: Nicht in München und nicht in Berlin. Da war ich schon eher im Norden,

Florian Freistetter: Westen und Osten von Deutschland.

Florian Freistetter: Ich glaube, in Fürth bin ich einmal, was ein bisschen, ja zumindest das gleiche

Florian Freistetter: Bundesland ist wie München.

Martin Puntigam: Das neue Buch des Science Busters gibt es jetzt auch schon eine Zeit lang und es heißt wie?

Florian Freistetter: Aus. Die Wissenschaft vom Ende ist im Hansa Verlag erschienen.

Florian Freistetter: Es gibt auch ein Hörbuch von Ralf Kaspers vorgelesen, illustriert.

Florian Freistetter: Das Buch, nicht das Hörbuch, vom Büro Alba. Also nicht nur schöne Stimmen,

Florian Freistetter: schöne Wissenschaft, sondern auch schöne Bilder.

Martin Puntigam: Wie immer, wenn der Hansa Verlag und die Science Busters ein Buch herausgeben

Martin Puntigam: und dazu gibt's In aller Regel auch eine neue Show.

Martin Puntigam: Oder umgekehrt jedenfalls kommen die beiden normalerweise gemeinsam auf die Welt.

Martin Puntigam: Die neue Show Weltuntergang für Fortgeschrittene gibt es auch schon seit Mitte Oktober.

Martin Puntigam: Er freut sich bester Gesundheit und macht seinen Eltern viel Freude.

Martin Puntigam: Martin Moda, du, Florian und ich stehen gemeinsam auf der Bühne.

Martin Puntigam: Du bist wieder kulinarisch tätig und machst Bananenbrot auf der Bühne,

Martin Puntigam: weil dort die Apokalypse wohnt und am Ende gibt es auch noch zwei Universums.

Martin Puntigam: Untergangsschokoladen, wie schon öfter angepriesen, was man aber nicht oft genug

Martin Puntigam: machen kann, weil sie wirklich sehr köstlich sind.

Martin Puntigam: Zwei Universumsuntergangsschokoladen Big Rip und Big Crunch gemeinsam mit der

Martin Puntigam: Schokoladenfirma Zotter hergestellt.

Martin Puntigam: Die kann man dann auch verkosten am Ende der Show und der möchte auch die eine

Martin Puntigam: oder andere Tafel mit nach Hause nehmen für seine Lieben oder sich vornehmend

Martin Puntigam: für die Lieben mit nach Hause zu nehmen und dann selber zu essen,

Martin Puntigam: was, wie mir referiert worden ist, von einigen Menschen gar nicht so selten passiert.

Florian Freistetter: Genau und die Schokolade und alles andere gibt es bei unseren Vorstellungen,

Florian Freistetter: die stattfinden werden das nächste Mal am 22. Januar im Stadtsaal Wien.

Florian Freistetter: Dort treten wir auch am 7. März und 5. April auf.

Florian Freistetter: Außerhalb von Wien sind wir am 24. Januar entschwächert, was nur ein Stückchen

Florian Freistetter: außerhalb von Wien ist, aber immer außerhalb von Wien.

Florian Freistetter: Im Theaterforum sind wir da. Am 25.

Florian Freistetter: Januar sind wir gleich wieder zurück in Wien und zwar im Orpheum. Am 21.

Florian Freistetter: Februar sind wir in der Kulturgarage Seestadt, am 22.

Florian Freistetter: Februar in der Kulisse Wien, am 17. März in der Burg Perchtholzdorf, am 9.4.

Florian Freistetter: In Weidhofen an der Ips und am 10.4. in Graz. Und dann gehen wir nach Deutschland und zwar am 23.03.

Florian Freistetter: Nach Berlin zu den Wühlmäusen, am 26.03.

Florian Freistetter: In die Schauburg Dresden, am 27.03. in den Kupfersaal Leipzig und am 28.03.

Florian Freistetter: Sind wir in der Puffbohne Erfurt.

Martin Puntigam: Und bevor wir das erste Mal in der Seestadt in Wien auftreten,

Martin Puntigam: gibt es auch noch eine Buchpräsentation mit dir und mir in der Buchhandlung

Martin Puntigam: Seeseiten am 23.Jänner ab 19 Uhr.

Martin Puntigam: Genau, Science Passters for Kids. Also für alle unsere Besucher,

Martin Puntigam: Besucherinnen, die in zehn Jahren dann selber den Eintritt bezahlen müssen,

Martin Puntigam: aber jetzt noch von den Großeltern und Eltern und anderen Verwandten bezahlt bekommen. Science vs.

Martin Puntigam: 4 Kids spielen Martin Moder und ich auch einige Male, nicht selten dann,

Martin Puntigam: wenn es am Abend noch die Weltuntergangs-Show gibt.

Martin Puntigam: Vorbereiten kann man sich darauf, wenn man möchte, digital in der ORF Kids App.

Martin Puntigam: Da gibt es die Show filetiert in 10 Minuten Folgen, aber man kann es natürlich

Martin Puntigam: auch dann zum Nachholen, als Stundenwiederholung verwenden und sich von der

Martin Puntigam: Show überraschen lassen, die das nächste Mal am 25.

Martin Puntigam: Jänner im Orpheum Wien stattfindet. Dort ist allerdings schon ausverkauft. Dann am 21.

Martin Puntigam: Februar eben in der Kulturgarage in der Seestadt. Tags darauf am 22.

Martin Puntigam: Februar in der Kulisse Wien, auch da ist es schon voll. Dann am 7.

Martin Puntigam: März im Stadtsaal Wien, am 20. März in Bruno am Gebirge.

Martin Puntigam: Am 9. April in Weidhofen an der Ips und am 10.

Martin Puntigam: April spielen wir in der Liesthalle in Graz auf.

Florian Freistetter: Ja, die Glückskatze, dein Soloprogramm von dir, das du in den letzten Jahren

Florian Freistetter: gespielt hast. Die Glückskatze ist tot.

Florian Freistetter: Die gibt es nicht mehr. Das hast du zu Ende gespielt.

Florian Freistetter: Das gibt es nicht mehr, aber du hast ein neues Solokabarettprogramm vorbereitet, das am 10.

Florian Freistetter: November 2026 Premiere haben wird im Theatercafé Graz. Der Titel lautet der

Florian Freistetter: Heilige Puntigam und wer wissen will, was der Heilige Puntigam getrieben hat,

Florian Freistetter: kann dahin gehen, 10. November in Graz oder am 17.

Florian Freistetter: November Kabarett Niedermeier in Wien.

Florian Freistetter: Und jede Menge andere Karten und Infos gibt es unter puntigam.at für die ScienceBusters.

Florian Freistetter: Findet man alles unter sciencebusters.at slash Termine oder bei mir sterlingeschichten.live.

Martin Puntigam: Und einen Abend mit ScienceBusters Beteiligung, ohne dass du oder ich dabei

Martin Puntigam: sind, gibt es auch noch. Nämlich am 20.

Martin Puntigam: Februar gibt es noch einmal das Duo-Programm von Martin Moda und Florian Aigner.

Martin Puntigam: Der Urknall war ein Irrtum, auch in der Kulisse Wien.

Martin Puntigam: Wie immer am Ende, danke an die TU Wien und die Uni Graz, die die Produktion

Martin Puntigam: des Podcasts unterstützen.

Martin Puntigam: Danke an Florian Freistädter für die erhellenden Proto- und Hauptauskünfte.

Martin Puntigam: Danke fürs Streamen, Downloaden, Abonnieren, Bewerten, Empfehlen,

Martin Puntigam: Säulen schöpfen, verklumpen, verdichten, Linien ziehen und was man sonst noch

Martin Puntigam: alles mit einem Podcast anstellen kann.

Martin Puntigam: Bis zur nächsten und vermutlich vorläufig letzten Sternstunde der Science Pass,

Martin Puntigam: das nehme ich Nummer auf 5.

Martin Puntigam: Tschüss und habe die Ehre.

Florian Freistetter: Tschüss.

Sounds: Sternengeschichten Folge 634 Die Säulen der Schöpfung.

Sounds: Säulen der Schöpfung, das klingt ein bisschen nach Religion und tatsächlich

Sounds: stammt der Begriff auch aus einer Predigt, die der britische Pastor Charles

Sounds: Haddon Spurgeon im Jahr 1857 gehalten hat.

Sounds: Ich will in dieser Folge aber nicht über Religion reden, sondern natürlich von Astronomie.

Sounds: Als Säulen der Schöpfung oder auf Englisch als die Pillars of Creation wird

Sounds: einerseits ein astronomisches Bild bezeichnet und andererseits auch das Objekt,

Sounds: das auf dem Bild zu sehen ist.

Sounds: Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ihr dieses Bild alle schon mal gesehen habt.

Sounds: Es ist eines der bekanntesten astronomischen Bilder, das weit über die reine

Sounds: Wissenschaft hinaus populär geworden ist.

Sounds: Ihr könnt gerne den Podcast kurz pausieren und nachschauen, wie die Säulen der

Sounds: Schöpfung aussehen und dann werdet ihr wahrscheinlich sofort sagen, ach ja, das Ding.

Sounds: Also, um was geht's? Die Säulen der Schöpfung sind ca.

Sounds: 7000 Lichtjahre weit von der Erde entfernt und befinden sich im Adlernebel.

Sounds: Das ist ein sogenannter Emissionsnebel, also eine große Wolke aus Gas zwischen

Sounds: den Sternen, die vom Licht der Sterne zum Leuchten angeregt wird.

Sounds: Und es gibt dort deswegen Sterne, deren Licht die Wolke zum Leuchten anregen

Sounds: kann, weil solche Wolken genau die Orte sind, wo aus dem interstellaren Gas neue Sterne entstehen.

Sounds: Der Adlernebel ist ungefähr 20 Lichtjährig groß und die Sterne,

Sounds: die dort leuchten, sind vergleichsweise jung, nur ein paar hunderttausend Jahre alt.

Sounds: Den Adlernebel kennt man seit 1745, der Schweizer Astronom Jean-Philippe de

Sounds: Cheseau hat ihn damals beobachtet.

Sounds: Unabhängig von ihm hat ihn auch der französische Astronom Charles Messier als

Sounds: Objekt Nummer 16 in seinem berühmten Messier-Katalog aufgenommen,

Sounds: weswegen der Adlernebel auch die Bezeichnung M16 trägt.

Sounds: Von den Säulen der Schöpfung hat man damals aber noch nichts gewusst.

Sounds: Den ersten Hinweis darauf hat der amerikanische Astronom John Charles Duncan

Sounds: gefunden, als er den Adlernebel im Jahr 1920 beobachtet und dabei seltsame dunkle

Sounds: Strukturen entdeckt hat.

Sounds: Weil die so komisch schlauchartig ausgesehen haben, hat man sie Elefantenrüssel genannt.

Sounds: Wirklich im Detail hat man die aber erst sehen können, als im Jahr 1995 das

Sounds: Hubble-Weltraumteleskop diese Region im Weltall fotografiert hat.

Sounds: Und dann war die Astronomie und der Rest der Welt wirklich enorm beeindruckt, was da zu sehen war.

Sounds: Ich mache es aber ein bisschen spannend und wir schauen uns jetzt erstmal an,

Sounds: wie das Bild zustande gekommen ist. Verantwortlich für diese Aufnahme waren

Sounds: die amerikanischen Astronomen Jeff Hester und Paul S.

Sounds: Cohen und das, was das Weltraumtöleskub zur Erde geschickt hat,

Sounds: war auf den ersten Blick nicht sonderlich beeindruckend.

Sounds: So ein schwarzer Blob vor einem grau-schwarzen Hintergrund mit jeder Menge weißer

Sounds: Kratzer überall am Bild verteilt.

Sounds: Aber so ist es in der Astronomie immer. Die Rohdaten, die man bei einer Beobachtung

Sounds: bekommt, die schauen selten so beeindruckend aus wie die Bilder,

Sounds: die man daraus erstellen kann.

Sounds: Diese ganzen Kratzer zum Beispiel, das sind die Spuren, die die kosmische Strahlung

Sounds: aus dem All auf den Detektoren eines Teleskops hinterlässt, die kann man aber

Sounds: leicht durch entsprechende Bildbearbeitung entfernen.

Sounds: Und dann hat man einen schwarzen Blob ohne Kratzer und der ist deswegen schwarz,

Sounds: weil die digitalen Kameras ja keine Farben aufnehmen können.

Sounds: Die messen einfach nur die Intensität der Strahlung und fertig.

Sounds: Wenn man Farben haben will, dann muss man sich ein bisschen mehr anstrengen.

Sounds: Schauen wir dafür nochmal zurück zum Adlernebel. Ich habe zu Beginn gesagt,

Sounds: dass das eine Gaswolke ist, die zum Leuchten angeregt wird. Im Detail funktioniert das so.

Sounds: Bestimmte Atome, zum Beispiel Sauerstoff, können angeregt werden,

Sounds: wenn das Sternenlicht der Umgebung genug Energie auf sie überträgt.

Sounds: Und solche angeregten Atome geben die Energie aber schnell wieder ab,

Sounds: und zwar in Form von Licht bei einer ganz konkreten Wellenlänge,

Sounds: die sich je nach Art des Atoms unterscheidet.

Sounds: Deswegen leuchten diese Emissionsnebel auch so bunt.

Sounds: Jede Art von Atomen, die sich dort befinden, die senden ihr eigenes Licht aus.

Sounds: Bei der Beobachtung kann man jetzt bestimmte Filter verwenden,

Sounds: die nur Licht mit der Wellenlänge eines dieser Atome durchlassen und das dann

Sounds: später farblich darstellen.

Sounds: Im Fall des Hubble-Teleskops und des Adlernebels hat man drei unterschiedliche Filter verwendet.

Sounds: Einer hat das Licht der Wasserstoffatome durchgelassen, einer das von Schwefelatomen

Sounds: und einer das von Sauerstoff.

Sounds: Und entsprechend der Farben dieses Lichts hat man das Wasserstoffbild in Grüntönen,

Sounds: das Schwefelbild in rötlicher Farbe und das Sauerstoffbild in Blau eingefärbt

Sounds: und alle drei zu einem einzigen Bild kombiniert.

Sounds: So ist das fertige Bild der Säulen der Schöpfung entstanden und ich sage der

Sounds: Vollständigkeit halber noch

Sounds: dazu, warum auf diesem Bild die obere rechte Ecke komplett schwarz ist.

Sounds: Das liegt daran, dass man nur drei der vier Kameras von Hubble verwendet hat,

Sounds: weil eine mit einer zu geringen Auflösung gearbeitet hat.

Sounds: So, jetzt haben wir ein fertiges Bild.

Sounds: Darauf zu sehen ist ein Weltraum, der grün-bläulich leuchtet mit ein paar rötlich

Sounds: scheinenden Sternen. Dominiert wird das Bild aber von drei dunklen Säulen,

Sounds: die sich dramatisch in die Höhe recken.

Sounds: An ihren Rändern leuchten sie hell, dazwischen sind sie rot-braun bis tiefschwarz.

Sounds: Ihre Form ist komplex, die höchste Säule, ganz links im Bild,

Sounds: die türmt sich aus unterschiedlichen Wolken hoch nach oben und hat jede Menge

Sounds: fingerartiger Auswüchse an ihren Seiten.

Sounds: Die Säule in der Mitte, die hat viel glattere Konturen, ist aber auch viel dunkler

Sounds: und die kleinste Säule, ganz rechts, die scheint sich irgendwie am unteren Ende

Sounds: aufzulösen, als würde sie gerade dabei sein, ins Weltall hinaus zu fliegen.

Sounds: Das sind die Säulen der Schöpfung. Und dieser Name klingt nicht nur viel schöner

Sounds: als Elefantenrüssel, sondern ist auch gar nicht so übertrieben.

Sounds: Was man dort sieht, ist tatsächlich Schöpfung. Dort entstehen neue Sterne.

Sounds: Das hat man auch vorher schon gewusst, aber die Säulen der Schöpfung,

Sounds: die haben diesen Prozess in einem Detailreichtum gezeigt, den man bis dahin nicht gekannt hat.

Sounds: Die Säulen sind einige Lichtjahre lang, die erheben sich wie Stalaktiten in

Sounds: einer Höhle aus dichten Wolken, die vor allem aus Wasserstoff entstehen.

Sounds: Und der Wasserstoff in ihnen ist dort dicht genug, damit sich daraus neue Sterne

Sounds: bilden können. Auch das war bekannt.

Sounds: Was man in den Säulen der Schöpfung aber erstmals gesehen hat, waren...

Sounds: Dunstende gasförmige Globulen, auf Englisch Evaparating Gaseous Globals,

Sounds: abgekürzt EGGs oder Eggs.

Sounds: Und vermutlich hat es irgendwer lustig gefunden, dass da Eggs,

Sounds: also Eier im Adlernebel sind, aber wir gehen jetzt nicht weiter auf den Humor

Sounds: oder den Mangel davon in der Wissenschaft ein.

Sounds: Diese Eggs, die kann man sich als sehr dichte Taschen aus Wasserstoffgas vorstellen.

Sounds: Darin entstehen Sterne, aber wir kriegen davon nicht viel mit,

Sounds: weil wir nicht durch das Gas und den Staub hindurch schauen können.

Sounds: Wenn jetzt aber in der Nähe junge und heiße Sterne existieren,

Sounds: dann schicken die auch sehr viel energiereiche Ultraviolettstrahlung ins All.

Sounds: Die kann das Gas der Ex quasi verdampfen.

Sounds: Das nennt man Fotoevaporation.

Sounds: Anders gesagt, die Strahlung heizt das Gas auf. Die Teilchen bewegen sich schneller

Sounds: als vorher und strömen von den Säulen hinaus ins All.

Sounds: Übrig bleibt nur der innerste Kern der Ecks, die dichtesten Regionen aus Gas,

Sounds: in deren Zentrum die Sterne dabei sind, gerade zu entstehen.

Sounds: Schaut man sich die Säulen der Schöpfung ganz genau an, dann sieht man jede Menge dieser Ecks.

Sounds: Manche davon befinden sich an den Spitzen der aus den Säulen hinauswachsenden

Sounds: kleinen fingerartigen Strukturen.

Sounds: Manche haben sich schon abgelöst und schweben neben den Säulen im All.

Sounds: Diese Stadien der Sternentwicklung hat man noch nie so detailliert vorher beobachten

Sounds: können. Und es ist ein wichtiges Stadium.

Sounds: Je mehr Gas durch die UV-Strahlung evaporiert wird, desto weniger kann davon

Sounds: zur Sternentstehung beitragen.

Sounds: Oder anders gesagt, je schneller die Ecks vom Rest der Gaswolken in den Säulen

Sounds: getrennt werden, desto weniger Masse können sie haben.

Sounds: Aber woher wissen wir eigentlich, dass da so viel UV-Strahlung ist?

Sounds: Dafür ist der Schwefel gut. Ich habe vorhin gesagt, dass das Bild mit Filtern

Sounds: gemacht worden ist, die das Licht von Wasserstoff, Sauerstoff und Schwefelatomen durchlassen.

Sounds: Und der Schwefel scheint da irgendwie nicht ins Bild zu passen.

Sounds: Wasserstoff ist klar. Das ist der Hauptbestandteil der interstellaren Wolken,

Sounds: der Hauptbestandteil der Sterne, eigentlich der Hauptbestandteil des ganzen Universums.

Sounds: Natürlich ist er auch dort zu finden.

Sounds: Sauerstoff ist auch noch nachvollziehbar. Dieses Element wird im Inneren von

Sounds: Sternen durch Kernfusion erzeugt und nach ihrem Ende überall im All verteilt.

Sounds: Aber auch wenn wir das so nicht auf dem Schirm haben, gilt das auch für den Schwefel.

Sounds: Auch der wird überall im All verteilt, in kleineren Mengen, aber er ist da und

Sounds: Schwefel kann in der Astronomie als Hinweis, als Indikator für UV-Strahlung verwendet werden.

Sounds: Die sehr starke UV-Strahlung junger Sterne, die kann den Schwefel auf ganz charakteristische

Sounds: Art anregen, was Licht mit einer ganz charakteristischen Wellenlänge verursacht.

Sounds: Und darum sieht man die Sterne, die sich auf dem Bild der Säulen der Schöpfung

Sounds: befinden, die auch rötlich leuchten. Aber das Schwefellicht ist vor allem wichtig,

Sounds: wenn man die Fotoevaporation nachvollziehen will.

Sounds: Überall dort, wo viel UV-Strahlung auf die Gaswolken trifft,

Sounds: trifft sie auch auf den Schwefel, der dort ist, und der fängt an,

Sounds: auf seine typische Weise zu leuchten.

Sounds: Und wenn man dieses Licht gezielt beobachtet, kann man herausfinden,

Sounds: wie intensiv die UV-Strahlung an bestimmten Orten dieser Wolke wirklich ist

Sounds: und wie effektiv das Gas der Säulen dadurch verdampft wird.

Sounds: Die Säulen der Schöpfung sind also nicht nur Orte, wo wir direkt bei der Entstehung

Sounds: von etwas Neuem zuschauen können.

Sounds: Die Säulen lösen sich auch auf.

Sounds: Die Fotoevaporation geht immer weiter. Das Gas kann auch durch Supernova-Explosionen

Sounds: in der Umgebung regelrecht weggepustet werden, was den Vorgang noch beschleunigt.

Sounds: Und im Jahr 2007 hat man einige Hinweise gefunden, dass das vielleicht sogar

Sounds: schon passiert ist dort.

Sounds: Diese Beobachtungen sind aber umstritten. nicht umstritten ist,

Sounds: dass die Säulen der Schöpfung verschwinden werden.

Sounds: Das kann ein paar hunderttausend Jahre dauern oder ein paar hunderttausend Jahre

Sounds: mehr, aber auch nicht recht viel länger, was aber immer noch genug Zeit für

Sounds: uns ist, die Säulen der Schöpfung zu erforschen.

Sounds: Dem ersten Bild aus dem Jahr 1995 sind natürlich noch weitere gefolgt.

Sounds: Das Hubble-Teleskop selbst hat mit seiner später verbesserten Optik im Jahr

Sounds: 2015 nochmal hingeschaut und das neuere James-Webb-Weltraumteloskop hat im Jahr

Sounds: 2022 ein Bild aufgenommen, das noch sehr viel mehr Details zeigt.

Sounds: Jedes Bild ist auf seine eigene Art wissenschaftlich wertvoll und wunderschön.

Sounds: Die Säulen der Schöpfung sind das beste Beispiel dafür, wie sich Astronomie

Sounds: und Ästhetik, Physik und Philosophie, Sterne und Spiritualität verbinden.

Sounds: Die Erkenntnisse der Naturwissenschaft treffen dort auf die Erhabenheit des Universums.

Sounds: Die Säulen der Schöpfung berühren uns alle.

Über diesen Podcast

Der Science Busters Podcast ist ein Podcast der Science Busters. Das trifft sich insofern sehr gut, weil der Name leicht zu merken ist.

Seit 2007 gibt es die Science Busters als Wissenschafts-Show-Projekt. Auf der Bühne, auf Radio FM4, als Bücher, als Lehrveranstaltung und TV-Sendungen. Und ab 2021 auch als Podcast. Weil fast immer mehr zu einem Thema zu sagen wäre, als im jeweiligen Format Platz hat. Nachhaltige Wissenschaftskommunikation, wenn man so will, lehrreich, unterhaltsam und durchgehend in Stereo.

In jeder Folge wird eine aktuelle Frage der Hörerschaft beantwortet, oder zwei. Und ein Thema umfassend beackert. Am Ende gibt es Tipps und Empfehlungen. Um Eigenwerbung zu vermeiden, muss immer einer die Arbeit seines Gegenüber bewerben.

Science Busters Podcast - transparent, unbestechlich, bürgernah
Tiere können der Handlung nicht folgen.

Produziert mit Unterstützung der Universität Graz und der TU-Wien

Kontakt: podcast@sciencebusters.at

von und mit Martin Puntigam, Martin Moder, Florian Freistetter

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