Science Busters Podcast

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Wer nichts weiß, muss alles glauben.

Transkript

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Martin Puntigam: Ausgabe 146 des Science Busters Podcasts und heute fragen wir,

Martin Puntigam: kann man Katzen eigentlich als Geigerzähler verwenden?

Hendrik Kranert: Also mit meinen Katzen funktioniert das nicht, die finden nur Futternäpfe.

Martin Puntigam: Herzlich willkommen zur Ausgabe 146 des Science Busters Podcasts,

Martin Puntigam: unterstützt wie immer von der Uni Graz und der TU Wien.

Martin Puntigam: Mein Name ist Martin Puntigam und mir gegenüber sitzt heute erstmals Hendrik

Martin Puntigam: Kranert, Journalist, Bergmann und Abteilungsleiter bei der BGZ,

Martin Puntigam: der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung in Deutschland. Hallo.

Hendrik Kranert: Hallo, Martin.

Martin Puntigam: In der letzten Ausgabe, 145, haben Andreas Jäger und ich unter anderem gesprochen

Martin Puntigam: über die vergangenen Hitzewellen, dass der Sommer 2026 aus Sicht des Sommers

Martin Puntigam: 2050 vermutlich noch paradiesisch gewesen sein wird,

Martin Puntigam: über Solarcooling, Energiegemeinschaften, E-Mobilität, Gutes speichern und nicht

Martin Puntigam: ganz so Gutes speichern, Tiefenbohrungen, Wärmepumpen für Wohnungen und warum

Martin Puntigam: die Welt durch E-Autos nicht überall zwangsläufig leiser wird.

Martin Puntigam: Heute geht es um vorläufige und letzte Ruhestätten und dass es gar nicht so

Martin Puntigam: leicht ist, sie zu finden. Vor allem, wenn das, was zur Ruhe gebettet werden

Martin Puntigam: soll, hochradioaktiver Atommüll ist. Wir sprechen also nicht über Friedhöfe,

Martin Puntigam: sondern über Zwischen- und Endlager.

Martin Puntigam: Welche Schwierigkeiten einen erwarten, wenn man Standorte für Atommüllendlager

Martin Puntigam: sucht, damit man die Zwischenlager endlich leeren kann, wo man sie sucht,

Martin Puntigam: was man dabei eigentlich sucht.

Martin Puntigam: Es geht um Castor und Pollux und dass, wenn ein Platz für ein Endlager gefunden

Martin Puntigam: ist, die Probleme eigentlich erst richtig anfangen.

Martin Puntigam: Und, kleiner Spoiler, dass niemand auch nur ansatzweise eine Ahnung hat,

Martin Puntigam: wie wir das Problem sinnvoll und langfristig lösen können.

Martin Puntigam: Hendrik, du bist in Wien bei einer Konferenz der IAEA, die in Wien ihren Sitz hat. Was war der Anlass?

Hendrik Kranert: Die IAEA hat ihre 70. General Conference in diesem Jahr veranstaltet.

Hendrik Kranert: Das ist ein jährliches Event, wo alle Vertreter aller 181 Mitgliedstaaten zusammenkommen.

Hendrik Kranert: Deshalb Generalversammlung, man beschließt da dies und das. Und es gibt am Rande

Hendrik Kranert: dieser Konferenz zahlreiche Veranstaltungen rund ums Thema Kernenergie,

Hendrik Kranert: Nuklearmedizin, Forschung etc.

Hendrik Kranert: Und wir haben dort mit unserer Schwestergesellschaft, der Bundesgesellschaft

Hendrik Kranert: für Endlagerung und unserer Aufsichtsbehörde, dem BASE, dem Bundesamt für die,

Hendrik Kranert: Sicherheit in der nuklearen Entsorgung ein solches Side-Event veranstaltet und

Hendrik Kranert: es ging darum, um die Neuordnung der Entsorgungslandschaft vor zehn Jahren in

Hendrik Kranert: Deutschland, wie wir mit dem Atommüll umgehen, nachdem jetzt auch die Kernkraftwerke

Hendrik Kranert: abgeschaltet worden sind in Deutschland.

Martin Puntigam: Die IAEA, ich formuliere es doch kurz aus, ist die Internationale Atomenergieagentur.

Hendrik Kranert: Wir sagen auch Atomenergiebehörde.

Martin Puntigam: Die einen Sitz in Wien hat. Wir haben uns kennengelernt auf einer Veranstaltung

Martin Puntigam: der BGZ, also der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung, in Berlin vor zwei

Martin Puntigam: Jahren. Ziemlich genau.

Martin Puntigam: Mir war das neu. Ich habe keine Ahnung gehabt, dass es sowas überhaupt gibt.

Martin Puntigam: Wir haben damals als Science Busters im Vorfeld auch ein bisschen gefremdelt,

Martin Puntigam: weil mit Atomindustrie, da wollte man nicht unbedingt anstreifen.

Martin Puntigam: Da wird ja heute auch noch jede Menge Unsinn drumherum erzählt,

Martin Puntigam: wie klimaneutral und nachhaltig das sei und so weiter und so fort.

Martin Puntigam: Aber es geht eben um ganz was anderes. Wir haben dann in unserem aktuellen Buch

Martin Puntigam: Aus, die Wissenschaft vom Ende, im Kapitel In Ewigkeit Strahlung auch ein wenig darüber geschrieben.

Martin Puntigam: Bevor wir darüber sprechen, was eine Gesellschaft für Zwischenlagerung eigentlich

Martin Puntigam: macht und ob es zwischen der

Martin Puntigam: Gesellschaft für Zwischenlagerung und der Gesellschaft für Endlagerung eigentlich

Martin Puntigam: ab und zu Fußballmatches gibt, ob es da Fußballmannschaften gibt oder ob ihr

Martin Puntigam: gegeneinander Volleyball spielt, ganz kurz zu dir und deinem Leben und was passiert ist,

Martin Puntigam: wo warst du davor, bevor du bei der PGZ gelandet bist, in der Gesellschaft zwischengelagert?

Hendrik Kranert: Also ich bin im Osten Deutschlands groß geworden und habe damals kurz vor der

Hendrik Kranert: Wiedervereinigung, kurz vor der Wende in der DDR, habe ich eine Ausbildung gemacht mit Abitur.

Hendrik Kranert: Es gab es damals, Bergbotttechnologe bin ich geworden und habe dann nebenbei

Hendrik Kranert: das Abitur gemacht und wollte eigentlich Mineraloge oder Geologe werden.

Hendrik Kranert: Dann kam dieses Ereignis 1989, 90 so ein bisschen dazwischen.

Hendrik Kranert: Da hat sich für uns einiges geändert.

Hendrik Kranert: Es war eine wilde Zeit und es gab damals ziemlich viele Zeitungsgründungen im

Hendrik Kranert: Osten. Das war ziemlich toll.

Hendrik Kranert: Und ich bin damals gefragt worden während meines Zivildienstes,

Hendrik Kranert: du kannst deinen Namen schreiben und eine Kamera halten. Wie sieht es denn aus?

Hendrik Kranert: Willst du nicht so ein bisschen für uns arbeiten? Und Geld konnte ich gebrauchen.

Hendrik Kranert: Und ja, ich konnte meinen Namen schreiben und,

Hendrik Kranert: bin dann so durch Zufall im Journalismus gelandet und habe dann die klassische

Hendrik Kranert: Klaviatur in der Ausbildung gemacht mit Volontariat, habe in Lokalredaktionen gearbeitet,

Hendrik Kranert: die typischen Kaninchenzüchtergeschichten geschrieben und bin dann so peu a

Hendrik Kranert: peu in die Politik reingekommen.

Hendrik Kranert: Und habe mich sehr für Landespolitik interessiert und habe dann irgendwann aus

Hendrik Kranert: der Lokalreaktion den Wechsel vollzogen in die Landeshauptstadt nach Magdeburg

Hendrik Kranert: und bin da Landeskorrespondent geworden und habe dann sowohl für

Hendrik Kranert: die Mitteldeutsche Zeitung damals für Sachsen-Anhalt berichtet,

Hendrik Kranert: aber auch für die Schwesterzeitung des damaligen DuMont-Verlages deutschlandweit.

Martin Puntigam: Jetzt wollen wir uns gar nicht darauf verbreiten. Sachsen-Anhalt ist in die

Martin Puntigam: Schlagzeilen geraten, nicht unbedingt vorteilhaft, aber gerade als Mensch,

Martin Puntigam: der in Österreich lebt, da braucht man sich überhaupt nichts darauf einbilden.

Martin Puntigam: Wir haben ja lange Jahrzehnte Vorarbeiten geleistet, wenn es darum geht,

Martin Puntigam: Rechtsradikale in Regierungen zu bilden.

Martin Puntigam: Da lassen wir das mal links liegen als unerfreuliches Zeitereignis.

Martin Puntigam: Du hast Bergbautechnologie studiert. Was studiert man denn da genau und was will man da machen?

Hendrik Kranert: Ich habe eine Ausbildung zum Bergbautechnologen gemacht und ich sag mal,

Hendrik Kranert: ich habe damals gedacht, du machst was Sinnvolles zur Berufsvorbereitung.

Hendrik Kranert: Außerdem wollte ich von zu Hause weg.

Hendrik Kranert: Die klassische Ausbildung, ich sag mal, anfangen vom Schippen,

Hendrik Kranert: Von der Geologie über das Bohren von Sprenglöchern, über das Aufhacken des Kupferschieferflözes,

Hendrik Kranert: wo ich damals war, im Kupferschiefer habe ich gearbeitet.

Hendrik Kranert: Das war sozusagen das, was damals an der Tagesordnung war.

Martin Puntigam: War das eine Lehre?

Hendrik Kranert: Das war eine Lehre und parallel dazu haben wir Abitur gemacht.

Hendrik Kranert: Das war ziemlich anstrengend. Drei Jahre war schon nicht ohne.

Martin Puntigam: Dann warst du fertig ausgebildet und hast es dann links liegen gelassen.

Hendrik Kranert: Und habe es dann links liegen gelassen, um dabei zu bleiben.

Hendrik Kranert: Habe dann mit Blick auf das Studium erst mal mit dem Zivildienst angefangen

Hendrik Kranert: und dann ergab sich alles ganz anders.

Martin Puntigam: Hätte es in der DDR Zivildienste eigentlich gegeben?

Hendrik Kranert: Nein, das stimmt nicht ganz. Ich hatte das große Glück, dass im Februar 1990

Hendrik Kranert: das Zivildienstgesetz der DDR rauskam, also quasi auf den letzten Metern vor

Hendrik Kranert: der Wiedervereinigung.

Hendrik Kranert: Ich habe damals natürlich mit einem Freund zusammen im Westpferdenseen gesehen,

Hendrik Kranert: dass es ein riesengroßer Aufwand ist, Zivildienstleistender zu werden,

Hendrik Kranert: dass man da vor Kommissionen antreten muss.

Hendrik Kranert: Und wir haben uns da sehr darauf vorbereitet und haben vier eng beschriebene

Hendrik Kranert: DIN A4-Seiten vorgelegt im damaligen Wehrkreiskommando.

Hendrik Kranert: Und dann hat uns der Feldwebel da angeguckt und hat gesagt, nee,

Hendrik Kranert: Jungs, so geht das nicht.

Hendrik Kranert: Hey, mehr kann man nicht schreiben. Dann haben wir gesagt, ja,

Hendrik Kranert: doch, nee, müsste auch gar nicht.

Hendrik Kranert: Hier hat er uns einen Vordruck gegeben mit zwei Sätzen. Die haben wir abgeschrieben,

Hendrik Kranert: haben wir unterschrieben und dann war ich eine Woche später Zivi.

Hendrik Kranert: Ja, und habe mein Zivis in der Jugendherberge, meine Heimatstadt gemacht,

Hendrik Kranert: war ich auch der erste Zivi. Das war eine tolle Erfahrung, war sehr,

Hendrik Kranert: sehr amüsant, sehr lehrreich auch.

Martin Puntigam: Wie lang war damals der Zivildienstbereich?

Hendrik Kranert: 15 Monate.

Martin Puntigam: Oh, das ist aber ordentlich lang.

Hendrik Kranert: Ja, und währenddessen kam dann mein damaliger, ein damaliger Bekannter auf mich

Hendrik Kranert: zu und sagte, ich muss hier jeden Tag eine Zeitungsseite produzieren und ich

Hendrik Kranert: weiß gar nicht, wie ich das schaffen soll.

Hendrik Kranert: Und ja, und dann, okay, so ging das dann los mit dem Schreiben.

Martin Puntigam: Und viele von diesen Zeitungen, die damals gegründet worden sind,

Martin Puntigam: gibt es ja nicht mehr. Und etliches war ja einigermaßen kurios,

Martin Puntigam: falls ich mich erinnern kann.

Hendrik Kranert: Also das ist das Traurige eigentlich, dass der Zeitungsmarkt sich radikal im

Hendrik Kranert: Umbruch befindet und das schon seit mehreren Jahrzehnten.

Hendrik Kranert: Diese ganzen Zeitungs-, diese kleinen Zeitungsgründungen waren am Markt eigentlich

Hendrik Kranert: nicht überlebensfähig, weil auch die Anzeigenkunden gerade im Osten Deutschlands

Hendrik Kranert: nicht da waren, das Geld war nicht da.

Hendrik Kranert: Wir haben halt Jahre gebraucht, bis man sozusagen aus diesem tiefen Tal des

Hendrik Kranert: wirtschaftlichen Niedergangs herauskam und dann auch sozusagen das Ganze prosperierte.

Hendrik Kranert: Das haben die Zeitungen oftmals nicht überlebt, sodass es im Prinzip,

Hendrik Kranert: wie zu DDR-Zeiten, das ist halt das Schlimme daran, Monopole in der Zeitungslandschaft gibt.

Hendrik Kranert: Und ja, wir werden an dem Punkt sind, dass Lokaljournalismus auf dem absteigenden

Hendrik Kranert: Ast ist. Und der Lokaljournalismus, hat mein Verleger damals gesagt,

Hendrik Kranert: ist der Hintern, auf dem die großen Zeitungen halt sitzen müssen.

Hendrik Kranert: Da wird das Geld verdient und das ist halt das Nahbare.

Hendrik Kranert: Alles andere erfährt man halt aus ZIP oder Tagesschau und wie auch immer.

Martin Puntigam: Das heißt, was bist du eigentlich leidenschaftlicher mittlerweile?

Martin Puntigam: Journalist oder noch Bergmann oder schon Abteilungsleiter bei der BGZ?

Hendrik Kranert: Also beides lässt man nie zurück. Also ich krabbel heute noch unglaublich gern,

Hendrik Kranert: in jedes Loch in der Erde.

Martin Puntigam: Tierlöcher habe ich gelesen.

Hendrik Kranert: Da nur mit den Beinen und Füßen. Das ist schwierig. Man muss dann immer ausgeflogen

Hendrik Kranert: werden in Österreich. Das ist eine andere Geschichte.

Martin Puntigam: Das war ein Unfall beim Wandern, oder?

Hendrik Kranert: Das war ein Unfall beim Wandern, ja. Auf dem Berliner Höhenweg auf zweieinhalbtausend

Hendrik Kranert: Metern. Jetzt kommen wir vom Thema ab. Aber das ist eine ziemlich harte Kante da oben.

Hendrik Kranert: Wir hatten die Hälfte des Weges, waren so zehn bis zwölf Wegstunden angegeben

Hendrik Kranert: schon hinter uns. Und ich guckte so in die hohen Tauern rein.

Hendrik Kranert: Es war alles schön, es war warm, es war September und,

Hendrik Kranert: Das war es dann. Also ich bin dann in ein Loch getreten, es hat knack gemacht

Hendrik Kranert: und das Außenband war durch.

Martin Puntigam: Was dann rundherum die Murmeldierehönig pfeifen gehört.

Hendrik Kranert: Ja, und ich bin dann quasi unter dem Hubschrauber hängend ausgeflogen worden.

Hendrik Kranert: Das war auch eine interessante Erfahrung.

Hendrik Kranert: Bin aber hier hervorragend versorgt worden in Schwarz. Grüße gehen raus an die Klinik.

Hendrik Kranert: Ich höre heute noch den Pfleger, der mir meinen Rucksack raustrug und sagte,

Hendrik Kranert: was hast du denn da drin in der Einbauküche?

Hendrik Kranert: Ja, aber zurück, also Bergmann, bleibst du dein Leben lang, das ist auch was, was einen Stolz macht.

Hendrik Kranert: Journalist, ich bin extrem neugierig, ich lese, ich gucke viel Nachrichten,

Hendrik Kranert: ich bin auch ein News-Junkie.

Hendrik Kranert: Das lässt man nicht los und das konnte ich Gott sei Dank beides mitnehmen in

Hendrik Kranert: den neuen Job. Also ich war ja zwischendurch noch drei Jahre im Bundestag als

Hendrik Kranert: Büroleiter, bevor dann diese Ausschreibung für die Stelle bei der BGZ als Pressesprecher kam.

Martin Puntigam: Welches Büro hast du dort geleitet?

Hendrik Kranert: Das war der damalige innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion.

Hendrik Kranert: Das war auch eine spannende Erfahrung.

Hendrik Kranert: Da sagte dann eine Kollegin irgendwann mal zu mir, du hier ist gerade so eine

Hendrik Kranert: komische Stellenanzeige, irgendwas mit Atommüll, das interessiert dich doch.

Hendrik Kranert: Und so bin ich dann da gelandet.

Martin Puntigam: Woher hat dich gewusst, dass Atommüll dein Interesse weckt?

Hendrik Kranert: Naja, ich habe so einen etwas nerdigen Ruf auch für solche Sachen,

Hendrik Kranert: also auch heute noch, dass ich

Hendrik Kranert: mich für so abgefahrene Sachen auch in der Wissenschaft sehr interessiere.

Hendrik Kranert: Es macht mir einfach Spaß, mich damit zu beschäftigen und sie wusste das und

Hendrik Kranert: kam dann auf mich zu und gesagt, das wäre glaube ich was für dich und da hat sie auch recht gehabt.

Martin Puntigam: Aber abgefahren, die Leute, die in der Kernenergie arbeiten und Lobbying für

Martin Puntigam: Kernkraftwerke betreiben, würden nicht sagen, dass das abgefahren ist,

Martin Puntigam: sondern das ist für die etwas Sinnvolles und Normales.

Hendrik Kranert: Der Begriff in der Kerntechnik abgefahren rührt ja doch, dass man ein Kraftwerk

Hendrik Kranert: abfährt, heißt, dass man es abschaltet und insofern kriege ich jetzt wahrscheinlich

Hendrik Kranert: wieder Ärger von den Kollegen aus der Kerntechbranche.

Hendrik Kranert: Aber ich glaube, die kennen mich inzwischen auch und wissen,

Hendrik Kranert: dass ich das nicht so ernst meine. Also mich fasziniert das total,

Hendrik Kranert: die Technologie und die Technik.

Hendrik Kranert: Auch wenn ich das als nicht zukunftsfähig ansehe, ja.

Martin Puntigam: Dann hast du dort angeheiert. Hat das sofort funktioniert? Bist du sofort genommen worden?

Hendrik Kranert: Ich bin sofort genommen worden. Das war sogar so, dass ich mich ursprünglich

Hendrik Kranert: eigentlich auf eine Stelle für die Öffentlichkeitsarbeit beworben hatte und

Hendrik Kranert: man dann gesagt hat, nee, wir brauchen eigentlich nur einen Pressesprecher,

Hendrik Kranert: weil man damals ein Großprojekt geplant hat.

Hendrik Kranert: Ich habe diese Stelle dann sogar noch geschaffen. Also das war,

Hendrik Kranert: ja, es war schon ein Sechser im Lotto.

Hendrik Kranert: Es hat also sozusagen was zu machen, was einerseits mit meinem beruflichen Werdegang

Hendrik Kranert: zu tun hatte, andererseits aber auch was mir von meinem naturwissenschaftlichen

Hendrik Kranert: Verständnis und auch meinem Interesse sehr nahe kam.

Hendrik Kranert: Auf der anderen Seite muss man sagen, das ist auch wie so eine Vollbremsung

Hendrik Kranert: im Auto gewesen, weil die Branche halt aufgrund der Erfahrungen der Jahrzehnte

Hendrik Kranert: zuvor sehr verschlossen ist.

Hendrik Kranert: Also der erste Satz, den ich als Pressesprecher gehört habe und wo ich gedacht

Hendrik Kranert: habe, eigentlich kannst du gleich wieder gehen, ist, wir fliegen hier unter

Hendrik Kranert: dem Radar und das war bislang auch immer gut so.

Hendrik Kranert: Das ist heute noch ein Satz, der ab und zu in der Branche immer noch auftaucht.

Hendrik Kranert: Also es ist schwierig, aber wir haben es geschafft. Also auch dank sehr engagierter

Hendrik Kranert: Kolleginnen und Kollegen.

Hendrik Kranert: Dass wir inzwischen im Unternehmen die Kommunikation als Kernprozess verstehen.

Hendrik Kranert: Das heißt, das ist gleichgestellt dem, was wir eigentlich machen,

Hendrik Kranert: nämlich uns um den Atommüll zu kümmern, den wir zwischenlagern.

Martin Puntigam: Das hat man sich als Österreicher leicht. Also mehr durch Glück und Zufall hat

Martin Puntigam: sich Österreich 1978 gegen die Betriebnahme des Atomkraftwerks Zententorf entschieden.

Martin Puntigam: Heute bilden sie alle ein. Es wäre Bewusstseinsbildung aus eigener Kraft und

Martin Puntigam: aus rationalen Gründen gewesen.

Martin Puntigam: Aber in Wirklichkeit war die Melange aus Gegnern, Gegnerinnen von Atomkraftwerken,

Martin Puntigam: und Gegnerinnen des damaligen Bundeskanzlers, das hat dann für die knappe Mehrheit

Martin Puntigam: gesorgt und deshalb ist es nicht in Betrieb gegangen.

Martin Puntigam: Deshalb müssen wir uns in Österreich nicht mit Atommüll herumschlagen, ihr aber sehr wohl.

Martin Puntigam: Und da gibt es eben die Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung und für Endlagerung

Martin Puntigam: und dann noch BASE, ich weiß nicht, ob das ein Link ist oder noch ein drittes,

Martin Puntigam: gleich großes Institut.

Martin Puntigam: Und warum gibt es denn diese Gesellschaften überhaupt und was machst du als

Martin Puntigam: Pressesprecher der BGZ?

Hendrik Kranert: Inzwischen bin ich nicht mehr Pressesprecher, sondern kümmere mich jetzt um Internationales.

Hendrik Kranert: Deswegen bin ich auch hier in Wien und um die Beziehung zur Politik,

Hendrik Kranert: also im Stakeholder-Management im Großen und Ganzen, auch um die Anfragen,

Hendrik Kranert: die bei uns eingehen und so weiter.

Hendrik Kranert: 2016 gab es eine Veränderung in der Entsorgungslandschaft in Deutschland,

Hendrik Kranert: Staat und die Entsorgungsunternehmen, also die Kernkraftwerksbetreiber sind übereingekommen, dass

Hendrik Kranert: sich künftig der Staat um Zwischenlagerung des Atommülls in den aussehenden

Hendrik Kranert: Kernkraftwerken und um die Suche nach einem Endlager kümmern wird und soll,

Hendrik Kranert: aus meiner Sicht heute absolut nachvollziehbar, weil ich schon der Meinung bin,

Hendrik Kranert: das gehört in staatliche Hand.

Hendrik Kranert: Und nicht in ein privatwirtschaftliches Unternehmen, wo man immer bei Dingen,

Hendrik Kranert: die Geld kosten, ja gerne immer mal versucht zu sparen. Und das ist ein Job

Hendrik Kranert: oder das ist eine Aufgabe, die wir haben zwischen die Endlagerung.

Hendrik Kranert: Bei dem man nicht auf den Schilling, die Mark, den Euro gucken darf,

Hendrik Kranert: sondern man muss das wirklich sagen, das kostet, was es kostet.

Hendrik Kranert: Und deswegen war das eine sehr vernünftige Entscheidung. Im Gegenzug haben die

Hendrik Kranert: Kernkraftwerksbetreiber damals roundabout 24,1 Milliarden Euro in einen Fonds

Hendrik Kranert: eingezahlt, den Fonds zur kerntechnischen Entsorgung.

Hendrik Kranert: Und aus dem speist sich quasi der Aufwand, den wir mit unseren Zwischenlagern

Hendrik Kranert: haben, 17 an der Zahl, und den unsere Schwestergesellschaft,

Hendrik Kranert: die Bundesgesellschaft für Endlagerung hat, zum einen.

Hendrik Kranert: Mit der Suche nach dem Endlager für hochradioaktive Abfälle und dem Auffahren

Hendrik Kranert: beziehungsweise dem Inbetriebnehmen eines Endlagers für mittel- und schwachradioaktive Abfälle.

Martin Puntigam: Bevor wir uns der mühsamen Suche nach einem Endlager zu wenden,

Martin Puntigam: Was genau ist denn eigentlich ein Zwischenlager? Wie viele gibt es davon?

Martin Puntigam: Ich glaube 17 hast du gesagt, gibt es davon und seit wann gibt es die?

Martin Puntigam: Und was bedeutet Zwischen? Also Zwischen heißt ja Zwischenanfang und Ende.

Martin Puntigam: Das Ende ist noch nicht gefunden, wie wir noch erfahren werden,

Martin Puntigam: aber wie lange gibt es denn Zwischenschau?

Hendrik Kranert: Zwischen gibt es im Prinzip, seitdem es Kernkraftwerke gibt.

Hendrik Kranert: In Deutschland ist es so, dass die Kernkraftwerksbetreiber sich entschieden

Hendrik Kranert: haben, die Zwischenlagerung zu zentralisieren.

Hendrik Kranert: Man hat dazu in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts angefangen,

Hendrik Kranert: die beiden Zwischenlager Gorleben in Niedersachsen und Aarhaus in Nordrhein-Westfalen zu planen,

Hendrik Kranert: wo sowohl schwache und mittelradioaktive als auch hochradioaktive Abfälle eingelagert werden.

Hendrik Kranert: Denn am Anfang waren das nur schwache und mittelradioaktive Abfälle,

Hendrik Kranert: weil sämtliche Brennelemente, das sind die hochradioaktiven Abfälle,

Hendrik Kranert: die verbraucht waren, nach Frankreich

Hendrik Kranert: und nach Großbritannien in die Wiederaufarbeitung gebracht wurden.

Hendrik Kranert: Das heißt, man hat dort die Brennelemente auseinandergenommen,

Hendrik Kranert: hat sie zersägt, in Säure aufgelöst und hat dann alles, was an verwertbarem

Hendrik Kranert: Uran und Plutonium da drin war, rausgeholt.

Hendrik Kranert: Hat daraus neue Brennelemente entwickelt oder noch gebaut und der Rest dieses

Hendrik Kranert: Mülls wurde dann in einer Glasmatrix eingeschmolzen,

Hendrik Kranert: in Kukillen gefüllt aus Metall und in diese Kukillen, das sind,

Hendrik Kranert: ja wie sieht es aus, wie ein Schreis, sieht aus wie ein riesiges Zäpfchen,

Hendrik Kranert: das ist halt so ein Edelstahlkanister und der steht dann in den Kastorbehältern

Hendrik Kranert: drin, also wir haben momentan Kastorbehälter, das sind glaube ich 48 dieser

Hendrik Kranert: Kukillen drin gelagert.

Hendrik Kranert: Und die sind dann zurück nach Deutschland transportiert worden.

Hendrik Kranert: Das hat die Implikation gehabt, dass die Bevölkerung wenig begeistert war, dass.

Hendrik Kranert: Diese hochradioaktiven Abfälle in den Castor-Behältern zurück nach Deutschland kamen.

Martin Puntigam: Wie schaut denn so ein Castor-Behälter außerhalb von dieser Cocktail aus?

Hendrik Kranert: Das ist ein ungefähr sechs Meter hoher Trumm aus einem speziellen Stahlguss,

Hendrik Kranert: in dem befinden sich Grafittkügelchen, die die Dammastrahlen absorbieren und,

Hendrik Kranert: in diesem Metall wiederum sind lange Plastikstangen eingelassen,

Hendrik Kranert: Polyethylen, was wiederum die Neutronenstrahlung absorbiert,

Hendrik Kranert: sodass man an der Behälteraußenseite nur noch eine sehr, sehr geringe Strahlendosis hat.

Hendrik Kranert: Zum anderen führen die Behälter die Wärme ab, die nach wie vor entsteht,

Hendrik Kranert: durch diese Nachzerfallswärme aus den Prozessen.

Martin Puntigam: Ich glaube, das sind dann noch 100 Grad ungefähr, nachdem sie aus dem Abklingenbecken kommen.

Hendrik Kranert: Also die Brennelemente selber sind sehr heiß, wenn sie aus dem Abklingenbecken

Hendrik Kranert: kommen. Die sind auch noch heißer als 100 Grad.

Hendrik Kranert: Also bis 220 haben die, wenn sie dann raus sind und in die Kasturbehälter gefüllt

Hendrik Kranert: werden, bei den wiederaufarbeiteten Abfällen.

Hendrik Kranert: Ist die Hitze vergleichbar, also man kann glaube ich sagen so um die 80 Grad.

Hendrik Kranert: Also so ein Kastorbehälter könnte über ein paar Jahre zwei Einfamilienhäuser

Hendrik Kranert: beheizen, wenn man so eine Vorstellung davon hat.

Hendrik Kranert: Und das Dritte, was ganz wichtig ist, erhält natürlich das Material als solches,

Hendrik Kranert: also sprich entweder diese Glasmatrix und die Kukillen, als auch bei den anderen

Hendrik Kranert: Behältern die Brennelemente in einem absolut geschlossenen Raum.

Hendrik Kranert: Es gibt ein Zwei-Deckel-Dichtsystem, was dafür sorgt, dass wirklich nichts aus

Hendrik Kranert: diesem Behälter wieder rauskommen kann.

Hendrik Kranert: Also das Ding ist wirklich schon von seiner Masse her und von seiner Größe her, ja,

Hendrik Kranert: drum, ja, also wirklich wie so ein Bus, also wenn man sich das vorstellen und,

Hendrik Kranert: hat 2,15 Meter im Durchmesser und wiegt beladen 120 Tonnen, also das ist schon eine Hausnummer.

Hendrik Kranert: Zurück mal zu den Transporten. Also das gab dann halt immer diese.

Hendrik Kranert: Die Älteren werden sich erinnern, diese Völkerschlacht-ähnlichen Szenarien in

Hendrik Kranert: Gorleben, wo man gesagt hat, wir wollen das Zeug nicht hierher haben,

Hendrik Kranert: zumal in Gorleben ja nie ein Kernkraftwerk stand. Das kann man auch irgendwie verstehen.

Hendrik Kranert: Also man kann es grundsätzlich verstehen, dass sich da Widerstand gegen formiert hat zumal.

Hendrik Kranert: Und das ist so ein Problem, was glaube ich Deutschland sehr speziell hat.

Hendrik Kranert: Die Informationspolitik in den 70er und 80er Jahren, was Kerntechnik betraf,

Hendrik Kranert: nun ja ausbaufähig gewesen wäre.

Hendrik Kranert: Ja, nochmal zurück zum Thema Wiederaufarbeitung. Ab 2005 hat Deutschland dann

Hendrik Kranert: die Wiederaufarbeitung im Ausland verboten.

Hendrik Kranert: Es durften keine Brennelemente mehr ins Ausland gebracht werden,

Hendrik Kranert: sondern die Kraftwerksbetreiber mussten an ihren Kraftwerken Zwischenlager bauen,

Hendrik Kranert: und in diese Zwischenlager wurden dann damals die Brennelemente,

Hendrik Kranert: also im Kernkraftwerk selber wurden die Brennelemente in den Kastorbehälter

Hendrik Kranert: gefüllt und dann kamen die Kastorbehälter ins Zwischenlager.

Hendrik Kranert: Und das ist auch bis heute noch so also die letzten drei Kraftwerke sind gerade

Hendrik Kranert: dabei, ihre Behälter so peu a peu über die nächsten Jahre zu verladen,

Hendrik Kranert: wir werden es ungefähr noch fünf Jahre brauchen, seitdem gibt es,

Hendrik Kranert: also seit Anfang der 90er Jahre,

Hendrik Kranert: die beiden zentralen Zwischenlagern Aarhus und Gorleben und peu a peu kamen

Hendrik Kranert: dann die dezentralen Zwischenlager für radioaktiven Müll und für dann den schwachen

Hendrik Kranert: Mittel radioaktiven Müll dann dazu an den Standorten,

Hendrik Kranert: Und wir haben die dann ab 2019, erst die Hochradioaktiven, ab 2020 dann die

Hendrik Kranert: schwachen Mittelradioaktiven Zwischenlager übernommen.

Martin Puntigam: Aber wenn das 17 Stück sind, wo steht denn die? Und was bedeutet Zwischenlager?

Martin Puntigam: Da ist das ja nicht unterirdisch irgendwo in einem Stollen, sondern das steht

Martin Puntigam: wie in einem Gazebo, wie in einem Partyzelt, oberirdisch.

Hendrik Kranert: Ist ein bisschen mehr als ein Partyzelt. Also es sind Hallen aus Stahlbeton

Hendrik Kranert: mit dicken Mauern entsprechend gesichert.

Hendrik Kranert: Wobei, wenn man sagen muss, die Sicherheit an sich, also die primäre Sicherheit,

Hendrik Kranert: für die Umwelt, für die Bevölkerung, aber auch das Atommüll sozusagen von äußeren

Hendrik Kranert: Einwirken stellt der Behälter sicher.

Hendrik Kranert: Wir haben Beispiele, wo halt Kastorbehälter im Freien stehen.

Hendrik Kranert: Das ist eigentlich auch kein Problem. Das machen die Amerikaner beispielsweise.

Hendrik Kranert: Das geht auch. Also das ist keine Frage des Gebäudes, sondern das ist eine Frage des Behälters.

Hendrik Kranert: Die Gebäude sind eigentlich dazu da, böse Jungs und Mädchen abzuhalten.

Hendrik Kranert: Also sprich Terror, Kriminelle, dass man sagt, da kommt keiner rein.

Hendrik Kranert: Und natürlich ist es schön, in Deutschland ist ja auch nicht ein ganzes Jahr

Hendrik Kranert: über Sommer, dass die Leute auch vernünftig arbeiten können in diesen Zwischenlagern.

Hendrik Kranert: Also das sind Hochsicherheitseinrichtungen, die zu den bestgesicherten Einrichtungen

Hendrik Kranert: in Deutschland zählen. Mit allem, was man sich so vorstellt.

Hendrik Kranert: Wachzäune, Hunde, bewaffnetes Personal etc.

Martin Puntigam: Das brauchen dann mittlerweile wahrscheinlich.

Hendrik Kranert: Natürlich auch. Doch, ein großes Thema, da wären wir viel zu gefragt momentan.

Hendrik Kranert: Und nach dem 11. September vor 25 Jahren in New York mit den Angriffen sind

Hendrik Kranert: auch die Zwischenlager alle nachgerüstet worden für mögliche Angriffe von außen. Das ist so der Stand.

Martin Puntigam: Aber noch einmal, 17, das muss ja verteilt sein aufs gesamte Bundesgebiet.

Hendrik Kranert: Das ist aufs gesamte Bundesgebiet verteilt.

Martin Puntigam: Aber da wird es ja keine Gemeinde freuen, wenn es heißt, ihr kriegt jetzt ein Zwischenlager.

Hendrik Kranert: Ja, als sie sie damals bekommen haben, war das, glaube ich,

Hendrik Kranert: Also muss man unterscheiden. Das eine ist, Aarhaus in Gorleben,

Hendrik Kranert: die zentralen Zwischenlager haben sogenannte Ansiedlungsverträge.

Hendrik Kranert: Die bekommen für die Last, die sie mit der Zwischenlagerung natürlich tragen,

Hendrik Kranert: eine Entschädigung gezahlt.

Hendrik Kranert: Die zahlen wir, also die Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung,

Hendrik Kranert: zahlt diese an die Kommunen, an den Landkreis, an die Stadt eine Summe pro Jahr.

Hendrik Kranert: Bei den dezentralen Zwischenlagern ist es so, dass die ja über die Jahrzehnte,

Hendrik Kranert: von der Stromproduktion der Kernkraftwerke profitiert haben.

Hendrik Kranert: Also wenn du hier rüberfährst nach Niedereichbach bei Landshut,

Hendrik Kranert: das sind prosperierende Gemeinden, denen es richtig gut geht,

Hendrik Kranert: weil dann natürlich sehr viel Gewerbesteuer aus den Kraftwerken in die Kommunen geflossen sind.

Hendrik Kranert: Und zum Teil haben die das auch sehr clever angelegt. Also ich weiß von süddeutschen

Hendrik Kranert: Standorten, die dieses Geld, was sie aus den Kraftwerken, aus der Gewerbesteuer

Hendrik Kranert: bezogen haben, in München beispielsweise Wohnungen gekauft haben und die vermieten.

Hendrik Kranert: Also das ist eine recht nachhaltige Geschichte. Das große Problem ist bei den

Hendrik Kranert: dezentralen Zwischenlagern, mit dem Moment, wo die Kraftwerke aus sind,

Hendrik Kranert: fließt auch keine Gewerbesteuer mehr.

Hendrik Kranert: Und das ist natürlich auch,

Hendrik Kranert: in der Gemeindekasse angekommen und man sucht natürlich nach einer Alternative und es gibt Forderungen,

Hendrik Kranert: nach einem Ausgleich, der zuerst an uns gerichtet wurde, aber wo wir gesagt

Hendrik Kranert: haben, das können wir nicht leisten, weil wir halt uns aus diesem Fonds finanzieren

Hendrik Kranert: und das muss halt eine Aufgabe sein, die in der Politik gelöst wird.

Hendrik Kranert: Das ist momentan der Stand der Debatte.

Martin Puntigam: Und dieser Fonds, das sind diese 24 Milliarden, wie kann man sich das vorstellen

Martin Puntigam: wie dieser norwegische Staatsfonds?

Hendrik Kranert: Genau so funktioniert das. Das funktioniert sehr gut. Der Kenfu hat eine sehr

Hendrik Kranert: gute Rendite, die im Schnitt immer so um die 10 Prozent lag in den vergangenen Jahren.

Martin Puntigam: Das heißt, wenn man gerne gut anlegen möchte, dann soll man dort investieren?

Hendrik Kranert: Das ist gerade auch die Überlegung des Finanzministers. Es gibt gerade eine

Hendrik Kranert: Debatte in Deutschland, ob man nicht auch eine kapitalgedeckte Rente,

Hendrik Kranert: ähnlich wie auch in Schweden und Norwegen, über diesen Fonds laufen lässt,

Hendrik Kranert: weil der halt sehr gut funktioniert.

Martin Puntigam: Das heißt, der schüttet, weil mit dem Geld gearbeitet wird, so und so viel Rendite

Martin Puntigam: aus und damit kann man arbeiten. Damit wird es ja ihr finanziert.

Hendrik Kranert: Wir werden damit finanziert.

Hendrik Kranert: Das Problem ist natürlich, dass momentan keiner sagen kann,

Hendrik Kranert: also wie sieht es in der Zukunft aus, wie lange brauchen wir diesen Fonds noch,

Hendrik Kranert: weil die Kernaufgabe wird sein, ein Endlager zu suchen und die Standorte zu

Hendrik Kranert: erkunden und das Endlager auszubauen und das ist Geld, was aus diesem Fonds

Hendrik Kranert: kommt und dann wird es erstmal richtig teuer.

Hendrik Kranert: Momentan hält sich das alles sehr in Grenzen, was da an Geld an die beiden Gesellschaften fließt.

Hendrik Kranert: Aber das wird natürlich teurer werden. Und dadurch, dass sich die Endlagersuche

Hendrik Kranert: in Deutschland hinzieht, wird auch die Zwischenlagerung deutlich länger dauern als geplant.

Hendrik Kranert: Das heißt, wir müssen einen relativ großen Aufwand betreiben,

Hendrik Kranert: um nachzuweisen, dass die Zwischenlager auch in Zukunft sicher sind.

Hendrik Kranert: Da sind wir gerade dabei.

Martin Puntigam: Diese Zwischenlager, die haben ja, glaube ich, ich bin in mir richtig erinnert,

Martin Puntigam: Ablaufdatum gehabt. Und die Gemeinden, die Zwischenlager haben,

Martin Puntigam: denen ist ja gesagt worden, bis dann und dann wird es ein Endlager geben und

Martin Puntigam: dann sind ja die Zwischenlager los. Wie weit ist man jetzt schon über dem Ablaufdatum

Martin Puntigam: der Zwischenlager drüber?

Hendrik Kranert: Also wir sind noch nicht drüber. Das ist das Gute. Und wir haben das Problem,

Hendrik Kranert: glaube ich, sehr früh erkannt.

Hendrik Kranert: Wir haben Anfang der 20er Jahre, kurz nach der Übernahme oder kurz nachdem der

Hendrik Kranert: Bund die Verantwortung für die Zwischenlage übernommen hat, ein eigenes Forschungsprogramm

Hendrik Kranert: aufgelegt, bei dem es zum einen darum geht, die Gebäude und die Standsicherheit

Hendrik Kranert: der Gebäude nachzuweisen.

Hendrik Kranert: Das ist kein großes Problem. Das ist klassischer Hochbau. Das macht jeder Ingenieur.

Hendrik Kranert: Da gibt es sicherlich ein paar spezielle Fragen, aber die sind alle lösbar.

Hendrik Kranert: Aus meiner Sicht. Die große Frage ist natürlich, was ist mit dem Behälter?

Hendrik Kranert: Wie verhält sich der Behälter?

Hendrik Kranert: Und nochmal ein Blick zurück. In Deutschland hat man Ende der 70er Jahre in

Hendrik Kranert: Niedersachsen der damalige Ministerpräsident Ernst Albrecht,

Hendrik Kranert: der Mutter der heutigen EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen, gesagt,

Hendrik Kranert: wir bauen das in Gorleben, ein nukleares Entsorgungszentrum für die ganze Bundesrepublik,

Hendrik Kranert: mit Wiederaufarbeitung, mit Zwischenlagerung und mit einem Endlager.

Hendrik Kranert: Also quasi eine Art geschlossener Brennstoffkreislauf war immer das Ziel, den hat es nie gegeben.

Hendrik Kranert: Gorleben war nicht nur umstritten wegen der Kastortransporte,

Hendrik Kranert: sondern war auch immer massiv umstritten und kritisiert aufgrund der Situation,

Hendrik Kranert: dass dort ein Versuchsbergwerk aufgefahren wurde, im Steinsalz, genau.

Hendrik Kranert: Da geht die Diskussion sehr weit dahin, dass man sagt, ist das sicher,

Hendrik Kranert: dieses Bergwerk, oder ist es das nicht?

Hendrik Kranert: Und letztlich ist man 2020 bei der BGI zu der Entscheidung gekommen,

Hendrik Kranert: nein, das Bergwerk ist so, wie es ist, nicht sicher.

Hendrik Kranert: Weil dieser Salzdom, der da existiert, nach oben keinen kompletten Verschluss

Hendrik Kranert: zur Oberfläche hat. Es gibt da wohl eine Störung, aber da kann ich nur bedingt was zu sagen.

Hendrik Kranert: Jedenfalls hat man gesagt, Gorlieb ist raus aus dem Rennen.

Hendrik Kranert: Um überhaupt diese Thematik Endlager nochmal unbefangen angehen zu können,

Hendrik Kranert: haben wir gesagt, Deutschland wird eine weiße Landkarte, wir fangen nochmal von vorn an.

Hendrik Kranert: Als man aber Gorleben geplant hatte als Endlagerbergwerk, hat man gesagt,

Hendrik Kranert: wir brauchen 40 Jahre, dann geht das ans Netz und dann können wir die Kastoren

Hendrik Kranert: unter die Erde bringen, beziehungsweise die Endlagerbehälter,

Hendrik Kranert: die Kastoren werden nicht selber unter die Erde gebracht.

Martin Puntigam: Weil Kastor, da gibt es ja, heißt er deshalb Kastor, weil es ja da der Pollux dazu gibt, oder?

Hendrik Kranert: Ja, der Pollux war mal als Endlagerbehälter für Gorleben geplant.

Hendrik Kranert: Inzwischen ist das Geschichte.

Hendrik Kranert: Pollux war derjenige der beiden Brüder, der ja ewig existieren sollte.

Hendrik Kranert: Und das war sozusagen auch die Geschichte darüber, dass der Pollux sich halt

Hendrik Kranert: als Endlagerbehälter auf Dauer um das radioaktive Material kümmert.

Hendrik Kranert: Unsere Schwestergesellschaft, die BGE, ist momentan dabei, neue Endlagerbehälter

Hendrik Kranert: für die verschiedenen Wirtsgesteine zu entwickeln.

Hendrik Kranert: Der Castor-Behälter ist quasi nur ein, was heißt nur, Also er ist ein Transport-

Hendrik Kranert: und Lagerbehälter und macht das auch sehr gut.

Hendrik Kranert: Aus diesen 40 Jahren, die da mehr oder minder gesetzlich festgeschrieben wurden,

Hendrik Kranert: wurde aber in der Vergangenheit immer abgeleitet, die Dinge halten nur 40 Jahre. Das ist Quatsch.

Hendrik Kranert: Die halten deutlich länger. Es gibt auch Castor-Behälter, die schon länger beladen

Hendrik Kranert: sind. In der Schweiz steht einer, der ist aus Anfang der 80er Jahre beladen.

Hendrik Kranert: Also das ist alles kein Problem.

Hendrik Kranert: Das ist ein so kompaktes Metallding, das hält. Also wir haben,

Hendrik Kranert: was wir momentan untersuchen, vor allen Dingen ist die Frage der Dichtung,

Hendrik Kranert: wie verhalten sich die Dichtung in diesen beiden Deckeln, die da drauf sind.

Hendrik Kranert: Das ist aber ein Forschungsform, was schon länger läuft, wo man diese Dichtung

Hendrik Kranert: künstlich altern lässt.

Hendrik Kranert: Die große Frage, vor der wir stehen oder vor der die Wissenschaft insgesamt

Hendrik Kranert: steht, ist, wie verhalten sich die Brennelemente im Behälter selber.

Hendrik Kranert: Aufgrund der Tatsache, dass die extrem strahlen, kann man nicht röntgen.

Hendrik Kranert: Also das bringt nichts. Dann wird schwarz. Die Bilder.

Hendrik Kranert: Wir haben unter anderem ein, das heißt Viskas und das beschäftigt sich mit Myonen.

Hendrik Kranert: Myonen sind kosmische Teilchen, die im Prinzip nicht wechselwirken mit Materie auf der Erde.

Hendrik Kranert: Und der eine oder andere wird es vielleicht schon mal gehört haben,

Hendrik Kranert: dass französische Forscher mal die Pyramiden in Ägypten mit diesen Myonen durchleuchtet haben.

Hendrik Kranert: Man hat dazu quasi große Detektoren, vergleichbar mit Metallplatten,

Hendrik Kranert: aufgebaut und konnte dann große bis dato verborgene Strukturen in den Pyramiden nachweisen.

Hendrik Kranert: Aber nun ist der Castor zwar schon ziemlich groß, aber so eine Pyramide doch noch deutlich größer.

Hendrik Kranert: Ich will sagen, wir haben momentan das Problem, dass wir,

Hendrik Kranert: mit sehr hohem Aufwand die Behälter zwar schon durchleuchten können,

Hendrik Kranert: es gab schon Experimente dazu, aber wir haben noch keine Auflösung,

Hendrik Kranert: wo man einzelne Brennstofftabletten, die sind so groß wie eine Kopfschmerztablette, mehr ist das nicht,

Hendrik Kranert: oder Risse in den einzelnen Brennstäben in den Höherrohren erkennen könnte.

Hendrik Kranert: Das ist momentan, woran wir arbeiten.

Hendrik Kranert: Hintergrund ist, in Deutschland sind die Brennelemente in der Regel mit relativ,

Hendrik Kranert: hoher Belastung gefahren worden. Die Fachleute sprechen von hohem Abbrand.

Hendrik Kranert: Sehr stark beansprucht worden während ihrer Lebenszeit im Reaktor.

Hendrik Kranert: Es besteht die Möglichkeit, dass sich im Inneren der Brennstäbe Wasserstoff

Hendrik Kranert: bildet, der dann die Hüllrohre sprengt, also aufreißen lässt,

Hendrik Kranert: also wie ein kaputter Kugelschreiber.

Hendrik Kranert: Als Bild kann man sich das ganz gut vorstellen. Und dass dann Brennstofftabletten

Hendrik Kranert: oder Brennstoffmaterial rausfällt und in den Kaster runterfällt.

Hendrik Kranert: Es ist ausgeschlossen, dass es dadurch zu einer Kettenreaktion kommt,

Hendrik Kranert: aber wir müssen natürlich sicherstellen, dass die Kastoren, wenn sie abtransportiert

Hendrik Kranert: werden in Richtung Endlager,

Hendrik Kranert: nach wie vor transportfähig sind und dass die BGE, wenn sie die Behälter entlädt

Hendrik Kranert: und in die Endlagerbehälter umladen muss, weiß, was sie erwartet,

Hendrik Kranert: wenn sie die Brennelemente zieht.

Hendrik Kranert: Das ist eine ganz große, große Aufgabe und wir haben momentan parallel dazu

Hendrik Kranert: ein Forschungsprogramm laufend zusammen mit internationalen Kooperationspartnern,

Hendrik Kranert: vor allen Dingen mit einer Firma namens Stutzvik in Schweden, wo wir,

Hendrik Kranert: bestrahlte Brennelemente, also eigentlich nur Brennstabteile nach Schweden transportiert

Hendrik Kranert: haben und die dort auch künstlich altern, in einem Ofen backen sozusagen und

Hendrik Kranert: dann gucken, wie die sich verhalten.

Hendrik Kranert: Wie verändern die sich über die Jahrzehnte?

Hendrik Kranert: Die größte Belastung erleiden die Brennelemente eigentlich, wenn sie aus dem

Hendrik Kranert: Reaktor rauskommen, im Abklingenbecken sind und die ersten Jahre im Kastor stecken. Danach...

Hendrik Kranert: Dann klingen die ja peu a peu ab, was die Nachzerfallswärme angeht.

Hendrik Kranert: Das heißt, die werden immer kälter. Das heißt, auch die mechanische Beanspruchung lässt danach.

Hendrik Kranert: Am Anfang ist die Beanspruchung am größten. Es ist halt die Frage,

Hendrik Kranert: wie kann man das nicht invasiv nachweisen?

Hendrik Kranert: Also wie kann man auf 1500 Castor-Behälter sagen, wie sieht es in jedem Einzelnen

Hendrik Kranert: oder wie sieht es zumindest in bestimmten Kohorten aus?

Hendrik Kranert: In dem Zusammenhang gibt es dann immer die Frage in Deutschland,

Hendrik Kranert: warum macht ihr die nicht einfach auf?

Hendrik Kranert: Und das ist ein Riesenproblem, weil jeder geöffnete Castor produziert auch neuen

Hendrik Kranert: Müll. Also man muss ja damit umgehen.

Martin Puntigam: Das heißt, der Castor-Behälter, wenn er geleert ist, ist wieder neuer Atommüll?

Hendrik Kranert: Nein, man kann die dekontaminieren, man kann sie reinigen und man kann sie einschmelzen

Hendrik Kranert: für neue Castor-Behälter. Also sind natürlich aktiviert.

Martin Puntigam: Also wie Bettflaschen quasi.

Hendrik Kranert: Ja, besser wären auch Glasflaschen als Vergleich, aber das geht, das ist machbar.

Hendrik Kranert: Also sie sind nicht hoch radioaktiv, aber sie bekommen natürlich schon eine

Hendrik Kranert: eigene Dosisleistung dann aufgrund der

Hendrik Kranert: jahrelangen, jahrzehntelangen Neutronenstrahlung, die auf sie einwirkt.

Hendrik Kranert: Also wir müssen sicherstellen, dass wir das konfliktfrei transportieren und,

Hendrik Kranert: dass wir die Transportsicherheit weiterhin gewährleisten können und dass das

Hendrik Kranert: natürlich am Ende beim Umpacken,

Hendrik Kranert: in die Endlagerbehälter auch keine Probleme mit sich bringt.

Martin Puntigam: Wer stellt denn solche Endlagerbehälter her? Welche Betriebe machen denn sowas

Martin Puntigam: oder was hat man denn für eine Ausbildung, wenn man sowas entwickelt und herstellt?

Hendrik Kranert: Also es gibt momentan noch keinen Endlagerbehälter. Die Forschung läuft momentan

Hendrik Kranert: noch. Das ist auch davon abhängig, in welches Wirtsgestein wir in Deutschland

Hendrik Kranert: gehen. Ob das Granit, Ton oder Salz

Hendrik Kranert: sein wird. Danach werden sich auch die Endlagerbehälter unterscheiden.

Hendrik Kranert: Die Forschung läuft momentan. Wir haben in Deutschland eine große Firma,

Hendrik Kranert: die auch die Castor-Behälter herstellt. Das ist die Gesellschaft im Nuklearservice,

Hendrik Kranert: die seit Jahrzehnten Erfahrung im Bau dieser Castor-Behälter hat.

Hendrik Kranert: Es gibt vergleichbare Produkte in Frankreich von Orano, aber auch Skoda in Tschechien

Hendrik Kranert: hat schon solche Behälter hergestellt. Also das Prinzip ist im Prinzip immer das gleiche.

Hendrik Kranert: Man schottet mit einem gewaltigen Metallbehältnis die Umwelt vor Strahlung und Kontamination ab.

Hendrik Kranert: Im Detail unterscheiden die sich geringfügig, aber das Prinzip ist immer das

Hendrik Kranert: gleiche. Wärmeabfuhr unter Bindung von Kritikalität heißt verhindern,

Hendrik Kranert: dass es eine neue Kettenreaktion gibt.

Hendrik Kranert: Die Radioaktivität sicher im Behälter einschließen.

Martin Puntigam: Jetzt ist ja Kernenergie eine sogenannte grüne Energieform geworden durch die

Martin Puntigam: EU-Taxonomie, was ja absurd genug ist, aber offensichtlich dem Vernehmen nach

Martin Puntigam: Frankreich ist ja dahinter, weil,

Martin Puntigam: dort sehr viele Atomkraftwerke herumstehen und viel Atomstrom verbraucht bzw. verkauft wird.

Martin Puntigam: Es ist aber alles andere als eine grüne Energie, weil neben den naheliegenden

Martin Puntigam: Problemen, wie das Uran endlich ist und der Abbau von Uran nicht unbedingt, sagen wir mal,

Martin Puntigam: die Gegend, wo es passiert, zum Luftkorpsort stempelt, gibt es natürlich die

Martin Puntigam: Möglichkeit, wenn man friedliche Nutzung der Kernenergie hat,

Martin Puntigam: die unfriedliche Nutzung der Kernenergie, das heißt, man kann Atomwaffen herstellen

Martin Puntigam: oder Kernwaffen herstellen,

Martin Puntigam: aber es bleibt eben auch dieser ganze Atommüll, wie er genannt wird, folgstümlich über.

Martin Puntigam: Und von welcher Menge sprechen wir denn da, wenn ihr in Deutschland Endlager

Martin Puntigam: sucht? Was muss denn da entgelagert werden?

Hendrik Kranert: Es sind,

Hendrik Kranert: Round about 27.000 Tonnen, die wir entlagern müssen.

Martin Puntigam: Ganz schön.

Hendrik Kranert: Ich hatte gerade hier in Wien ein Gespräch, die Franzosen sind bei 80.000 Tonnen.

Hendrik Kranert: Also es ist schon eine ganze Menge.

Martin Puntigam: Weltweite Probleme überall, wo es Atomkraftwerke gibt, gibt es dieses Problem.

Hendrik Kranert: Natürlich. Es gab natürlich Staaten, also Frankreich vor allen Dingen,

Hendrik Kranert: die wieder aufarbeiten, um das Müllproblem zu verringern. Das ist auch eine

Hendrik Kranert: Debatte, die in Deutschland immer wieder geführt wird.

Hendrik Kranert: Man muss aber dazu wissen, man kann auch mit fortschrittlichen Reaktortypen diesen Atommüll,

Hendrik Kranert: wie formuliere ich es am besten, in einer gewissen Weise entschärfen,

Hendrik Kranert: also dass man die hochproblematischen Radionuklide darin spaltet oder umwandelt.

Hendrik Kranert: Deswegen spricht man auch von Transmutation.

Hendrik Kranert: Und dass man am Ende ein Produkt erhält oder einen Müll erhält,

Hendrik Kranert: der nur noch 500 Jahre strahlt.

Hendrik Kranert: Ich finde es immer ein bisschen müßig.

Hendrik Kranert: Klar, zwischen 500 Jahren und einer Million Jahre Langzeitsicherheit klafft

Hendrik Kranert: schon eine Riesenlücke.

Hendrik Kranert: Aber auch 500 Jahre heißen, du brauchst ein Endlager. Und was dabei immer vergessen

Hendrik Kranert: wird, du brauchst neue Reaktoren.

Hendrik Kranert: Und damit endet jede Debatte über das Aufarbeiten von Atommüll in Deutschland,

Hendrik Kranert: weil es momentan, glaube ich, nur eine geringe Bereitschaft in der Bevölkerung

Hendrik Kranert: gibt, sich neue Reaktoren vor die Haustür zu stellen.

Martin Puntigam: Ja, wenn man sich anschaut, was los ist, wenn nur ein Windkraftwerk aufgestellt werden soll irgendwo.

Martin Puntigam: Schon da fangen ja viele komplett an durchzudrehen, dann geschweige denn ein neues Atomkraftwerk.

Martin Puntigam: Und Endlager will ja offensichtlich auch niemand haben, oder?

Hendrik Kranert: Also nochmal ganz kurz zurück zum Thema Transmutation. Es gibt eine sehr gute

Hendrik Kranert: Studie von unserer Aufsichtsbehörde, dem BASE, die mal durchgerechnet haben, dass man...

Hendrik Kranert: Wohl um die 20 neue Reaktoren in Deutschland bräuchte, die 200 Jahre laufen,

Hendrik Kranert: um den angefallenen Atommüll erstmal zu verarbeiten. Also allein damit wird

Hendrik Kranert: schon deutlich, was das für ein Riesenaufwand und was das für ein Kostenfaktor dahinter ist.

Martin Puntigam: Wenn jemand sagt, Transmutation, das ist eine technische Lösung,

Martin Puntigam: die gibt es, das kann man machen, das kann man bauen, dann ist es in Wirklichkeit

Martin Puntigam: theoretisch möglich, aber praktisch ist es keine sinnvolle Lösung.

Hendrik Kranert: Ja, also in der Theorie und sicherlich auch im Modell funktioniert das.

Hendrik Kranert: Aber im Großtechnischen ist das halt ein Riesenaufwand, der Geld kostet.

Hendrik Kranert: Es gibt diese Firma Transmutex, die sagt, wir würden halt eine Finanzierung

Hendrik Kranert: hinbekommen, indem wir auch Radionuklide für die Pharmaindustrie produzieren.

Hendrik Kranert: Mag sein, aber ich halte das momentan für völlige Zukunftsmusik.

Hendrik Kranert: Also ich halte das für das Blaue vom Himmel.

Martin Puntigam: Aber euer Kanzler hat ja gesagt, man muss gar keine großen Atomkraftwerke bauen,

Martin Puntigam: man kann ja süße kleine Reaktoren auch bauen, die quasi dieselben Probleme bringen,

Martin Puntigam: die die großen Reaktoren bringen und seien sie noch technisch avancierter.

Martin Puntigam: Und außerdem dieses viele Geld, das Atomkraftwerke oder diese Transmutationsanlagen

Martin Puntigam: kosten, kann man ja in eine eierbare Energieanlage stecken und dann ist die

Martin Puntigam: Energie deutlich billiger, weil billig ist ja Atomstrom im Endeffekt überhaupt nicht, oder?

Hendrik Kranert: Also Kerntechnik funktioniert eigentlich nur über Subventionen.

Hendrik Kranert: Es hat schon immer so funktioniert. Also in Deutschland waren die Energieversorgungsunternehmen

Hendrik Kranert: gar nicht so begeistert, als damals Franz Josef Strauß gesagt hat,

Hendrik Kranert: ihr baut doch mal Atomkraftwerke, finden wir eine super Sache.

Hendrik Kranert: Also es gab dann schon eine sehr enge, ich sag mal schon fast inzestuöse Partnerschaft

Hendrik Kranert: zwischen Staat und Energieversorgungsunternehmen, um überhaupt Kernkraftwerke

Hendrik Kranert: zu bauen, Strom zu produzieren.

Hendrik Kranert: Wenn ein Kernkraftwerk läuft, ist das sicherlich eine feine Sache,

Hendrik Kranert: dann funktioniert das auch relativ günstig, aber...

Hendrik Kranert: Wenn man jetzt einen Preisvergleich anstellt, da gibt es seriöse Studien zu, kann man sagen,

Hendrik Kranert: also eine Megawattstunde Kernkraft kostet ungefähr das Fünf- bis Sechsfache

Hendrik Kranert: mindestens, was eine Megawattstunde an Wind- oder Solarstrom kostet.

Martin Puntigam: Also eigentlich sollte die Diskussion zu Ende sein?

Hendrik Kranert: Jein, also man kann natürlich sagen, es gibt Ausnahmen, also siehe der Bedarf

Hendrik Kranert: bei KI. Und wenn Google und Amazon sagen, das zahlen wir aus der Portokasse,

Hendrik Kranert: kann man das sicherlich machen.

Hendrik Kranert: Die verdienen genug Geld damit, aber ich sage mal, das ist keine Lösung für,

Hendrik Kranert: den deutschen oder den österreichischen Verbraucher. Also wir sehen das gerade

Hendrik Kranert: bei den Briten, Sysville Sea ist dreimal so teuer geworden oder wird dreimal so teuer wie geplant.

Martin Puntigam: Also es ist ein Atomkraftwerk?

Hendrik Kranert: In Großbritannien, die Chinesen als Finanzierer, das will schon was heißen,

Hendrik Kranert: sind ausgestiegen aus der Finanzierung.

Hendrik Kranert: Und damit das überhaupt weitergebaut werden kann, hat die britische Regierung mit,

Hendrik Kranert: dem französischen Staatskonzern EDF Verträge abgeschlossen, die dazu führen

Hendrik Kranert: werden, dass die Briten in den nächsten Jahrzehnten sehr, sehr,

Hendrik Kranert: sehr viel Geld für den Strom bezahlen werden, der aus Seychelles,

Hendrik Kranert: und aus anderen Atomkraftwerken kommt. Das ist einfach so.

Martin Puntigam: Ja, aber die haben ja so viel Einnahmen und so viel weniger Ausgaben durch den

Martin Puntigam: Brexit, die können sich das leisten.

Hendrik Kranert: Möchtest du das nicht kommentieren? Ja, also ich glaube, das ist eine Milchmädchenrechnung,

Hendrik Kranert: auch wenn die immer wieder aufgemacht wird.

Hendrik Kranert: Und ich sage mal, die meisten Atomkraftwerke, die neu gebaut werden,

Hendrik Kranert: entstehen in so lupenreihen Demokratien wie China, Saudi-Arabien oder der Türkei mit russischer Hilfe.

Hendrik Kranert: Dieser Pseudoaufschwung, der da immer postuliert wird, ist tatsächlich keiner,

Hendrik Kranert: weil viel mehr Atomkraftwerke vom Netz gehen, als ans Netz drangehen.

Hendrik Kranert: Auch da ganz aktuell eine Studie von einer Doktorandin aus Berlin,

Hendrik Kranert: von der TU und die beim Base gearbeitet hat dafür, dass im Prinzip die tatsächliche

Hendrik Kranert: bereitgestellte Energie aus Kernkraftwerken weltweit weiter sinkt.

Hendrik Kranert: Und dass der Ausstieg im Prinzip auch in den USA schon in den 70er Jahren begonnen

Hendrik Kranert: hat. Also einfach, weil man keine neuen Kraftwerke gebaut hat.

Hendrik Kranert: Es ist seitdem ein neues Kraftwerk in den USA ins Netz gegangen,

Hendrik Kranert: also ein neues Atomkraftwerk.

Hendrik Kranert: Ja, China macht da sehr viel. Sie sind da wissenschaftlich, glaube ich, auch sehr weit.

Hendrik Kranert: Aber insgesamt von der Renaissance der Kerntechnik zu sprechen,

Hendrik Kranert: also über die Brücke würde ich noch nicht gehen. Also das muss man abwarten,

Hendrik Kranert: was sich in den nächsten Jahren da tut.

Hendrik Kranert: Das sind aber auch einmal geopolitische Machtfragen, die darüber entschieden werden.

Hendrik Kranert: Also wenn sich die Türkei als NATO-Mitglied an Rossatomen bindet,

Hendrik Kranert: dann muss man das schon auch auf andere Sicht hinterfragen.

Hendrik Kranert: Und wenn die Chinesen versuchen, in Afrika und auch die Russen Kraftwerksprojekte

Hendrik Kranert: zu realisieren, dann hat das auch nicht mehr was damit zu tun,

Hendrik Kranert: weil das gute Menschen sind und die den Strom dort billig verkaufen wollen,

Hendrik Kranert: sondern weil sie halt den Fuß in die Tür bekommen wollen politisch.

Hendrik Kranert: Das muss man ganz klar sagen.

Martin Puntigam: Und dann fällt natürlich auch dort der Atommüll an, zu dem wir gleich kommen,

Martin Puntigam: beziehungsweise der Endlagerfrage, aber davor noch, wenn ein Atomkraftwerk vom

Martin Puntigam: Netz geht, dann gibt es noch immer Atomkraftwerk.

Martin Puntigam: Das muss ja rückgebaut werden, das ist ja auch eine gewaltige Unternehmung.

Hendrik Kranert: Das ist so. Die Rückbauzeiten werden prognostiziert mit mindestens zehn Jahren.

Hendrik Kranert: Das kann auch länger dauern. Es gibt Beispiele für Kernkraftwerke.

Hendrik Kranert: Wir haben diesen Hochtemperaturreaktor, haben Öntrop in Deutschland,

Hendrik Kranert: der aufgrund seiner Beschaffenheit in den sogenannten sicheren Einschluss,

Hendrik Kranert: gebracht wurde, weil ein Rückbau aufgrund der hohen Strahlenbelastung im Inneren

Hendrik Kranert: des Werktors noch gar nicht möglich ist. Man muss also warten,

Hendrik Kranert: bis das abgeklungen ist.

Martin Puntigam: Wie lange kann das dauern? Jahrzehnte wahrscheinlich?

Hendrik Kranert: Das wird Jahrzehnte dauern, ja. Also da bin ich jetzt überfragt,

Hendrik Kranert: wie lange das genau dauert.

Hendrik Kranert: Das Problem dabei ist, dass die Betreibergesellschaft im vergangenen Jahr in

Hendrik Kranert: Konkurs gegangen ist und dass das Geld jetzt beim Steuerzahler sozusagen,

Hendrik Kranert: was da reingesteckt werden muss, angekommen ist.

Hendrik Kranert: Da sieht man halt, dass das auch eine, ja, also...

Hendrik Kranert: Eine Technologie ist, die auf Langfristigkeit angelegt sein muss und politische

Hendrik Kranert: Stabilität und natürlich auch auf eine Frage, was passiert eigentlich,

Hendrik Kranert: wenn so ein Unternehmen in die Pleite schlittert.

Martin Puntigam: Das heißt, wenn das Jahrzehnte braucht, bis das so weit abgeklungen ist,

Martin Puntigam: dass man weiter abbauen kann, dann sind ja all diese Menschen,

Martin Puntigam: die jetzt angefangen haben, das Atomkraftwerk rückzubauen, entweder in Pension

Martin Puntigam: oder Leben, gar nicht mehr.

Martin Puntigam: Da muss man die ganze Zeit neues Personal nachschulen, damit dann überhaupt

Martin Puntigam: noch Menschen da sind, die das können.

Hendrik Kranert: Das ist ein Riesenproblem. Know-how-Erhalt ist, was sowohl die Branche,

Hendrik Kranert: also die Kerntech-Branche beschäftigt, aber uns auch.

Hendrik Kranert: Also sowohl die Zwischenlager, also uns als Zwischenlagerbetreiber,

Hendrik Kranert: aber auch, es gibt noch einen weiteren Zwischenlagerbetreiber,

Hendrik Kranert: der für die ehemaligen Kraftwerke in Ostdeutschland zuständig ist, die EWN.

Hendrik Kranert: Die natürlich sehen müssen, dass sie über die Jahre und Jahrzehnte,

Hendrik Kranert: wo wir rückbauen und wo wir zwischenlagern,

Hendrik Kranert: sowohl das Know-how beim Bedienpersonal erhalten, aber auch bei den Aufsichtsbehörden.

Hendrik Kranert: Und du findest keinen Ingenieur beim TÜV, der über Jahrzehnte sagt,

Hendrik Kranert: ja, ich bilde mich da ständig weiter fort, wenn ich aber kein Geld damit verdienen kann.

Hendrik Kranert: Und wir versuchen das aufzufangen. Wir gehen an die Universitäten und an die

Hendrik Kranert: Hochschulen und haben auch Kooperationen abgeschlossen, dass wir sagen,

Hendrik Kranert: also auch wenn wir aus der Kernkraft ausgestiegen sind in Deutschland,

Hendrik Kranert: Das Thema verlässt uns nicht. Ich sage mal jetzt für die nächsten 100 Jahre,

Hendrik Kranert: ihr könnt da weiter gutes Geld verdienen.

Hendrik Kranert: So bitter, wie das auch insgesamt ist. Aber wir brauchen die Leute.

Hendrik Kranert: Und das ist halt für viele ist Atomkraft Geschichte und damit auch der Müll.

Hendrik Kranert: Aus dem Sinn, aus den Augen.

Hendrik Kranert: Ist er aber nicht. Er ist halt immer noch da. Also ich erlebe das auch mal in

Hendrik Kranert: Veranstaltungen, dass ich gefragt werde, ja, wieso ist denn da noch Atommüll da?

Hendrik Kranert: Wir sind doch ausgestiegen. Also diese Ewigkeitslast, die uns da,

Hendrik Kranert: wie wir Bergleute sagen, anhängt, die bleibt halt da und wir brauchen Leute, die das weiter können.

Hendrik Kranert: Und deswegen, wir hatten ja vorhin über das Thema Zwischenlagerung gesprochen,

Hendrik Kranert: die Genehmigungen laufen peu à peu aus für Gorleben 2034.

Hendrik Kranert: Wir haben jetzt in diesem Sommer den Antrag,

Hendrik Kranert: auf die Verlängerung der Genehmigung gestellt, aber nur für 20 Jahre,

Hendrik Kranert: genau mit der Begründung, dass wir sagen, wir halten sozusagen das Personal,

Hendrik Kranert: wir bilden immer Neues aus und wir gucken nach Wissenschaft und Technik,

Hendrik Kranert: dass wir sozusagen so eine Art,

Hendrik Kranert: rollierendes Prinzip auch mit der Aufsichtsbehörde haben, die das ja genehmigen muss,

Hendrik Kranert: und deswegen haben wir ja gesagt, ein Genehmigungszeitraum, der deutlich,

Hendrik Kranert: über mehrere Jahrzehnte geht, ist keine Lösung, weil dann fehlt uns einfach,

Hendrik Kranert: das Personal, weil es halt in Pension ist oder im Zweifel endgelagert.

Hendrik Kranert: Entschuldigung, wenn ich das jetzt so böse sage, aber ...

Martin Puntigam: Jetzt sind wir endlich bei der Endlagerung gelandet und jetzt kennen ja ich

Martin Puntigam: Leute, ich arbeite viel mit Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen zusammen

Martin Puntigam: und die allermeisten sind Kernenergie, also jetzt

Martin Puntigam: friedliche und unfriedliche Nutzung abgeneigt, aus genau den Gründen,

Martin Puntigam: die wir jetzt fast eine Stunde schon besprochen haben.

Martin Puntigam: Aber es gibt da Menschen, die sagen, Atommüll ist nicht so ein großes Problem,

Martin Puntigam: den kramen wir einfach ein. Und dann kommt immer das leuchtende Beispiel Finnland,

Martin Puntigam: wo da Superstollen gebaut worden ist und wo das alles eingegraben wird.

Martin Puntigam: Und dann heißt es, dieses Gestein gibt es schon seit einer Milliarde Jahre und

Martin Puntigam: das wird auch noch so lange bleiben und das ist alles überhaupt kein Problem.

Martin Puntigam: Ihr habt aber noch einiges vor euch, bis ihr überhaupt Standorte für die Endlager

Martin Puntigam: findet. Was ist denn da so kompliziert und wie lange wird denn das ungefähr

Martin Puntigam: dauern, wenn es sehr kurz dauert?

Hendrik Kranert: Die letzte Frage würde ich gerne streichen, aber wir kommen noch drauf.

Hendrik Kranert: Also mit dem politischen Beschluss, und das war eine breite Willensbildung im Bundestag damals,

Hendrik Kranert: zu sagen, wir fangen nochmal von vorn an und setzen das Verfahren ganz neu auf.

Hendrik Kranert: Also ich hatte es ja angerissen, in den 70er Jahren ist die Entscheidung für

Hendrik Kranert: Gorleben per Ordre de Mufti gefallen.

Hendrik Kranert: Also ein Politiker hat gesagt, oder es hat sicherlich mehrere,

Hendrik Kranert: aber wir machen es halt da, weil es prima ist, da wohnt keiner.

Hendrik Kranert: Wendland, ja, also Hamburg ist noch ein Stück weg und nach Osten,

Hendrik Kranert: da steht ja schon ein Endlager in Moorsleben.

Hendrik Kranert: Dann können wir den auf der anderen Seite auch noch einfach auf die Tür setzen.

Hendrik Kranert: Das hat halt nicht funktioniert.

Hendrik Kranert: Und dann hat man gesagt, wir ziehen die Lehre daraus, wir entwickeln ein komplett

Hendrik Kranert: neues Verfahren, was sich auf die Fahnen

Hendrik Kranert: geschrieben hat, das ist komplett wissenschaftsbasiert, selbstlernt,

Hendrik Kranert: transparent und das führt natürlich dazu, dass es auch eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt.

Hendrik Kranert: Und ich finde, Sicherheit sollte

Hendrik Kranert: uns das auch wert sein, dass wir uns die Zeit nehmen, die es braucht.

Hendrik Kranert: Wir haben ja in Deutschland, Problem wäre das falsche Wort, wir haben eine Situation,

Hendrik Kranert: um die uns andere Staaten beneiden, denn wir haben drei Gebirgsarten,

Hendrik Kranert: also Gesteinsarten, die endlagertauglich sind. Das ist wie bei den Finnen der Granit.

Hendrik Kranert: Das ist Steinsalz und das ist der Ton. Die Schweizer gehen nur in den Ton,

Hendrik Kranert: die Franzosen momentan auch und die Finnen haben nur Granit,

Hendrik Kranert: deswegen konnten sie nur Granit nehmen, die Schweden auch.

Hendrik Kranert: Wir haben also alle drei Gesteinsarten und wir haben auch gesagt,

Hendrik Kranert: wir werden alle drei untersuchen und wir suchen, und das ist sicherlich eine

Hendrik Kranert: Besonderheit in Deutschland, wir suchen den bestmöglichen Standort.

Hendrik Kranert: Das ist schon fast eine philosophische Frage, was ist denn der bestmögliche Standort?

Martin Puntigam: Und für wen?

Hendrik Kranert: Ja, für uns nicht mehr, weil es halt länger dauert.

Hendrik Kranert: Aber wir werden, also das Verfahren ist so, dass 2020 die Bundesgesellschaft

Hendrik Kranert: für Endlagerung eine Deutschlandkarte vorgestellt hat, wonach mehr als die Hälfte der Bundesrepublik,

Hendrik Kranert: im Prinzip für ein Endlager in Frage kämen, geologisch gesehen.

Hendrik Kranert: Nur geologisch betrachtet.

Hendrik Kranert: Und seither läuft ein Auswahlverfahren nach Aktenlage. Das heißt,

Hendrik Kranert: man guckt sich an, welche Daten haben wir aus der Seismik, aus der Geologie, aus Bohrung etc.

Hendrik Kranert: Und wie ist das Gestein zerklüftet und dann kann man, dann gibt es ein, ja.

Hendrik Kranert: Quasi ein Raster. Erst kommt das grobe Feld, was alles durchfällt.

Hendrik Kranert: Das geht dann immer weiter, bis es ganz fein ist. Das heißt,

Hendrik Kranert: wir sind jetzt so weit, dass die Kategorien C und D alle bekannt sind.

Hendrik Kranert: Das sind die, also D ist überhaupt nicht geeignet, C ganz, ganz wenig, eigentlich nicht.

Hendrik Kranert: Also die BGE ist jetzt dabei, Kategorien A und B auszuweisen.

Hendrik Kranert: Und Ende 2027, also in einem guten Jahr, werden wir in Deutschland wissen,

Hendrik Kranert: welche Standortregionen in Frage kommen.

Hendrik Kranert: Also wir werden dann wissen, in welchen Gesteinsformationen wir so gut unterwegs

Hendrik Kranert: sind, dass es sich lohnt, dort vertiefend in die Erkundung zu gehen.

Hendrik Kranert: Die Entscheidung darüber muss dann der Bundestag fällen, also wo dann die weitere

Hendrik Kranert: Erkundung stattfinden soll.

Hendrik Kranert: Wir hoffen, dass es möglichst wenig Standortregionen sind, damit es möglichst zügig gehen kann.

Hendrik Kranert: Im Maximalfall war die Rede von zehn Regionen.

Hendrik Kranert: Hinzu kommt aber, dass es gar nicht das technische Equipment gibt,

Hendrik Kranert: zehn Regionen parallel zu erkunden.

Hendrik Kranert: Das Know-how, also beziehungsweise das Know-how schon, aber du hast halt nicht

Hendrik Kranert: genügend Firmen, die sowas machen können. Also der Markt ist dann quasi leer

Hendrik Kranert: gekauft und deswegen wird das auch daher schon dauern und das Ziel ist, dass man...

Hendrik Kranert: Im Jahr 2050 den endgültigen Standort hat. Wir haben aber auch Gutachten in

Hendrik Kranert: Deutschland, die sagen 2074, weil das Verfahren so komplex ist.

Hendrik Kranert: Ich will nicht sagen kompliziert, es ist sehr komplex.

Hendrik Kranert: Es gibt ein per Gesetz vorgeschriebenes nationales Begleitgremium,

Hendrik Kranert: wo 18 Bürgerinnen und Bürger einmal aus dem Zufallsprinzip reingewählt worden

Hendrik Kranert: sind und einmal einer Katte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens,

Hendrik Kranert: die diese Endlagersuche extern begleiten.

Hendrik Kranert: Also dieses Gremium hat auch die Möglichkeit, Akteneinsicht zu nehmen beim BASE

Hendrik Kranert: und bei der BGE und verfolgt quasi als externe Aufsicht im Interesse der Bevölkerung

Hendrik Kranert: diese Endlagersuche mit.

Hendrik Kranert: Und das ist halt sozusagen der Paradigmenwechsel in der Endlagersuche in Deutschland.

Hendrik Kranert: Und das ist halt das, was auch Zeit braucht. Das muss man ganz klar sagen.

Hendrik Kranert: Das führt aber auch dazu, dass wir aufgrund dieses Problems oder dieses Umstandes,

Hendrik Kranert: dass wir vermutlich erst 2050 wissen, wo das Endlager gebaut werden kann.

Hendrik Kranert: Und es dauert ja dann nochmal wahrscheinlich 20 Jahre, bis es dann einlagerungsfähig ist.

Hendrik Kranert: Und dann nochmal 30 Jahre, bis wir alles eingelagert haben.

Hendrik Kranert: Also wir werden es alle nicht mehr erleben. Zumindest wir beide nicht.

Martin Puntigam: Also 1974 müssen wir dann schon als sehr gesegnetes Alter erreden,

Martin Puntigam: wenn wir das überhaupt noch erleben wollen.

Hendrik Kranert: Müssen wir uns Mühe geben. Dann dürfen wir ja nicht mehr so zu Kuchen essen.

Hendrik Kranert: Und es gibt momentan Bestrebungen, dieses Standortauswahlgesetz zu novellieren,

Hendrik Kranert: um eine Beschleunigung reinzubekommen.

Hendrik Kranert: Das sind viele kleine Stellschrauben, an denen da gedreht wird.

Hendrik Kranert: Eine davon ist, dass man zwei Phasen dieser Endlagersuche zusammenlegt.

Hendrik Kranert: Also es war bislang immer so, dass man davon ausging, dass man in der dritten

Hendrik Kranert: Phase Erkundungsbergwerke auffährt, so wie das in Gorleben mal passiert ist.

Hendrik Kranert: Und momentan ist es aber so, was heißt momentan, aber die Wissenschaft ist inzwischen

Hendrik Kranert: so weit, dass man sagt, das brauchen wir eigentlich nicht mehr.

Hendrik Kranert: Die Schweizer sind da und die Finnen auch so Vorreiter, dass sie gesagt haben,

Hendrik Kranert: wir haben mit seismischer Erkundung, mit allen möglichen anderen geologischen

Hendrik Kranert: Verfahren und Geoelektrik und was weiß ich, was es da alles gibt,

Hendrik Kranert: die Möglichkeit und natürlich Bohrverfahren, das Ganze so weit zu erkunden,

Hendrik Kranert: dass wir sicher sagen können, so sieht es aus.

Hendrik Kranert: Wir können da reingehen, wir können da das Endlager reinbauen.

Hendrik Kranert: Und man kann das natürlich auch so groß projektieren, dass man,

Hendrik Kranert: wenn man doch, ich sag mal, unter Tage auf eine Überraschung stößt,

Hendrik Kranert: der Bergmann sagt ja immer, vor der Hacke ist duster, dass man sagt,

Hendrik Kranert: dann haben wir trotzdem noch genug Platz, um drumherum zu bauen.

Hendrik Kranert: Also das Problem kann man ganz gut lösen, sodass man die Frage nach einem Erkundungsbergwerk

Hendrik Kranert: oder zwei Erkundungsbergwerken,

Hendrik Kranert: jetzt sozusagen noch als Kannoption ins Gesetz schreiben will,

Hendrik Kranert: was aber dazu führt, dass NGOs, Bürgerinitiativen, Betroffene sagen,

Hendrik Kranert: ja, dann fällt uns aber eine Ebene der Beteiligung weg.

Hendrik Kranert: Da muss man dann schon abschichten und sagen, ja, wollt ihr jetzt Beteiligung

Hendrik Kranert: des Beteiligungswillens oder reicht nicht die eine Beteiligungsphase aus,

Hendrik Kranert: die es ja schon gibt, wenn es nachher um die Standortregionen geht.

Hendrik Kranert: Es gibt auch da dann, also wenn 2027, Ende 2027 die Standortregionen feststehen,

Hendrik Kranert: wird es dort regionale Gremien geben, die sich halt mit der Frage vor Ort auseinandersetzen,

Hendrik Kranert: welche kommunikativen Maßnahmen sind notwendig, wie binden wir die Bevölkerung

Hendrik Kranert: ein, was macht man dann alles vor Ort.

Hendrik Kranert: Und in diesen Regionalkonferenzen, die werden unmittelbar danach eingerichtet

Hendrik Kranert: und sollen auch selbstständig arbeiten und sozusagen vor Ort das weitere Auswahlprozedere überprüfen.

Hendrik Kranert: Wie gesagt, es heißt nicht, wenn jetzt jemand Standortregion ist,

Hendrik Kranert: dass er dann auch das Endlager vor die Tür bekommt. Also das ist dann noch lange

Hendrik Kranert: nicht entschieden, das muss man dazu sagen.

Martin Puntigam: Wie schaut denn das geografisch oder topografisch tatsächlich aus?

Martin Puntigam: Also es gibt immer diese Diskussion, Enteignung ist sehr unbeliebt,

Martin Puntigam: wenn es um Vermögensteuer geht,

Martin Puntigam: aber sehr beliebt, wenn zum Beispiel Kohleabbau begonnen werden soll.

Martin Puntigam: Müssen da Gemeinden abgesiedelt werden, wenn irgendwo ein Entlager ist?

Hendrik Kranert: Nein, also wir haben ja jetzt nur über die geologische Frage gesprochen und

Hendrik Kranert: die Frage der sozioökonomischen Aspekte, die da kommen, die werden erst danach diskutiert.

Hendrik Kranert: Also ich sage mal so, wenn man zwei vergleichbare Standorte hat,

Hendrik Kranert: der eine befindet sich unter Berlin und der andere in der Uckermark in Deutschland,

Hendrik Kranert: also im Vergleich wäre das Burgenland, glaube ich, in Österreich ist man sehr

Hendrik Kranert: beliebt bei solchen Sachen, dann wird man sich natürlich nicht für Berlin entscheiden,

Hendrik Kranert: sondern für das dünn besiedelte.

Hendrik Kranert: Aber weil man mal sagen muss, das ist kein Vergleich, so ein Endlagerbauwerk,

Hendrik Kranert: zu einer Braunkohlegrube.

Hendrik Kranert: Der Platzbedarf ist viel, viel geringer und man kann dann natürlich auch,

Hendrik Kranert: die Finnen machen es halt über eine Rampe, wo man über eine Rampe reinfährt,

Hendrik Kranert: die Franzosen glaube ich auch, bin ich mir jetzt nicht sicher.

Hendrik Kranert: Das ist alles machbar. Bei den Schweizer habe ich das gesehen,

Hendrik Kranert: die planen bereits eine Verpackungsanlage für ihren Atommüll am Standort ihres

Hendrik Kranert: zentralen Zwischenlagers.

Hendrik Kranert: Das ist alles eine überschaubare Dimension. Das ist also nicht,

Hendrik Kranert: dass man sagt, dass man einen unendlichen Flächenverbrauch dann hat.

Martin Puntigam: Aber unterirdisch schon. Wie weit muss man denn da runtergehen?

Hendrik Kranert: Geplant sind Tiefen zwischen 500 und 800 Meter.

Hendrik Kranert: Das ist so, was bergmännisch gut zu erschließen ist, wo man dann auch das Problem

Hendrik Kranert: der Temperatur nicht so hat. Man darf nicht vergessen, der Atome ist immer noch

Hendrik Kranert: zumindest warm. Also jetzt ist das noch. Ob das in 100 Jahren noch ist,

Hendrik Kranert: das ist noch eine andere Frage.

Hendrik Kranert: Aber das ist natürlich schon eine gewisse Begrenzung des Ganzen und dass man

Hendrik Kranert: sagt, also das ist so das Ideal, also in der Ebene und man braucht natürlich,

Hendrik Kranert: ein Gebirge, was darüber und darunter entsprechend mächtig ist, also besonders dick,

Hendrik Kranert: also mehrere hundert Meter Mächtigkeit von den Gesteinsformationen sind natürlich sehr wünschenswert.

Martin Puntigam: Dann ist es eine jahrzehntelange Baustelle, wo sehr viel Beton wahrscheinlich

Martin Puntigam: verbaut werden wird, Stahl verbaut werden wird. Dann ist es irgendwann einmal fertig.

Martin Puntigam: Davor muss man aber der Gegend, wo

Martin Puntigam: es hinkommt und den Menschen dort schon kommunizieren, dass es hinkommt.

Martin Puntigam: Und wir haben es schon kurz erwähnt, es gibt es auch in Österreich schon in

Martin Puntigam: manchen Gegenden, wenn nur ein Windrad aufgestellt wird, ist bei manchen schon

Martin Puntigam: der Teufel los, dann hängen sie meistens die Rechtsradikalen noch dran und davon

Martin Puntigam: gibt es ja leider immer mehr und dann wird es immer schwieriger.

Martin Puntigam: Jetzt kommst du aus dem Journalismus, was gibt es denn da für Pläne oder Ideen,

Martin Puntigam: wie man mit Menschen kommuniziert, denen in 50 Jahren ein Endlager hingebaut

Martin Puntigam: werden wird oder hingebaut worden sein wird?

Hendrik Kranert: Ja, auch ein großes Problem. Diese Not-in-my-Backyard-Geschichte ist natürlich

Hendrik Kranert: eine, die wir auch in Deutschland zur Genüge kennen.

Hendrik Kranert: Es gibt aber auch andere Beispiele und ich erinnere mich an,

Hendrik Kranert: eine meiner ersten Veranstaltungen mit der BGZ, da ging es um das Thema Rückführung

Hendrik Kranert: von Atommüll aus Großbritannien in Brockdorf und die damalige ehrenamtliche

Hendrik Kranert: Bürgermeisterin hat für mich einen Satz gesagt,

Hendrik Kranert: der mir heute noch eigentlich die Gänsehaut hochtreibt.

Hendrik Kranert: Die hat gesagt, ich bin persönlich dagegen, dass wir das jetzt hier bei uns

Hendrik Kranert: in Zwischenlage stellen, was da kommt. Aber gesellschaftlich weiß ich,

Hendrik Kranert: dass es eine Aufgabe ist, die wir alle gemeinsam stemmen müssen.

Hendrik Kranert: Und das ist, glaube ich, eine Erkenntnis, die wir auch in Deutschland brauchen.

Hendrik Kranert: Dass wir sagen, wir machen hier etwas für uns alle, für unsere Kinder,

Hendrik Kranert: für Kindeskinder, für die zukünftigen Generationen.

Hendrik Kranert: Wir sorgen dafür, dass dieser Atommüll, der in ein paar Jahrzehnten angefallen

Hendrik Kranert: ist, aber uns über Äonen noch beschäftigen wird, dass wir den von der Erdoberfläche runterbringen.

Hendrik Kranert: Und das ist der einzig gangbare Weg. Es gibt keine andere Möglichkeit als ein

Hendrik Kranert: tiefengeologisches Endlager, dass wir den für die künftigen Generationen quasi

Hendrik Kranert: sicher einschließen und dass er uns nicht mehr beschäftigen muss.

Hendrik Kranert: Das ist eine wahnsinnig schwierige kommunikative Aufgabe, aber sie ist nicht

Hendrik Kranert: unlösbar. Und zwei Beispiele, die mich da hoffnungsfroh stimmen,

Hendrik Kranert: sind natürlich Finnland.

Hendrik Kranert: Also die Finnen sind da ganz anders gegangen. Die haben halt gesagt,

Hendrik Kranert: wir haben so und so diese Standorte, die sind geeignet.

Hendrik Kranert: Und die Kommune, die sich dafür entscheidet, dass sie das gerne hätte,

Hendrik Kranert: die bekommt dafür eine Entschädigung, wie auch immer. Also das ist nicht nur

Hendrik Kranert: finanziell geregelt, sondern das geht weit darüber hinaus.

Hendrik Kranert: Und es gibt ein sehr schönes Bild, wo der Chef des Endlagerbetreibers Posiwa

Hendrik Kranert: mit den beiden Bürgermeistern, die am Ende im Rennen waren, zu sehen ist.

Hendrik Kranert: Auf der linken Seite steht ein lächelnder Bürgermeister und auf der anderen

Hendrik Kranert: Seite steht einer mit so einer saurtöpfischen Miene.

Hendrik Kranert: Und in Finnland war es so, dass der, der lächelt, ist der, der das Endlager bekommen hat.

Hendrik Kranert: Und der, der nicht lächelt oder der eher zerknirsch guckt, der hat es nicht

Hendrik Kranert: bekommen. In Deutschland wäre das Bild wahrscheinlich genau andersrum.

Hendrik Kranert: Da müssen wir hin. Also wir müssen dahin, wo die finden sind.

Hendrik Kranert: Und die Kanadier sind auch auf dem Weg, das zu schaffen.

Hendrik Kranert: Also da gibt es auch etliche Bewerbungen von Kommunen, die sagen,

Hendrik Kranert: wir sehen eigentlich das als Perspektive an, weil es Arbeitsplätze schafft,

Hendrik Kranert: weil es gerade in entlegenen Regionen auch zu einem wirtschaftlichen Aufschwung führen kann.

Hendrik Kranert: Und wir haben eigentlich festgestellt bei Studien, die wir in Auftrag gegeben

Hendrik Kranert: haben, was die Zwischenlager betrifft, und das haben die Schweizer auch festgestellt,

Hendrik Kranert: dass es sich weder negativ auf Immobilienpreise auswirkt, noch auf den Tourismus in der Region.

Hendrik Kranert: Also es ist nicht so, dass dann die Leute alle mit Abscheu und Entsetzen sich

Hendrik Kranert: dann abwenden. Das haben sie auch nicht getan, als die Kernkraftwerke entstanden sind.

Hendrik Kranert: Also ich glaube, die Sorge muss man nicht haben. Aber es ist natürlich so,

Hendrik Kranert: auf die betroffene Kommune kommen extreme Belastungen dann auch zu.

Hendrik Kranert: Es wird über Jahrzehnte halt Lkw-Verkehr geben. Es wird vor Ort eine Umladestation

Hendrik Kranert: geben, wo man mit offener Radioaktivität umgeht.

Hendrik Kranert: Es wird Baulärm geben. Und das sind alles Dinge, die man natürlich im Blick

Hendrik Kranert: haben muss, die man den Leuten vernünftig und transparent erklären muss.

Hendrik Kranert: Und für die ist, glaube ich, wo die Gesellschaft auch verpflichtet ist,

Hendrik Kranert: dass man dafür diesen Aufwand auch honoriert, wie auch immer.

Hendrik Kranert: Also die Diskussion wird man führen, müssen und die wird man sicherlich auch führen.

Hendrik Kranert: Wir sind aber, glaube ich, mit diesem Endlagersuchgesetz, mit dem Standortauswahlgesetz

Hendrik Kranert: auf einem sehr guten Weg, weil wir halt diese Beteiligungsformate,

Hendrik Kranert: also dass dieses ganze Gesetz schon,

Hendrik Kranert: quasi mit einer Art Beteiligung flankiert ist und auch die Ausführung,

Hendrik Kranert: sind wir auf einem ganz guten Weg.

Hendrik Kranert: Aber momentan ist natürlich nicht erkennbar, dass da die Begeisterung groß ist.

Hendrik Kranert: Das muss man auch ganz klar sagen. Das erleben wir halt auch.

Martin Puntigam: Aber nur, wenn man das vernünftig kommuniziert, als Analogie,

Martin Puntigam: es besteht überhaupt nicht der geringste Zweifel daran, dass Impfungen zu den

Martin Puntigam: größten Errungenschaften der Menschheit gehören und Abermillionen Menschen deshalb

Martin Puntigam: am Leben sind, weil es Impfungen gibt.

Martin Puntigam: Das hält aber die Menschen, denen es schon vor und teilweise während der Pandemie

Martin Puntigam: den Vogel diesbezüglich herausgeschossen hat, überhaupt nicht davon ab, das abzulehnen.

Hendrik Kranert: Ja, das ist immer so ein Problem, dass die, die am lautesten schreien,

Hendrik Kranert: auch am ehesten gehört werden.

Hendrik Kranert: Und ich will mal so eine Analogie, du hast es ja mit der Medizin angesprochen,

Hendrik Kranert: bei der Triage mal anführen, wenn du einen schweren Verkehrsunfall hast und

Hendrik Kranert: du musst halt gucken, welche Leute du zuerst versorgst, dann versorgst du nicht

Hendrik Kranert: die zuerst, die am lautesten schreien, sondern die, die nichts mehr sagen,

Hendrik Kranert: weil das sind die, die am schwersten verletzt sind.

Hendrik Kranert: Und ich glaube, man muss sich da auch mal darüber im Klaren sein,

Hendrik Kranert: wenn wir eine gesamtgesellschaftliche Lösung herbeiführen wollen,

Hendrik Kranert: dann müssen wir Überzeugungsarbeit leisten.

Hendrik Kranert: Das werden wir nicht bei allen schaffen. Aber da muss man auch mal sagen,

Hendrik Kranert: das ist halt Demokratie, die auch hinnehmen müssen, dass es eine Entscheidung getroffen wird.

Hendrik Kranert: Und in der Schweiz, finde ich, ist das auch sehr gut gelungen.

Hendrik Kranert: Also die NAGRA hat da eine hervorragende Aufklärungsarbeit geleistet,

Hendrik Kranert: mit allem Auf und Ab in der Debatte.

Hendrik Kranert: Und die geht auch weiter. Ich habe jetzt gerade gelesen, da geht es auch um

Hendrik Kranert: die sogenannten Abfindungen in der Schweiz, in nördlichen Lägern dort.

Hendrik Kranert: Aber das sind jetzt lösbare Probleme. Aber so insgesamt ist,

Hendrik Kranert: glaube ich, in der Schweiz das Bewusstsein

Hendrik Kranert: da, wir lösen da ein gesamtgesellschaftliches Problem gemeinsam.

Hendrik Kranert: Das wünschte ich mir natürlich auch für Deutschland, dass das dahin kommt.

Hendrik Kranert: Also was kein Weg sein kann, ist das, was, glaube ich, anfangs auch in Buur,

Hendrik Kranert: in Frankreich passiert ist, dass man halt da, es gibt eine sehr schöne Art der Dokumentation dazu,

Hendrik Kranert: dass man halt da die einen weggesiedelt hat, die dagegen waren oder die Bauern

Hendrik Kranert: da halt mit Auflagen belegt, dass sie ihre Kühen nicht wirklich gut versorgen können.

Hendrik Kranert: Das führt natürlich erst recht zu Unverständnis.

Hendrik Kranert: Das kann nicht funktionieren. Also das Beispiel auch in Deutschland in Gorleben

Hendrik Kranert: hat gezeigt, es geht nichts mit Druck und nichts von oben, sondern es muss was

Hendrik Kranert: in der Gesellschaft passieren.

Hendrik Kranert: Und Politik kann da Flanken setzen, kann da helfen, aber am Ende muss es eine

Hendrik Kranert: Entscheidung sein, die auf einer breiten Basis steht. Und da ist das Verfahren,

Hendrik Kranert: glaube ich, gut angelegt, weil man sagt, wir lassen die Wissenschaft sprechen

Hendrik Kranert: und wir lassen nicht die Politik sprechen.

Martin Puntigam: Jetzt ist es ein Riesenproblem und,

Martin Puntigam: den Atombüll zu vergraben ist die beste von allen Lösungen, aber eigentlich

Martin Puntigam: ist es keine Lösung, sondern es ist nur die beste Möglichkeit,

Martin Puntigam: die wir haben, weil es ja um viele Jahrhunderte oder teilweise Jahrtausende oder,

Martin Puntigam: Jahrhunderttausende geht, die der Atombüll noch gefährlich ist und strahlen kann.

Martin Puntigam: Jetzt weiß man aus der Vergangenheit, Schriftzeichen und Mitteilungen aus der

Martin Puntigam: Antike von vor 4.000, 5.000 Jahren sind selten.

Martin Puntigam: Und um die Hieroglyphen zu entziffern, hat man Glück haben müssen und dann ist

Martin Puntigam: es irgendwann einmal gelungen.

Martin Puntigam: Wir haben mit der Katze begonnen als Geigerzähler. Das ist ein Fach,

Martin Puntigam: das noch sehr klein ist, aber Atomsemiotik nennt man das, glaube ich,

Martin Puntigam: wie man den Menschen in 10.000 Jahren mitteilen möchte, in Finnland oder dann auch in Deutschland.

Martin Puntigam: Obacht, da unten liegt was, das ist gefährlich und zwar noch sehr lange.

Martin Puntigam: Geht dort bitte nicht hin. Wie kann man das denn so lang in die Zukunft mitteilen,

Martin Puntigam: dass dieses Wissen nicht verloren geht?

Hendrik Kranert: Tja, es bräuchte quasi den Rosetta-Stein, den es für die Hieroglyphen gab,

Hendrik Kranert: um sie zu entziffern für den Atommüll.

Hendrik Kranert: Ich weiß gar nicht, ob es tatsächlich notwendig ist. Also ich gehe ja mal davon

Hendrik Kranert: aus, dass wir, und ich möchte jetzt aufgrund der Aufnahmen nicht auf den Tisch

Hendrik Kranert: klopfen, aber dreimal Holz, dass wir ja immer schlauer werden.

Hendrik Kranert: Also zumindest diejenigen, die der Wissenschaft zugewandt sind,

Hendrik Kranert: merken das ja jeden Tag. Wir werden ja auch jeden Tag schlauer und wir müssen

Hendrik Kranert: ja eher aufpassen, dass wir nicht zu schlau werden, siehe KI.

Hendrik Kranert: Aber ich glaube, das ist eher ein, ja, man kann das Problem diskutieren und

Hendrik Kranert: man kann sich auch der Frage stellen und diskutieren, ob man...

Hendrik Kranert: Ob man nun Vorsorge treffen muss und dass es nicht ein Schild ist,

Hendrik Kranert: wo ein Totenkopf drauf ist, weil der nicht mehr da sein wird in 500.000 Jahren.

Martin Puntigam: Oder vielleicht ganz was anderes bedeutet.

Hendrik Kranert: Ja, mag auch sein. Ja, klar. Also ich hoffe eigentlich drauf,

Hendrik Kranert: dass die Menschheit nicht dümmer wird. Also da bin ich immer noch.

Martin Puntigam: Aber das ist kein hartes Konzept.

Hendrik Kranert: Nein, ist es sicherlich nicht. Aber Gott sei Dank bin ich ja dafür nicht zuständig.

Hendrik Kranert: Also man wird sich darüber noch Gedanken machen.

Hendrik Kranert: Wir haben ja auch, glaube ich, noch einiges an Zeit. Also in Deutschland ist

Hendrik Kranert: es so, dass man, wenn wir das Endlager gefunden haben, den Standort haben,

Hendrik Kranert: wir das Bergwerk errichtet haben und dann 30 Jahre wahrscheinlich brauchen oder

Hendrik Kranert: vielleicht auch noch länger, bis wir den ganzen Atommüll unter die Erde gebracht

Hendrik Kranert: haben, haben wir ja beschlossen,

Hendrik Kranert: dass wir eine Rückholbarkeit des Atommülls für 500 Jahre sicherstellen.

Hendrik Kranert: Das heißt, über diese Zeit muss auch gewährleistet werden, dass man den Leuten

Hendrik Kranert: sagt, da unten ist was. Und 500 Jahre ist schon eine ordentliche Spanne.

Hendrik Kranert: Und vielleicht passiert es ja tatsächlich, dass man in diesen 500 Jahren auch

Hendrik Kranert: eine Technologie findet, dass man sagt, wir können das alles,

Hendrik Kranert: ohne Probleme unschädlich machen und keine Ahnung, der Stein der Weisen der

Hendrik Kranert: Atomölentsorgung gefunden wird.

Hendrik Kranert: Man weiß es nicht. Also im 17. Jahrhundert hat ja auch keiner an die Dampfmaschine

Hendrik Kranert: gedacht, um das mal jetzt als etwas Plattitüde, einen haften Vergleich zu ziehen.

Hendrik Kranert: Das ist ja der Grund, warum man sagt, wir lassen 500 Jahre die Möglichkeit bestehen,

Hendrik Kranert: dass man das Zeug auch wieder rausbekommt.

Martin Puntigam: Und bis dahin muss man halt versuchen, Katzen zum Leichten zu bringen.

Martin Puntigam: Vielleicht, wenn sie in die Nähe von radioaktiven Zerfall kommen.

Hendrik Kranert: Vielleicht gibt es auch andere Möglichkeiten, außer die armen Katzen.

Martin Puntigam: Das war Ausgabe 146 des Science Busters Podcasts. Danke an die TU Wien und die

Martin Puntigam: Uni Graz, die die Produktion des Podcasts unterstützen. Danke an Hendrik Kraners

Martin Puntigam: für die umfangreichen Auskünfte.

Martin Puntigam: Danke fürs Streamen, Downloaden, Abonnieren, Bewerten, Empfehlen,

Martin Puntigam: Strahlen, Abklingen, Zwischen- und Endlagern, Leuchten und Miauen und was man

Martin Puntigam: sonst noch alles mit einem Podcast anstellen kann. Bis zum nächsten Mal.

Martin Puntigam: Tschüss und habe die Ehre.

Hendrik Kranert: Danke Martin. Es war mein Fest. Und wie sagt man in Österreich? Servus.

Martin Puntigam: Baba.

Hendrik Kranert: Baba.

Über diesen Podcast

Der Science Busters Podcast ist ein Podcast der Science Busters. Das trifft sich insofern sehr gut, weil der Name leicht zu merken ist.

Seit 2007 gibt es die Science Busters als Wissenschafts-Show-Projekt. Auf der Bühne, auf Radio FM4, als Bücher, als Lehrveranstaltung und TV-Sendungen. Und ab 2021 auch als Podcast. Weil fast immer mehr zu einem Thema zu sagen wäre, als im jeweiligen Format Platz hat. Nachhaltige Wissenschaftskommunikation, wenn man so will, lehrreich, unterhaltsam und durchgehend in Stereo.

In jeder Folge wird eine aktuelle Frage der Hörerschaft beantwortet, oder zwei. Und ein Thema umfassend beackert. Am Ende gibt es Tipps und Empfehlungen. Um Eigenwerbung zu vermeiden, muss immer einer die Arbeit seines Gegenüber bewerben.

Science Busters Podcast - transparent, unbestechlich, bürgernah
Tiere können der Handlung nicht folgen.

Produziert mit Unterstützung der Universität Graz und der TU-Wien

Kontakt: podcast@sciencebusters.at

von und mit Martin Puntigam, Martin Moder, Florian Freistetter

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